- Anzeigen -
Besuchen Sie auch unser Zeitschriftenportfolio im Bereich Governance, Risk, Compliance & Interne Revision

Compliance reflektieren und erfassen


Ruhr-Universität Bochum richtet Kolleg für Nachwuchsforscher zum Thema Compliance ein
Stiftung Mercator fördert acht Doktoranden - "Compliance im Interaktionsrahmen zwischen Unternehmen und Staat"


(12.02.10) - Spätestens seit der weltweiten Finanzkrise ist das Verhältnis von Staat und Unternehmen eine der Grundfragen unserer Zeit. In den USA längst alltäglich und staatlich sanktioniert, ist die "Compliance" in Deutschland noch immer eine weitgehend unerforschte rechtliche Grauzone. Dabei geht es um Maßnahmen und Mechanismen, darum Regeln zu beachten - etwa die des Kartell-, Steuer- und Umweltrechts sowie des Korruptionsstrafrechts.

Mit Unterstützung der Stiftung Mercator richtet die Ruhr-Universität Bochum (RUB) zum 1. April 2010 das nach eigenen Angaben deutschlandweit erste Nachwuchskolleg zum Thema "Compliance im Interaktionsrahmen zwischen Unternehmen und Staat" ein.

Die Laufzeit beträgt zunächst zwei Jahre. Acht Promotionsstipendien für herausragende junge Forscher sind ausgeschrieben.

Das Kolleg vereint Rechtswissenschaftler, Doktoranden und Vertreter der Rechtspraxis, die das Problem- und Gestaltungswissen zur Compliance mit einbringen - sie kommen zum Beispiel aus Unternehmen wie E.ON, Henkel, ThyssenKrupp und Hochtief und aus namhaften Rechtsanwaltskanzleien. Das Thema ist hoch aktuell, der Forschungsgegenstand entwickelt sich dynamisch.

Für die Unternehmen hat "Compliance" in den vergangenen Jahren rasant an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile haben die meisten deutschen Großunternehmen und zahlreiche mittelständische Unternehmen einen so genannten Chief-Compliance-Officer. In den USA hängt die Höhe von Geldbußen bereits vom Compliance-Programm des Unternehmens ab und werden effektive Programme belohnt. "Die rechtswissenschaftliche Herausforderung ist, den bisherigen Umgang mit Compliance in der Praxis kritisch zu reflektieren und erstmals systematisch zu erfassen", sagt Prof. Dr. Martin Burgi, Dekan der Juristischen Fakultät der RUB.

Mehr Transparenz und Rechtssicherheit
"Die Stiftung Mercator hat sich die Förderung von gesellschaftlich relevanten explorativen Forschungsthemen auf die Fahnen geschrieben. Das Thema "Compliance", in der Praxis längst etabliert, ist in rechtswissenschaftlicher Hinsicht ein noch weitgehend unerforschtes Phänomen an der Schnittstelle von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Mit der Einrichtung des Nachwuchsforscherkollegs möchte die Stiftung einen wegweisenden Beitrag zu mehr Transparenz und Rechtssicherheit in diesem Bereich leisten", so Dr. Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator, die das Nachwuchskolleg mit 100.000 Euro fördert.

Antworten auf die zentralen Fragen
Ziel des ersten Nachwuchskollegs ist, verschiedene Reformvorschläge zu erarbeiten und Antworten auf die zentralen Fragen zu geben: etwa, ob der Staat den Aufbau von Compliance-Systemen initiieren oder gar gesetzlich anordnen soll, welche "Privilegierungen" ein funktionierendes Compliance-System ermöglicht oder erlaubt und wie ein erfolgversprechender Mix von strafrechtlichen und haftungsrechtlichen Sanktionen gelingen kann.

