Fachkräftemangel im IT-Sektor sei real


Bitkom: "Fachkräftemangel durch Bildung und Zuwanderung lindern"
Das Zuwanderungsrecht müsse dringend reformiert werden -
Forderung nach Senkung der Einkommensgrenzen bei der Zuwanderung

(24.11.10) - Der Fachkräftemangel im IT-Sektor sei real und muss durch Anstrengungen in der Bildungspolitik und eine erleichterte Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland gelindert werden.

Das sagte der Bitkom vor dem Treffen des Koalitionssauschusses der Bundesregierung zum Thema Zuwanderung. "Deutschland muss den Wettbewerb um die besten Köpfen endlich annehmen", sagte Bitkom-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer.

Derzeit sei Deutschland de facto ein Auswanderungsland, wie aktuelle Studien belegen. "Wir haben derzeit ein Abschreckungsrecht gegen Zuwanderung", sagte Scheer. Die Regelungen seien zu restriktiv und zu bürokratisch. Vorrangprüfungen, hohe Gehaltsgrenzen und sonstige Restriktionen würden dazu führen, dass nur wenige Menschen davon Gebrauch machen. Scheer sagte: "Das Zuwanderungsrecht muss dringend reformiert werden."

Derzeit gebe es rund 28.000 offene Stellen für IT-Fachkräfte in der deutschen Wirtschaft. In den Aufschwungjahren 2007 und 2008 habe diese Zahl bei jeweils über 40.000 gelegen.

"Im IT-Sektor herrscht Vollbeschäftigung", sagte Scheer. Allein seit dem Jahr 2007 seien in der IT-Branche, trotz der Krise im Vorjahr, rund 50.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden.

Die Hälfte der IT-Unternehmen sage in einer aktuellen Bitkom-Umfrage, dass ein Fachkräftemangel bei IT-Experten herrsche. "Einen Engpass an IT-Experten gibt es vor allem bei Hochqualifizierten", sagte Scheer. Da der Bedarf an Fachkräften mit Hochschulabschluss in den kommenden Jahren laut Umfrage steige, werde sich das Problem verschärfen.

Derzeit würden in Deutschland rund 15.000 Absolventen im Fach Informatik die Hochschulen verlassen. Den Bedarf in Wirtschaft, öffentlichen Verwaltungen und anderen Organisationen schätzt der Bitkom auf weit über 20.000. Die Auffassung einzelner Wirtschaftsforscher, dass aktuell kein Fachkräftemangel herrsche, verkennt daher aus Sicht des Bitkom die Realität des ITK-Arbeitsmarktes. (Link auf DIW)

Neben einer modernen Bildungspolitik könne eine weniger restriktive Zuwanderungspolitik einen Beitrag zur Linderung des Fachkräftemangels leisten. Dazu macht der Bitkom folgende, konkrete Vorschläge:

1. Wegfall der Vorrangprüfung: Bei IT-Experten und Ingenieuren, in denen der Engpass besonders groß ist, sollte auf die Vorrangprüfung verzichtet werden.

2. Senkung der Einkommensgrenzen: Das Mindesteinkommen für den Erhalt einer dauerhaften Niederlassungserlaubnis sollte von 66.000 Euro im Jahr auf rund 40.000 Euro gesenkt werden. Das entspricht etwa dem Einstiegsgehalt von Informatikern und Ingenieuren.

3. Erleichterungen für Studierende: Wer in Deutschland ein Studium abschließt, sollte zwei Jahre Zeit haben, hier einen adäquaten Job zu finden. Bisher haben Hochschulabsolventen nur ein Jahr Zeit.

4. Einführung eines Punktesystems: Zusätzlich sollte ein Punktesystem den Zuzug von Fachkräften ermöglichen. Danach kann eine begrenzte Zahl von Hochqualifizierten auch ohne vorliegenden Arbeitsvertrag nach Deutschland einwandern, wenn sie Kriterien wie Qualifikation, Alter oder Sprachkenntnisse erfüllen. Die Kriterien und die Zahl der Zuwanderer werden je nach Bedarf und konjunktureller Lage festgelegt.

5. Start einer internationalen Marketingkampagne "Study and Work in Germany": Die bestehenden Möglichkeiten der Zuwanderung müssen im Ausland aktiv beworben werden. Dazu sollten die wichtigsten Informationen zentral und mehrsprachig aufbereitet werden. (Bitkom: ra)

Bitkom: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Kommentare und Meinungen

  • Sechs Jahre DSGVO

    Am 25. Mai wurde die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sechs Jahre alt. Seit ihrer Anwendbarkeit verhängten europäische Datenschutzbehörden in mehr als 2.200 öffentlich bekannten Fällen Bußgelder in Höhe von insgesamt rund 4,5 Milliarden Euro. Insbesondere Big-Tech-Unternehmen sind anfällig für hohe Bußgelder.

  • Sicherheit des Bankensektors in Europa

    Das Europäische Parlament hat am 24. April 2024 seine Position zu den Gesetzesvorschlägen der EU-Kommission für eine Änderung des Rahmenwerks für die Bankenabwicklung und Einlagensicherung (CMDI-Review) verabschiedet. Aus Sicht der Deutschen Kreditwirtschaft werden dadurch bewährte Sicherungssysteme gefährdet und Finanzierungsmöglichkeiten für die Wirtschaft beeinträchtigt.

  • Aktuelle NIS2-Compliance bewerten

    Mit der am 16.01.2023 in Kraft getretenen NIS2-Richtlinie ("Network and Information Security") wurden die Anforderungen hinsichtlich Cybersicherheit für Unternehmen in verschiedenen Sektoren noch einmal verschärft - genau wie die Sanktionen bei Nichteinhaltung. Bis Oktober 2024 müssen die EU-Mitgliedsstaaten die Richtlinie in nationales Recht überführen, dann wird es für die betroffenen Unternehmen "ernst".

  • Kriterien für den DSGVO-Schadensersatz

    In seinem Urteil vom 25, Januar 2024 hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) geklärt, inwieweit Verbraucherinnen und Verbrauchern Schadensersatz wegen eines immateriellen Schadens bei einem Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zusteht. Im aktuellen Fall wurden in einem Elektrogerätehandel private Daten eines Kunden irrtümlich an einen anderen Kunden ausgehändigt.

  • "Postengeschachere im Dunkeln"

    Anlässlich der aktuellen Personaldebatte rund um das Amt des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) warnte Transparency Deutschland vor einer Beschädigung des Amtes und fordert eine Stärkung der Unabhängigkeit und Durchsetzungsmöglichkeiten des Amtes.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf "Alle akzeptieren" erklären Sie sich damit einverstanden. Erweiterte Einstellungen