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Arbeitsschutz in der Beschaffungskette


Europäische Arbeitsschutzexperten treffen mit dem EU-Kommissionsmitglied zusammen, um sich mit den besonderen Schwierigkeiten für Kleinst- und Kleinunternehmen auseinanderzusetzen
Viele KKU sind der Meinung, dass das Arbeitsschutzmanagement eine große Herausforderung darstellt; in diesen Unternehmen sind Sicherheit und Gesundheit von Arbeitnehmern vermutlich stärker gefährdet als in anderen großen Unternehmen



Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) begrüßt Kommissionsmitglied Marianne Thyssen und weitere Interessenträger zu einem Seminar über Möglichkeiten zur Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit für Arbeitnehmer in Kleinst- und Kleinunternehmen (KKU). Das Seminar findet parallel zur Veröffentlichung von zwei neuen Berichten mit den aktuellen Ergebnissen des Projekts der EU-OSHA zu KKU am 25. Januar in Bilbao statt. Im Mittelpunkt der Berichte wie auch des Seminars werden Beispiele bewährter Verfahrensweisen aus der gesamten EU stehen; dabei werden zentrale Erfolgsfaktoren und Probleme benannt und die wichtige Rolle von Vermittlern für die erfolgreiche Anwendung von Verfahren und Werkzeugen zur Förderung des Arbeitsschutzes in KKU erläutert.

Der Schutz von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit gehört zu den wesentlichen Grundsätzen unserer europäischen Säule der sozialen Rechte. Es ist unabdingbar, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter, nationale Behörden und Arbeitsschutzberater zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass Arbeitnehmer in Kleinst- und Kleinunternehmen in den Genuss von sicheren und gesundheitsverträglichen Arbeitsbedingungen kommen.

Viele KKU sind der Meinung, dass das Arbeitsschutzmanagement eine große Herausforderung darstellt; in diesen Unternehmen sind Sicherheit und Gesundheit von Arbeitnehmern vermutlich stärker gefährdet als in anderen großen Unternehmen. Tatsächlich entfallen über 80 Prozent aller berufsbedingten Verletzungen in der EU auf Kleinstunternehmen und kleine und mittlere Unternehmen. Folgendes lässt sich feststellen: Je kleiner das Unternehmen, desto höher das Risiko. Die Ergebnisse der jüngsten Berichte werfen ein Schlaglicht auf die für Kleinst- und Kleinunternehmen spezifischen Probleme und Belange, auf Einstellung und Verhalten in Bezug auf den Arbeitsschutz sowie auf die positiven und negativen Faktoren für die Umsetzung von Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in diesen Unternehmen.

Anhand der Beispiele bewährter Verfahrensweisen aus KKU, die im Zuge des Projekts eingehend analysiert wurden, können die Experten feststellen, welche Maßnahmen für wen und unter welchen Voraussetzungen wirksam sind. Zu den erfolgreichen Ansätzen zur Förderung von Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit gehören Sensibilisierungsmaßnahmen, Schulungen, die Bereitstellung praktischer Instrumente und finanzielle Anreize. Aus den Berichten geht zudem klar hervor, dass Vermittler bei der Förderung des Arbeitsschutzes in KKU eine entscheidende Rolle spielen; dies ist auch ein zentrales Diskussionsthema in dem Seminar.

Marianne Thyssen, für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität zuständiges Mitglied der Europäischen Kommission, hebt hervor: "Der Schutz von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit gehört neben dem sozialen Dialog und der Arbeitnehmerbeteiligung zu den wesentlichen Grundsätzen unserer europäischen Säule der sozialen Rechte. Deshalb ist es unabdingbar, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter, nationale Behörden und Arbeitsschutzberater zusammenarbeiten, um Sicherheit und Gesundheitsschutz in Kleinst- und Kleinunternehmen zu fördern und um sicherzustellen, dass die Arbeitnehmer in diesen Unternehmen in den Genuss von sicheren und gesundheitsverträglichen Arbeitsbedingungen kommen; die Richtigkeit dieser Forderung wird durch die Beispiele bewährter Verfahrensweisen belegt."