"Das soll erstmals in einer die einzelnen Teilrechtsgebiete übergreifenden, eben intradisziplinären Weise geschehen", so Prof. Burgi. An der Bochumer Juristischen Fakultät leiten die Professoren Klaus Bernsmann (Wirtschaftsstrafrecht und Strafprozessrecht), Martin Burgi (Öffentliches Wirtschaftsrecht und Vergaberecht), Andrea Lohse (Wirtschaftsrecht) und Roman Seer (Steuerrecht) das Kolleg wissenschaftlich.

Workshops, Praktika, Kommunikation
Das Kolleg richtet sich an überdurchschnittlich gute Absolventinnen und Absolventen des ersten oder zweiten Juristischen Staatsexamens. Die Stipendiaten sollen Mitglieder der Ruhr University Research School werden, um ihre Projekte auch in einem größeren, fachübergreifenden Rahmen diskutieren und weiterdenken zu können. Die Teilnahme an Workshops, Tagungen sowie ein Praktikum sind obligatorisch im Kolleg.

"Wir wollen auch die kommunikativen Fähigkeiten der Doktoranden und ihre spätere berufspraktische Qualifikation stärken", so Prof. Burgi. Die Höhe der Promotionsstipendien beträgt 1.200 Euro pro Monat.
(Dr. Josef König, Pressestelle der Ruhr-Universität Bochum: ra)

Ruhr-Universität Bochum: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -




Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Markt / Unternehmen

  • Mahn- und Inkassoverfahren fair und transparent

    Zum 1. Oktober trat der Code of Conduct für faires und verbraucherfreundliches Inkasso in Kraft. Auf diesen Verhaltenskodex haben sich die Inkassounternehmen des Branchenverbands BDIU einstimmig verständigt. Wer fällige Rechnungen trotz erhaltener Mahnungen nicht bezahlt, muss damit rechnen, Post von einem Inkassodienstleister zu erhalten. "Viele Verbraucherinnen und Verbraucher haben vor dieser Situation Respekt", sagt Brigitte Zypries, Ombudsfrau der Inkassowirtschaft, "mitunter auch, weil es ihnen zum ersten Mal passiert, dass sie das Mahnschreiben eines Inkassounternehmens erhalten und sich unsicher sind, wie sie damit umgehen sollten." Für alle Verbraucherinnen und Verbraucher sei es wichtig zu wissen, dass Mahn- und Inkassoverfahren fair und transparent durchgeführt werden und dass die Rechtsdienstleister die Rechte der säumigen Zahler achten. Das gewährleistet der Code of Conduct, den die Mitgliedsunternehmen des BDIU ab dem 1. Oktober 2021 nachprüfbar einhalten müssen. Die Selbstverpflichtung zu einem fairen und verantwortungsvollen Inkasso ist von allen Menschen, die Kontakt mit einem BDIU-Inkassounternehmen haben, in der Praxis einforderbar.

  • Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten

    Die Antikorruptionsorganisation Transparency Deutschland hat das Bundesverkehrsministerium (BMVI) im Jahr 2018 aufgefordert, gemäß Informationsfreiheitsgesetz (IFG) und Umweltinformationsgesetz (UIG) Auskünfte zur Aufklärung des Dieselskandals zu erhalten. Statt, wie gesetzlich vorgesehen, innerhalb von einem Monat Auskunft zu erteilen, beauftragte Bundesminister Andreas Scheuer (CSU) die bekannt teure Anwalts- und Beratungsfirma KPMG damit, die berechtigten Auskunftsansprüche zu torpedieren. Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten erhielt Transparency Deutschland im Februar 2021 4.228 größtenteils geschwärzte Seiten. Obwohl ein weiteres gerichtliches Vorgehen mit Blick auf die Schwärzungen inhaltlich angebracht erschiene, bricht Transparency Deutschland das Verfahren an dieser Stelle ab. Denn in absehbarer Zeit ist kein brauchbares Ergebnis zu erwarten und der dauernde Aufwand durch die von Transparency beauftragte Anwaltskanzlei Partsch und Partner kann nicht länger mit einer "pro bono"-Gebühr erledigt werden. Mit der Klagerücknahme kommt die Organisation außerdem ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl nach, da sich die Kosten für die Steuerzahlenden durch die Mandatsübertragung auf KPMG bereits auf mindestens 300.000 Euro summieren.

