- Anzeigen -

Sie sind hier: Home » Markt » Hintergrund

Diesem Beispiel sollten Firmen weltweit folgen


Unternehmen weltweit könnten vieles vom Führungsstil des Papstes lernen
Laut Wirtschaftsprofessor Luigi Zingales von der Chicago Booth School of Business vermittelt der Heilige Vater durch entschiedenes Eingreifen die Werte der Institution auf sehr effektive Weise

(06.11.14) - Sollten Manager, denen schwerwiegende Vergehen vorgeworfen werden, bis zur nachgewiesenen Schuld in ihrer Stellung bleiben dürfen, selbst wenn konkrete Anklage erhoben worden ist? Papst Franziskus I weicht von einer jahrhundertealten kirchlichen Praxis ab, indem er entschieden angeklagte Prälaten ihrer Ämter enthebt, anstatt Jahre, oder sogar Jahrhunderte, auf den Nachweis ihrer Schuld zu warten. Laut Professor Luigi Zingales von der University of Chicago Booth School of Business geht er so mit einem Beispiel voran, dem Firmen weltweit folgen sollten.

Die Neuorganisation der Vatikanbank, die Amtsenthebung kontroverser und verschwenderischer Amts- und Würdenträger der Kirche ("Bischof Bling Bling") sowie das Befürworten der Festnahme eines wegen Pädophilie angeklagten früheren Vatikan-Botschafters "vermitteln der Außenwelt glaubhaft die Werte derer, die ganz oben sitzen, und somit der gesamten Institution".

Zingales erklärt, andere führende Manager in großen Unternehmen sollten es Franziskus gleichtun. "Allzu oft nehmen Firmenchefs nur dann Stellung, wenn ihr Image auf dem Spiel steht. Angestellte wissen das und schauen weg. Sie hören nur dann hin, wenn Handlungen auf solche Stellungnahmen folgen. Ab heute ist der Kampf der Kirche gegen Pädophilie mehr als bloße Worte: Er ist Wirklichkeit geworden."

Laut Zigales liegt das Wesen dieser neuen Unternehmensführung im Verständnis des Unterschieds zwischen strafrechtlicher und geschäftsführender Verantwortung. Er betont: Im Gegensatz zu Privatbürgern, die ein Recht auf die Unschuldsvermutung bis zum rechtskräftigen Beweis ihrer Schuld haben, sind Institutionen keinesfalls dazu verpflichtet, ihre Führungskräfte bis zum Urteil zu schützen.

Eine strafrechtliche Verurteilung, so Zingales, benötigt Beweise, die jeden Zweifel ausschließen. Wohingegen bei Disziplinarverfahren - Amtsenthebung oder Entlassung - die Richtlinie viel tiefer liegt und liegen sollte, besonders im Fall von Top-Managern. "In manchen Fällen, wie zum Beispiel in dem des Bischofs, benötigt man nicht einmal Beweise: Der berechtigte Zweifel reicht aus. Aus der Manager-Perspektive ist das eine einfache 'Kosten-Nutzen'-Rechnung."

"Die Führungskräfte sind die ersten, die den Gesetzen und Regeln folgen sollten. Papst Franziskus hat nichts zu befürchten, da er selbst ein Vorbild ist. Aber stimmt das auch für die Spitzen unserer Unternehmen?", fragt Zingales. Für ihn ist klar, dass dies der Fall sein sollte und auch sein könnte, wenn mehr Firmen Verantwortung für ihre Führungskräfte übernehmen würden. (University of Chicago: ra)

University of Chicago: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -




Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Markt / Hintergrund

  • Reform des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes

    Der Bundesrat beriet den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes (NetzDG). Bayerns Justizminister Georg Eisenreich hierzu: "Im Kampf gegen Hass im Netz müssen wir Plattformbetreiber stärker in die Pflicht nehmen. Der Gesetzentwurf bringt wichtige Fortschritte. Die Regeln müssen aber für alle gelten - auch für Videoplattformen wie YouTube. Liegt der Unternehmenssitz nicht in Deutschland, würde die allgemeine Löschpflicht nach dem Entwurf eingeschränkt werden. Dieser Rückschritt ist nicht nachvollziehbar. Hier muss nachgebessert werden."

