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Beschaffung von Drogeriemarktartikeln


Drogerie-Markt: Bundeskartellamt gibt Kooperation Edeka/Budnikowsky frei
Edeka beabsichtigt den bundesweiten Aufbau einer eigenen Drogeriefachmarktkette; die Zusammenarbeit mit Budnikowsky soll dies erleichtern


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Das Bundeskartellamt hat die Bildung eines Gemeinschaftsunternehmens zwischen Edeka und Budnikowsky freigegeben. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, sagte: "Bei der Bewertung von Fusionen im Einzelhandelsbereich müssen wir stets sowohl die Wettbewerbsverhältnisse auf der Einkaufsseite als auch die betroffenen Absatzmärkte untersuchen. Bei der Beschaffung von Drogeriemarktartikeln liegen die beiden Unternehmen sortimentsübergreifend insgesamt unter 15 Prozent Marktanteil in Deutschland, wobei der Zuwachs durch Budnikowsky sehr gering ausfällt. Auf der Absatzseite werden in Hamburg zwar deutlich höhere Marktanteile erzielt. Budnikowsky ist dort aber zunehmend scharfem Wettbewerb vor allem durch die im übrigen Bundesgebiet führenden Unternehmen dm und Rossmann ausgesetzt. Durch die Zusammenarbeit mit Edeka kann Budnikowsky strukturelle Nachteile, die im Wareneinkauf gegenüber diesen Wettbewerbern bestehen, verringern. Dies wird nach unserer Einschätzung dem Wettbewerb zugute kommen und damit auch den Verbrauchern nutzen."

Edeka ist das größte Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen in Deutschland mit 49,6 Mrd Euro Umsatz. Budnikowsky ist ein Drogeriemarktunternehmen mit 181 Standorten in der Metropolregion Hamburg und rund 480 Mio. Euro Umsatz. Die Unternehmen planen spätestens im nächsten Jahr die Beschaffung, IT, E-Commerce, Verwaltung und Logistik von Budnikowski in eine eigenständige Gesellschaft auszugliedern, an der sich Edeka beteiligen wird. Mit dem gemeinsamen Einkauf soll schon in diesem Jahr begonnen werden. Der Betrieb der Drogeriefilialen soll allein in der Verantwortung des Familienunternehmens Budnikowsky bleiben. Es ist aber davon auszugehen, dass Edeka nach dem Zusammenschluss einen wettbewerblich erheblichen Einfluss auf Budnikowsky ausüben kann. Edeka beabsichtigt den bundesweiten Aufbau einer eigenen Drogeriefachmarktkette; die Zusammenarbeit mit Budnikowsky soll dies erleichtern.

Das Bundeskartellamt hat die Drogeriemärkte in dem Fall erstmals seit längerem untersucht. Nach der Insolvenz des Marktführers Schlecker sind dessen Marktanteile auf die verbliebenen Wettbewerber übergegangen; dm und Rossmann sind erheblich gewachsen.

Als Anbieter von Drogerieartikeln treten nicht nur die Drogeriefachmärkte auf, sondern auch die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels. Diese sind daher nicht nur auf der Beschaffungsseite als Wettbewerber der Drogeriefachhändler anzusehen, sondern auch auf den Absatzmärkten. Da die Lebensmitteleinzelhändler im Bereich der Drogeriewaren allerdings hinter der Sortimentstiefe und -breite der Fachmärkte zurückbleiben, geht das Bundeskartellamt insofern von einem abgestuften Wettbewerbsverhältnis aus. Beide Gruppen vereinigen einen etwa gleich hohen Anteil des Gesamtmarktes auf sich. Räumlich teilt das Amt die Absatzmärkte wie im Lebensmitteleinzelhandel bundesweit in insgesamt 345 Markträume auf, wobei in Großstädten eine Betrachtung von Stadtbezirken vorgenommen wird.