  • Der erste Schritt ist immer die Echtheitsprüfung

    Über solche Post freut sich niemand: Falsche Inkasso-Schreiben, auf denen Geld für Dinge verlangt wird, die man nie bestellt hat. Was tun, wenn so etwas im Briefkasten landet? Wie unterscheidet man eine Fälschung von einem echten Mahnschreiben, auf das man unbedingt reagieren muss? Und was dürfen echte Inkassodienstleister eigentlich? Um Ratsuchenden zu helfen, hat der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) jetzt seine Website erweitert. Ein neues Verbraucherportal auf inkasso.de hilft, erhaltene Inkasso-Schreiben qualifiziert zu beurteilen."Der erste Schritt ist immer die Echtheitsprüfung", erläutert BDIU-Sprecher Marco Weber. "Immer wieder versenden Kriminelle fingierte Schreiben." Unter "Mahnung checken" zeigt der Inkassoverband, wie echte Inkassoschreiben zu erkennen und Fälschungen zu entlarven sind. Ein tagesaktueller Störungsmelder warnt vor bekannten Betrugsmaschen. Wer trotz der Tipps Zweifel hat, kann sich an das Team der BDIU-Beschwerdestelle um Ombudsfrau Brigitte Zypries wenden. Deren Arbeit wird durch die ehemalige Bundeswirtschafts- und Justizministerin beaufsichtigt. Bei komplexen Beschwerden und Sachverhalten vermittelt die Ombudsfrau selbst.

  • Einhaltung gesetzlicher Transparenzvorschriften

    Die Wettbewerbszentrale hat Beschwerden zur Werbung mehrerer Unternehmen - darunter auch namhafte Markenhersteller - mit der Aussage "klimaneutral" erhalten. In den Werbemaßnahmen wurde das Attribut "klimaneutral" entweder auf das eigene Unternehmen, auf eigene Produkte oder gar auf einen einzelnen Aspekt (z.B. "100 % klimaneutrale Produktion") bezogen. In bislang zwölf Fällen hat die Wettbewerbszentrale die Werbeaussagen als irreführend abgemahnt und die Einhaltung gesetzlicher Transparenzvorschriften verlangt. Sechs Unternehmen haben sich verpflichtet, die monierten Werbeaussagen nicht zu wiederholen. In vier Fällen hat die Wettbewerbszentrale Unterlassungsklage eingereicht: zu den Aussagen "Erster klimaneutraler Lebensmitteleinzelhändler" und "wir handeln klimaneutral", zu Plastik-Müllbeuteln, die selbst als "klimaneutral" beworben werden, zu "klimaneutralem Premium-Heizöl" und zu der Aussage "klimaneutrales Produkt". Andere Verfahren laufen noch.

  • Compliance- und Whistleblowing-Systeme

    Business Keeper, Unternehmen für Compliance-Software und elektronische Whistleblowing-Systeme, verbucht sowohl im Geschäftsjahr 2020 als auch im ersten Quartal dieses Jahres Rekordumsätze. Trotz des vorerst gescheiterten Gesetzentwurfs zum Whistleblower-Schutz in Deutschland antizipiert das Unternehmen auch für die kommenden Monate steigenden Kundenzuwachs und schafft neue Arbeitsplätze an den Standorten in Berlin, Paris und Madrid. Anlässlich der EU-Whistleblowing-Richtlinie, die bis Ende 2021 in nationales Recht überführt werden muss, und pünktlich zum 20. Firmenjubiläum schreibt Business Keeper Unternehmens-Rekorde. Sowohl im zurückliegenden Jahr 2020 als auch Q1 2021 verbuchte Business Keeper die jeweils höchsten Umsätze mit Neukunden der Firmengeschichte - dies ist ein Indikator für die zunehmende Sensibilisierung deutscher und internationaler Firmen für die Relevanz ethischer Unternehmensführung.