  • Datenmanagement fördert Compliance

    Unabhängig vom konkreten Anlass oder Thema: Sobald Daten eine Rolle spielen, bestimmen sofort Begriffe wie "Sicherheit", "Privatsphäre" und "Datenschutz" die Diskussion. Gleichzeitig gab es allerdings seit ihrem Inkrafttreten im Mai 2018 europaweit bereits über 160.000 Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Grund genug für einen Appell, die Datenhoheit der eigenen Kunden ernster zu nehmen. Seit Oktober vergangenen Jahres ist Gaia X in der IT-Landschaft und darüber hinaus in aller Munde: Das ambitionierte Cloud-Projekt des Bundeswirtschaftsministers Peter Altmaier hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine unabhängige Dateninfrastruktur für den europäischen Raum zu schaffen. Das Ziel dahinter: mehr Sicherheit, Rechte und Vertrauen für die Nutzer, weniger Abhängigkeit von den großen internationalen Cloud-Providern.

  • Bußgelder in Millionenhöhe?

    Seit dem Inkrafttreten der DSGVO im Mai 2018 werden Datenschutzverstöße immer häufiger geahndet. Auch von der Verhängung von Bußgeldern berichten die Medien in den letzten Monaten immer wieder. Häufig handelt es sich dabei um Forderungen gegen große Konzerne wie Facebook und Google. "Nur, weil man von Millionenstrafen für Facebook und Co. hört, heißt das jedoch nicht, dass kleinere Unternehmen mit solchen enormen Summen belastet würden. Sanktionen sollen grundsätzlich bewirken, dass sich Unternehmen an die DSGVO halten und sich mit ihr auseinandersetzen. Oft erfolgen zunächst Mahnungen und eventuell folgende Strafen müssen verhältnismäßig sein", erklärt Haye Hösel, Geschäftsführer und Gründer der Hubit Datenschutz GmbH & Co. KG, und ergänzt: "Insgesamt können Verstöße nach den neuen Vorschriften jedoch deutlich höher sanktioniert werden. Nach dem alten Bundesdatenschutzgesetz lag die maximale Bußgeldforderung bei 300.000 Euro. Nun sind nach Artikel 83 der DSGVO bis zu 20 Millionen Euro oder bis zu vier Prozent des weltweit erzielten Jahresumsatzes möglich."

  • Strafrecht fit machen für die digitale Welt

    Bayerns Justizminister Georg Eisenreich will das Strafrecht den Erfordernissen der digitalen Welt anpassen: "Unsere Welt wird immer digitaler. Das bringt neue Chancen, aber auch neue Herausforderungen für Gesellschaft und Rechtsstaat mit sich. Datenleaks und Hackerangriffe auf Unternehmen haben bereits gezeigt, wie verwundbar die digitale Gesellschaft ist. Gefordert sind zum einen die Unternehmen selbst: Sie müssen für einen ausreichenden Schutz ihrer Systeme sorgen und sich gegen Cyberangriffe wappnen. Aber auch der Rechtsstaat ist gefordert: Durch ein zeitgemäßes Strafrecht muss er seinen Beitrag zu einer sicheren digitalen Welt leisten." Eisenreich weiter: "Wir müssen das Cyberstrafrecht fit für die digitale Welt machen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Strafrahmen bei Datendelikten niedriger ausfallen als bei vergleichbaren Straftatbeständen in der analogen Welt. Auch kann es nicht sein, dass bei besonders schweren Fällen, wie Angriffen auf kritische Infrastrukturen, aufgrund einer Lücke im Gesetz derzeit keine härteren Strafen möglich sind."

  • Verletzung der Privatsphäre von Einzelpersonen

    Der Datenschutz steht im Mittelpunkt der Fragen, die Regierungen in diesem Jahr beantworten möchten. Befürworter des Datenschutzes haben strengere Gesetze gefordert, und die Staaten haben darauf reagiert. Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union hat als wirksames Modell gedient. In diesem Jahr treten weitere Datenschutzgesetze in Kraft, wie die LGPD Brasiliens oder die CCPA in den Vereinigten Staaten. Im Rahmen der DSGVO wurden bereits über 146 Geldstrafen in Gesamthöhe von 417 Millionen Euro gegen Unternehmen und Einrichtungen verhängt. Unter der Führung der Europäischen Union haben über 80 Länder neue Datenschutzgesetze erlassen, weitere werden bald folgen. Dies ist die Antwort auf eine Fülle von globalen Problemen: Online-Profile, das Internet-der-Dinge (IoT), eine hohe Anzahl von Datenverletzungen, Gesichtserkennung, Datenhoheit, digitale Souveränität: die Liste ließe sich fortsetzen.