- Anzeigen -

Sie sind hier: Home » Markt » Hintergrund

Lernkultur in Deutschland muss entwickelt werden


Non-Compliance kann viele Ursachen haben: Der "Faktor Mensch" bestimmt den Unternehmenserfolg - Compliance muss ein Element der Unternehmenskultur werden
Provadis-Forum "Fertigung und Produktion": Experten diskutierten aktuelle Trends und Lösungsansätze


(10.11.08) - Um den "Erfolgsfaktor Mensch" drehte sich beim ersten Forum Produktion & Fertigung der Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH nahezu alles. Rund 60 Experten verschiedener Unternehmen aus der chemischen und pharmazeutischen Industrie waren der Einladung des Aus- und Weiterbildungsdienstleisters gefolgt und informierten sich bei der Veranstaltung über mögliche Lösungsansätze, um steigenden Qualitätsanforderungen und der Notwendigkeit einer hocheffizienten Organisation von Prozessen gerecht zu werden. Auch der drohende Fachkräftemangel war ein Thema bei der Veranstaltung.

"Die Veränderungsprozesse in unserer Arbeitswelt vollziehen sich in immer kürzeren Abständen", erklärte Provadis-Geschäftsführer Dr. Udo Lemke bei der Begrüßung der Teilnehmer in der Jahrhunderthalle, unweit des Industrieparks Höchst gelegen. "Daher ist der Mensch als Produktionsfaktor von immer größerer Bedeutung, denn diese Veränderungsprozesse müssen gestaltet werden." Provadis biete daher mit dem Forum Produktion und Fertigung eine Plattform, um Entscheidungsträgern aus der Wirtschaft einen Gedankenaustausch zu ermöglich.

Sinkende Schulabgängerzahlen als Problem für Unternehmen

In seinem Vortrag setzte sich Dr. Lemke mit dem Thema "Fachkräftemangel" auseinander: Die dauerhaft sinkenden Bevölkerungszahlen in Deutschland und das steigende Durchschnittsalter der Bundesbürger werden dramatische Auswirkungen Medieninformation auf die Arbeitswelt haben. Bei Provadis, dem größten Aus- und Weiterbildungsdienstleister Hessens, wird vor allem die Entwicklung der Schulabgängerzahlen verfolgt. Auch hier zeichnet sich eine problematische Entwicklung ab: Zwar geht die Zahl der Schulabgänger in Westdeutschland in den nächsten Jahren nur leicht zurück und durch die Umstellung auf "G8" gibt es bei den Abiturienten in den Jahren 2011 bis 2013 sogar einen leichten Anstieg, doch dafür sinkt die Zahl der Schulabgänger in den ostdeutschen Bundesländern dramatisch. "In früheren Jahren hat Provadis rund 20 Prozent der jährlich rund 400 Ausbildungsplätze mit Bewerbern aus den neuen Bundesländern besetzen können, inzwischen bekommen wir sogar Anfragen von ostdeutschen Unternehmen, die freie Lehrstellen nicht mehr besetzen können", so Dr. Lemke.

Und nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Bewerber nimmt ab. Die Folge: Für Unternehmen, die Nachwuchskräfte suchen, wird der Rekrutierungsaufwand immer größer. Professionelles Know-how ist gefragt, um Ausbildungsplätze künftig noch besetzen zu können und wirklich geeignete Bewerber zu finden. Der Kampf um die Talente wird zunehmend härter", prophezeite Dr. Lemke.

Lernkultur in Deutschland muss entwickelt werden

Immer mehr ältere Arbeitnehmer, immer weniger Auszubildende – nicht nur ein Problem für die sozialen Sicherungssysteme, sondern auch für den Wirtschaftsfaktor "Wissen". "Bislang haben erfahrene Mitarbeiter ihr Fachwissen an jüngere weitergegeben, aber wenn es künftig immer weniger junge Mitarbeiter gibt, müssen wir sicherstellen, dass wir nicht das Wissen in die Rente schicken", verdeutlichte Dr. Lemke die Problematik. Grundsätzlich mahnte der Provadis-Geschäftsführer eine Weiterentwicklung der Lernkultur in Deutschland an, die im Vergleich zu anderen Industrienationen unzureichend ausgeprägt sei. "Wenn der Markt keine geeigneten Fachkräfte hergibt, müssen Unternehmen stärker als bisher dazu übergehen, eigene Mitarbeiter für anspruchsvollere Aufgaben zu qualifizieren", sagte Dr. Lemke. Hierbei seien flexible, bedarfsgerechte Weiterbildungsmöglichkeiten gefragt, die den Interessen von Unternehmen und Mitarbeitern Rechnung tragen.