Budnikowsky hat in der Stadt Hamburg zusammen genommen einen Marktanteil von 30-35 Prozent. Der Marktanteil von Edeka beträgt hier 5-10 Prozent. Diese Marktanteile schwanken in den einzelnen Stadtbezirken Hamburgs. Seit der Eröffnung von Filialen von dm und Rossmann in Hamburg ist der Marktanteil von Budnikowsky in den letzten Jahren deutlich rückläufig. Gegenüber diesen beiden um ein Vielfaches größeren Unternehmen hat Budnikowsky erhebliche Beschaffungs- und Kostennachteile. Da Budnikowsky außerhalb der Metropolregion Hamburg nicht tätig ist, kann es diese allein auch nicht ausgleichen. Insoweit verspricht die Kooperation mit Edeka eine Verringerung dieser Strukturnachteile. Edeka verfügt im Drogeriemarktbereich in Hamburg – anders als im Bereich des Lebensmitteleinzelhandels – nicht über eine besonders starke Stellung. Das Bundeskartellamt sah daher in der Fusion keine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs, die eine Untersagung rechtfertigen würde.

Das Bundeskartellamt hat in diesem Fall erhebliche Vorermittlungen durchgeführt, bei denen neben den Parteien auch weitere Marktteilnehmer wie dm und Rossmann konstruktiv mitgewirkt haben. Außerdem konnte es auf Zahlen aus dem Fusionsvorhaben Rewe/Coop zurückgreifen. Insofern konnte es die Ermittlungen in der ersten Phase innerhalb eines Monats abschließen. Es hat bei seiner wettbewerblichen Würdigung die Stellungnahmen weiterer Unternehmen, die teilweise auch Beiladungsanträge gestellt haben, berücksichtigt. (Bundeskartellamt: ra)

eingetragen: 20.05.17
Home & Newsletterlauf: 02.06.17

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Meldungen: Kartellrecht

Kartellrecht und Kartellvergehen

  • Herstellung von Verkehrsflugzeugen

    Das Bundeskartellamt hat die Übernahme der C-Series Aircraft Limite Partnership, Kanada ("CSALP") - einem Tochterunternehmen der Bombardier Inc. Montréal, Kanada - durch die Airbus SE, Leiden, Niederlande freigegeben. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, sagte: "Durch den Zusammenschluss kommt es nicht zu einer erheblichen Behinderung wesentlichen Wettbewerbs. Da Airbus vorwiegend Verkehrsflugzeuge mit einer Sitzplatzkapazität von über 150 Sitzen und die Bombardier-Tochter CSALP ausschließlich kleinere Flugzeuge herstellt, stehen die Unternehmen nicht in einem nahen Wettbewerbsverhältnis. CSALP hat auf dem weltweiten Markt für kleinere Flugzeuge mit 100 bis 150 Sitzen zwar eine starke Position. Die Ermittlungen haben allerdings ergeben, dass dieser Flugzeugtyp bei europäischen und insbesondere deutschen Fluggesellschaften von untergeordneter Bedeutung ist."

  • Marktbeherrschende Stellung als Zementhersteller

    Die Schwenk KG, Ulm hat von ihrem Vorhaben Abstand genommen, ein Zementwerk in Karsdorf (Sachsen-Anhalt) von der Opterra GmbH, Leipzig, zu übernehmen. Die Opterra GmbH ist eine Tochtergesellschaft des irischen Baustoffkonzerns CRH. Zuvor hatte das Bundeskartellamt den Unternehmen mitgeteilt, dass das Vorhaben wettbewerblich bedenklich sei. Die Rücknahme der Anmeldung umfasst auch die an sich wettbewerblich unbedenkliche Übernahme des Zementwerks Sötenich (Eifel). Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, sagte: "Die Fusion ließ eine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs erwarten und wäre daher zu untersagen gewesen. Schwenk hätte durch die Übernahme des Werkes in Karsdorf eine marktbeherrschende Stellung als Zementhersteller in der Region Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen erlangt. Insbesondere die Position unabhängiger Transportbetonkunden hätte sich nach einem Zusammenschluss deutlich verschlechtert."