Beispiele bewährter Verfahrensweisen
Ein besonders gutes Beispiel für den Nutzen, den gemeinsame Anstrengungen unterschiedlicher Interessenträger und die Berücksichtigung des Arbeitsschutzes in der Beschaffungskette bringen, ist das britische Olympiapark-Projekt. Beim Bau des Olympiaparks wurden alle relevanten Interessenträger — unter anderem die nationale Arbeitsaufsichtsbehörde, die Auftragnehmer und Gewerkschaften — vor Projektbeginn und bei allen Projektabschnitten konsultiert. Sicherheit und Gesundheitsschutz hatten oberste Priorität, und — über die gesamte Beschaffungskette hinweg — waren alle KKU, die als Unterauftragnehmer für Projektarbeiten tätig waren, zur Einhaltung strenger Arbeitsschutznormen verpflichtet, was eine außergewöhnlich niedrige Unfallquote während der Bauarbeiten zur Folge hatte.

Zentrale Voraussetzung für die Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit ist es, KKU anzuspornen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, und sie auf relevante Instrumente und Rechtsvorschriften hinzuweisen. In Dänemark gehen Arbeitsaufsichtsbeamte im Rahmen einer landesweiten Arbeitsschutzinitiative systematisch in KKU und stellen arbeitsschutzbezogene Empfehlungen und Mittel bereit, um alle diese Unternehmen zu erreichen und mit ihnen in einen Dialog einzutreten.

Die Direktorin der EU-OSHA, Christa Sedlatschek, stellt ein weiteres Beispiel heraus, das deutlich macht, wie Vermittler auf nationaler Ebene KKU bei der Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen unterstützen können: "In Frankreich wurden Instrumente für die interaktive Online-Gefährdungsbeurteilung (OiRA-Instrumente) in das präventive Konzept für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit integriert. Das nationale Institut für Forschung und Sicherheit hat sich den von der EU-OSHA entwickelten Rahmen zunutze gemacht und OiRA-Instrumente speziell auf die Anforderungen von zwei Branchen – Straßenverkehr und Gaststättengewerbe – zugeschnitten, in denen überwiegend KKU tätig sind und die in Bezug auf Arbeitsschutzrisiken besonders gefährdet sind; mithilfe dieser Instrumente können die Unternehmen die Gefahren in ihren eigenen Betrieben beurteilen und Maßnahmen zur Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz ergreifen. Besonders beeindruckend an diesem Beispiel ist, dass es dank des abgestimmten Vorgehens von verschiedenen regionalen und nationalen Arbeitsschutzinstituten, Berufsverbänden und sonstigen relevanten Partnern auf Branchenebene möglich war, diese Instrumente zu entwickeln und sie KKU zur Verfügung zu stellen."

Obwohl diese Beispiele in ihrer Gesamtheit zeigen, dass der Arbeitsschutz in KKU durch wirksame Instrumente und gut geplante Maßnahmen erfolgreich gefördert werden kann, beruhen viele dieser Initiativen auf Freiwilligkeit und werden daher nicht von den KKU übernommen, die keinen proaktiven Ansatz bei Arbeitsschutzmaßnahmen verfolgen und die nicht aktiv mit Arbeitsschutzinstitutionen zusammenarbeiten.

Es stellt sich daher die Frage, wie politische Strategien und Programme angelegt werden können, um den Anforderungen der am schwersten erreichbaren KKU zu entsprechen. Im abschließenden Analysebericht zu dem Projekt, dessen Erscheinen im Laufe des Jahres vorgesehen ist, wird auf diese Frage ausführlich eingegangen; dabei werden insbesondere die Übertragbarkeit von bewährten Verfahrensweisen untersucht und die Rolle von politischen Strategien und Programmen im Hinblick auf die Vorschriften und auf den sozioökonomischen Zusammenhang erkundet.