"Das Richtige tun – wie können Sie steigende Qualitätsanforderungen und höhere Flexibilität im Betrieb effizient umsetzen", lautete das Thema des Vortrags von Bernhard Behle, Leiter Weiterbildung Technologie bei Provadis. Er erläuterte, dass die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen maßgeblich von Faktoren wie Geschwindigkeit, Flexibilität, Kosten und Qualität abhängig seien und verschiedene Maßnahmen ergriffen werden können, um einzelne Faktoren positiv zu beeinflussen. Dabei kommt der umfassenden Qualifikation der Mitarbeiter große Bedeutung zu. "Mit einer breiten Qualifikation können Mitarbeiter flexibel eingesetzt werden, was effizientere Prozesse und schlanke Abläufe ermöglicht", so Behle. Auch bei den Durchlaufzeiten in Produktion und Fertigung oder der Markteinführung neuer Produkte seien die Unternehmen im Vorteil, die ihre Mitarbeiter zeitnah und umfassend qualifizieren.

Signale für Mitarbeiterunzufriedenheit erkennen und ernst nehmen

Dem Thema "Mitarbeiterunzufriedenheit" widmete sich Klaus Köhler, Dozent im Bereich Weiterbildung Technologie bei Provadis. Demnach gibt es eine ganze Reihe von Indikatoren, die auf eine Missstimmung bei Mitarbeitern hindeuten, angefangen von nachlassender Hilfsbereitschaft über eine steigende Fehlerquote bis hin zu den Kurzfehlzeiten. "Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern wirkt sich früher oder später immer auf die Leistung aus und kann leicht zu einem Problem für das Unternehmen werden", erläuterte Köhler. Daher sei es wichtig, bereits erste Signale wahrzunehmen und frühzeitig Probleme offen und konstruktiv anzusprechen.

Wie wichtig die Compliance, also die korrekte Einhaltung von Verhaltensregeln, Gesetzen und Richtlinien in Unternehmen ist, erläuterte Jürgen Ortlepp, Leiter Produkt- und Qualitätsmanagement von Infraserv Logistics. "Es liegt im Interesse eines Unternehmens, dass das persönliche Handeln jedes Mitarbeiters mit den geforderten Vorgaben übereinstimmt", so Ortlepp. Denn Non-Compliance kann erhebliche Folgen haben, von rechtlichen und finanziellen Auswirkungen für das Unternehmen bis hin zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen für Mitarbeiter, die beispielsweise Arbeitsschutzbestimmungen oder Unfallverhütungsvorschriften missachten.

Non-Compliance kann viele Ursachen haben: Wenn Mitarbeiter die für sie relevanten Vorschriften nicht kennen, die Richtlinien unklar formuliert sind und Interpretationsspielräume zulassen oder aber die Akzeptanz der Mitarbeiter fehlt, kann ein Unternehmen rasch eingreifen. "Regeln müssen klar, eindeutig und nachvollziehbar sein", sagte Jürgen Ortlepp, aus dessen Sicht auch eine adressatengerechte Ansprache von großer Bedeutung ist. Zudem sei die Vorbildfunktion der Vorgesetzten ein wichtiger Compliance-Faktor: Was Führungskräfte nicht vorleben, wird von den Mitarbeitern nicht übernommen. "Compliance muss ein Element der Unternehmenskulturwerden", so Jürgen Ortlepp. (Provadis: ra)

