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Kriminalitätsbekämpfung und Compliance


Entscheidend für den Erfolg des Compliance-Systems sind insbesondere das Engagement des obersten Managements und die Einbindung der Mitarbeiter
Führungskräfte diskutierten auf der zweitägigen Wirtschaftskonferenz "Compliance Masters 2008" effektive Compliance-Systeme


(07.10.08) - Am 30.09.2008 endete in Berlin die zweitägige Wirtschaftskonferenz "Compliance Masters 2008" von econique. Die teilnehmenden Führungskräfte aus den Bereichen Recht, Compliance, Interne Revision und Risikomanagement beschäftigten sich im Schwerpunkt mit den Herausforderungen durch die 8. EU-Richtlinie, Anti-Korruption und den aktuellsten Entwicklungen im Compliance-Management.

Prof. Dr. Kai Bussmann von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eröffnete die Konferenz mit den Ergebnissen der "Global Economic Crime Survey". Im Rahmen der Studien werden alle zwei Jahre rund 5.400 Unternehmen aus 40 Ländern zum Thema Wirtschaftskriminalität befragt. Es ließ sich ein Anstieg der Verstöße im Jahr 2007 im Vergleich zu 2005 feststellen, insbesondere in den Bereichen Produktpiraterie/ Industriespionage und Unterschlagung/Betrug. Dies, so der Experte Bussmann, liege nicht daran, dass die Anzahl der Delikte zunähme, sondern daran, dass immer mehr Fälle aufgedeckt werden. Die Unternehmen seien in den vergangenen Jahren stärker dafür sensibilisiert worden und hätten ihre Bemühungen um Aufklärung verstärkt.

Trotzdem unterschätzen viele Unternehmen nach wie vor die Schadensrisiken durch Wirtschaftskriminalität, kritisierte Bussmann. Neben den erheblichen finanziellen Verlusten und strafrechtlichen Folgen für die Unternehmen können auch indirekte Schäden, wie etwas ein Reputationsverlust, auftreten. So gaben 92 Prozent der Unternehmen bei der Befragung an, dass ihre Geschäftsbeziehungen durch die Vorfälle beeinträchtigt wurden, 90 Prozent verzeichneten einen Rückgang der Motivation der Mitarbeiter und der Arbeitsmoral. Die Folgewirkungen können für die Unternehmen gravierend sein. Die Unternehmen seien daher gezwungen, so der Rückschluss Bussmanns, umfassende Präventionsmaßnahmen zu ergreifen, um Fehltritten frühzeitig entgegen zu wirken. Die Einführung eines Werte-Managements könne hierbei erheblich zum Erfolg beitragen.

So unterschiedlich die Vortragthemen waren, ein Resümee wurde von nahezu allen Referenten gezogen: Entscheidend für den Erfolg des Compliance-Systems sind insbesondere das Engagement des obersten Managements und die Einbindung der Mitarbeiter. Führungskräfte sollten personelle und finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, gleichzeitig aber auch durch eigenes Verhalten eine Vorbildfunktion übernehmen. Neben dem Management sind die Mitarbeiter entscheidend, sie müssen das System mittragen und im Arbeitsalltag leben. Ihnen müsse verdeutlicht werden, dass jeder Einzelne von ihnen durch die Folgen von Wirtschaftskriminalität betroffen sein kann, spätestens wenn die Folgen den eigenen Arbeitsplatz gefährden. Stefan Noppes, Compliance Manger von Philip Morris bringt es auf den Punkt: "Compliance ist sowohl eine Führungsaufgabe, als auch eine kollektive Aufgabe".

Neben den Fachvorträgen nutzen die Manager auch die Möglichkeit an den interaktiven Evening Sessions zum Thema "effektive Betrugsbekämpfung durch Compliance" teilzunehmen. Die Evening Sessions sind interaktive Diskussionsrunden in denen die Teilnehmer in Kleingruppen Inhalte der Fachvorträge vertiefen und austauschen können. Auch hier kamen die Compliance Manager zu dem Fazit, dass eine effektive Kriminalitätsbekämpfung nicht nur mit der Befolgung von Rechtsvorschriften beizukommen sei, sondern ebenfalls eine entsprechende Unternehmenskultur geschaffen werden müsse.

Am zweiten Veranstaltungstag ging es vorwiegend um die Herausforderungen der 8. EU-Richtlinie (EuroSOX) und ihre Umsetzung in Deutschland. Die Umsetzung der Richtlinie erfolgt in Deutschland durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), das voraussichtlich am 01.Januar 2009 in Kraft treten soll. Seitens der Manager herrschte vielfach noch Unsicherheit, was mit dem BilMoG auf sie zukommen wird. Dr. Christoph Ernst, vom Bundesministerium der Justiz, bemühte sich mit seinem Vortrag die Bedenken auszuräumen. Die Veränderungen wären nicht so umfangreich, wie häufig dargestellt, und die Belastung für die Unternehmen keinesfalls mit den SOX-Regularien vergleichbar, so der Referatsleiter für Bilanzrecht. (econique: ra)

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