2014 leitete die EU-OSHA ein auf drei Jahre angelegtes Projekt ein, um festzustellen, welche politischen Strategien, Konzepte und praktischen Herangehensweisen im Bereich Arbeitsschutzmanagement in den für unsere Gesellschaft und die EU-Wirtschaft äußerst wichtigen KKU wirksam sind. Das Projekt wurde bei einer Gruppe von Wissenschaftlern, die sich zu dem Konsortium SESAME (Safe Small and Micro Enterprises) zusammengeschlossen haben, in Auftrag gegeben; die Durchführung erfolgte in vier Schritten:
Schritt 1 beinhaltete die Einschätzung der aktuellen Situation in Bezug auf Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in KKU; in
Schritt 2 wurde der Arbeitsschutz in KKU aus der Perspektive des Arbeitsplatzes und in
Schritt 3 die Erfolgsfaktoren für wirksame politische Strategien und praktische Verfahrensweisen im Bereich Arbeitsschutz in KKU untersucht, während
Schritt 4 der abschließenden Analyse der Projektergebnisse diente.

Im Großen und Ganzen ging es bei dem Projekt um die folgenden drei Hauptziele:
1. Bereitstellung von Fakten zur Untermauerung von Empfehlungen für die Politik;
2. Ermittlung von Beispielen bewährter Verfahrensweisen bei der Arbeit, die ein gutes Arbeitsschutzmanagement gewährleisten, und
3. Erbringung von Vorleistungen für künftige Forschungsarbeiten zu den Determinanten in Bezug auf gute Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit. Während der Jahre 2016 und 2017 wurden Ergebnisse der einzelnen Schritte veröffentlicht.

Die Aufgabe der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) besteht darin, dazu beizutragen, dass die Arbeitsplätze in Europa sicherer, gesünder und produktiver werden. Die Agentur untersucht, entwickelt und verbreitet verlässliche, ausgewogene und unparteiische Informationen über Sicherheit und Gesundheitsschutz und organisiert europaweite Kampagnen zur Sensibilisierung. Die Agentur wurde 1994 von der Europäischen Union gegründet und hat ihren Sitz in Bilbao, Spanien. Sie bringt nicht nur Vertreter der Europäischen Kommission, der Regierungen der Mitgliedstaaten, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen, sondern auch führende Sachverständige zusammen - und dies in jedem der 28 EU-Mitgliedstaaten und darüber hinaus.
(EU-OSHA: ra)

eingetragen: 25.01.18
Newsletterlauf: 08.03.18



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    Der Rat hat seinen Standpunkt zu drei Vorschlägen festgelegt, mit denen ein zentrales europäisches Zugangsportal (ESAP) geschaffen wird, das die erste Maßnahme im Rahmen des Aktionsplans zur Kapitalmarktunion darstellt. Mit dieser Maßnahme soll ein zentrales Zugangsportal für öffentliche finanz- und nachhaltigkeitsbezogene Informationen zu Unternehmen und Anlageprodukten in der EU geschaffen werden.

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    Damit der Unionsrahmen für die Bekämpfung der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung (AML/CFT) effizienter funktioniert, wird die EU eine spezielle Behörde zur Bekämpfung der Geldwäsche einrichten. Der Rat hat seinen partiellen Standpunkt zu dem Vorschlag festgelegt. Angesichts des grenzüberschreitenden Charakters von Straftaten dürfte die neue Behörde einen wichtigen und nützlichen Beitrag zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung leisten.

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    Der Rat der EU hat eine überarbeitete Verordnung über die transeuropäischen Energienetze (TEN-E) angenommen. Ziel der neuen Vorschriften ist eine Modernisierung, Dekarbonisierung und Verknüpfung der grenzübergreifenden Energieinfrastrukturen in den Mitgliedstaaten, um die EU bei der Verwirklichung ihrer Klimaneutralitätsziele für 2050 zu unterstützen. Mit der überarbeiteten Verordnung sollen zudem weiterhin Marktintegration, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit gewährleistet werden.

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