- Anzeigen -




Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Markt / Hintergrund

  • Stabilität für Datenübertragungen

    Der Brexit wird die rechtlichen Bedingungen für den Transfer personenbezogener Daten zwischen Großbritannien und den EU-Ländern verändern. Bislang gilt das Datenschutzniveau eines Mitgliedsstaats per se und ohne weitere Prüfungen als angemessen. Innerhalb der Europäischen Union sind Datenübermittlungen also rechtlich genauso zu behandeln wie Datenübermittlungen innerhalb Deutschlands. Weiterer Prüfungen oder gesonderter Vertragskonstrukte, wie sie beispielsweise mit den USA bestehen, bedarf es nicht. Nach dem Brexit wird Großbritannien zum Drittland, hierfür gilt datenschutzrechtlich zurzeit noch § 4 b BDSG und zukünftig Art. 44 ff. der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO): Wer personenbezogene Daten in ein Drittland übermitteln möchte, der muss sicherstellen, dass der Zielstaat ein angemessenes Datenschutzniveau gewährleistet.

  • Klinik braucht "Klinik-Konzession"

    Bei der Wettbewerbszentrale sind im Jahr 2016 etwa 450 Anfragen und Beschwerden wegen unlauteren Wettbewerbs im Bereich Gesundheit (Apotheker, Ärzte, Heilberufe, Krankenkassen, Pharmaindustrie) eingegangen. In 2017 hat die Wettbewerbszentrale bislang 203 Fälle in diesem Bereich bearbeitet, im ersten Halbjahr 2016 waren es 233 Fälle. Hinzu kommen weitere Fälle aus dem Bereich der Gesundheitshandwerke/Medizinprodukte wie z.B. Augenoptiker, die sich auf 375 Vorgänge in 2016 und bislang rund 160 Fälle in 2017 belaufen.

  • Doppelte Herausforderung: IT und Recht

    Beim Juristischen Forum von Konica Minolta IT Solutions drehte sich alles rund um die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Es zeigte sich: Branchenübergreifend stehen viele Unternehmen immer noch ganz am Anfang. Die Unsicherheit in Unternehmen ist groß, denn die konkrete Umsetzung der neuen Verordnung ist komplex und feste Fahrpläne gibt es nicht. Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) bringt eine Vielzahl an Veränderungen im Umgang mit personenbezogenen Daten mit sich. Unternehmen müssen die neuen Anforderungen im Bereich Datenschutz bis zum 25. Mai 2018 erfüllen. Aus dem Forum ging hervor, dass in den Unternehmen nicht nur ein punktueller, sondern ein grundlegender Informationsbedarf besteht.

  • Rechtliche Anpassungen erforderlich

    "Das Kundengeschäft unserer Institute wird durch den Brexit nicht beeinflusst", erklärt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, heute in Frankfurt. Zwar bedauere der Bankenverband die Ankündigung eines harten Brexit durch die britische Premierministerin Theresa May, die unmittelbaren Auswirkungen auf deutsche Institute seien aber begrenzt. "Deutsche Banken werden in den nächsten beiden Jahren Geschäft nach Deutschland verlagern, dies ist schon heute aufsichtlich und organisatorisch relativ einfach", betont Kemmer. Der Bankenverband geht davon aus, dass London auch weiterhin ein bedeutender Finanzplatz bleibe. Insofern sei kein vollständiger Rückzug der Institute zu erwarten. "Das Vereinigte Königreich wird nach dem Austritt den Status eines Drittlandes erhalten. Dies ist für unsere Institute nichts Ungewöhnliches", so Kemmer. Für die Sicherung bestehender Geschäfte seien aber rechtliche Anpassungen erforderlich.

  • 2017 für Blockchain ein entscheidendes Jahr

    Die Blockchain ist eine Querschnittstechnologie mit hohem disruptiven Potenzial für viele Wirtschaftsbereiche. Damit neue Geschäftsideen mittelfristig umgesetzt werden können, gilt es im Jahr 2017 die technischen und rechtlichen Grundlagen zu schaffen. "Wissenschaft und Privatwirtschaft stellen 2017 mehr Ressourcen denn je für die Erforschung der Blockchain zur Verfügung", sagt Stephan Zimprich, Leiter der Kompetenzgruppe (KG) Blockchain im eco - Verband der Internetwirtschaft e. V.