  • Stromerzeugung im Wandel

    Die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt haben heute ihren gemeinsamen jährlichen Monitoringbericht über die Entwicklungen auf den deutschen Elektrizitäts- und Gasmärkten veröffentlicht. "Das Jahr 2016 zeigt erneut, dass die Stromerzeugung in Deutschland ständigen Veränderungen unterliegt", sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. "2016 war ein windarmes Jahr, deswegen stieg die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien nur leicht an. Dagegen wurde erstmals seit Jahren wieder mehr Strom aus Erdgas produziert - die Menge stieg um rund 37 Prozent", führt Homann weiter aus. Die in Deutschland installierte Erzeugungskapazität stieg auf 212 GW an (2015: 205 GW, 2014: 196 GW), wovon 104,5 GW den erneuerbaren Energieträgern zuzuordnen sind. Die neu eingeführten Ausschreibungen für den Zubau erneuerbarer Kapazitäten werden in Zukunft die Kapazitätsentwicklung im Bereich der Erneuerbaren Energien determinieren. Insgesamt wurden bislang 13 Ausschreibungsrunden durchgeführt. Alle Ausschreibungen weisen einen erheblichen Kostensenkungstrend auf. Entscheidend wird sein, wie viele der bezuschlagten Anlagen auch tatsächlich realisiert werden. Die ersten Erfahrungen sind positiv: In den ersten beiden PV-Ausschreibungsrunden aus dem Jahr 2015 konnten hohe Realisierungsquoten von über 90 Prozent verbucht werden.

  • Durchsetzung des Verbraucherrechts

    Das Bundeskartellamt hat eine Sektoruntersuchung "Vergleichsportale" im Internet eingeleitet. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, sagte: "Millionen von Verbrauchern informieren sich alltäglich mit Hilfe von Vergleichsportalen im Internet. Buchungen über hohe Beträge und weitreichende Vertragsabschlüsse werden von den Angaben der Portale beeinflusst. Wir müssen sicherstellen, dass die Verbraucher sich dabei auf die Zuverlässigkeit, die Objektivität und die Transparenz der Portale verlassen können."

  • Herausforderungen für die Kartellrechtspraxis

    Am 5. Oktober 2017 fand die Tagung des Arbeitskreises Kartellrecht statt. Auf Einladung des Bundeskartellamtes trafen sich über 120 Wettbewerbsexperten zur Diskussion und zum Gedankenaustausch über das Thema "Innovationen - Herausforderungen für die Kartellrechtspraxis". Der Arbeitskreis setzt sich zusammen aus zahlreichen Professoren rechts- und wirtschaftswissenschaftlicher Fakultäten, hochrangigen Vertretern nationaler und europäischer Wettbewerbsbehörden und Ministerien sowie Richtern der Kartellsenate beim Oberlandesgericht Düsseldorf und beim Bundesgerichtshof. Seit über 40 Jahren finden in diesem Rahmen jährliche Konferenzen zu grundsätzlichen wettbewerbspolitischen Themen statt. Prof. Dr. Konrad Ost, Vizepräsident des Bundeskartellamtes, sagte: "Innovationen sind der Schlüssel für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum von Volkswirtschaften und Unternehmen. Wir dürfen bei der Kartellrechtspraxis nicht nur auf kurzfristige Preiseffekte achten. Wettbewerb soll vor allem auch Auswahlfreiheit für Verbraucher und Innovationspotentiale sichern und fördern. Das gilt gleichermaßen für traditionelle Industrien wie zum Beispiel im Pflanzenschutz, wie für die moderne Plattformökonomie. Wir werden uns mit dem Thema Innovationen und Wettbewerbsrecht in Zukunft noch intensiver befassen."