- Anzeigen -

Ein korrekter Geschäftsführer-/Vorstandswechsel?


Der Wechsel von Klaus Allofs zu einem direkten Wettbewerber wirft aus personalwirtschaftlicher Sicht kein gutes Licht auf die Bundesliga
Stefan Martens: "Ein Wechsel in dieser Art und Weise ist in der freien Wirtschaft natürlich alles andere als gang und gäbe"


(06.12.12) - Beim mediale Gewitter rund um Klaus Allofs und den VfL Wolfsburg fällt auf, dass ein Aspekt kaum im Fokus steht: Von einem Tag auf den anderen wechselt der Geschäftsführer eines Wirtschaftsunternehmens – denn Bundesligisten sind ja längst keine Vereine mehr – zur unmittelbaren Konkurrenz und nimmt sämtliches Insiderwissen mit: über aktuelle Spielerverträge, Sponsorenkontakte und Zukunftsstrategien. Neben diesem Schaden steht Werder Bremen auch vor dem Problem, ohne jede Übergangsfrist einen Nachfolger zu finden und sieht die gesamte Jahresplanung über den Haufen geworfen.

"Ein Wechsel in dieser Art und Weise ist in der freien Wirtschaft natürlich alles andere als gang und gäbe", erklärt Stefan Martens und widerspricht damit VW-Vorstand Stephan Grühsem. Der Geschäftsführer der Martens & Partner Personalberatung hat sich auf die Suche und Auswahl von Führungskräften in nationale und internationale Konzerne spezialisiert und gilt insbesondere als Experte zum Thema des zeitgemäßen Vorstandsvertrages. Dabei geht es dem Personalberater weniger um Fair Play, wie er ja von Spielern gern gefordert wird, sondern um knallharte Fakten.

Die aktuelle Studie "Der zeitgemäße Vorstandsvertrag" von Martens und Partner zeige die komplexen Regelungen zu befristeten Verträgen, Kündigungsfristen und Wettbewerbsverboten, denen Führungsfunktionen in der Regel unterworfen seien. So würden 20 Prozent der Vorstandsverträge deutscher Aktienunternehmen eine Klausel beinhalten, die dem Vorstand selbst nach Beendigung des Vertrages den Wechsel zu einem direkten Konkurrenten verbiete. Die Frist gelte durchschnittlich für 15 Monate. Ein solch unvermittelter Wechsel aus einem laufenden Vertrag heraus sei für Vorstände im Normalfall natürlich nicht machbar.

Probleme sieht Stefan Martens neben dem Insiderwissen, das mit dem Geschäftsführer zum Konkurrenten geht, insbesondere in der geschädigten Glaubwürdigkeit aller Beteiligten. "Wenn ich als Geschäftsführer 13 Jahre lang zu einem Konzern stehe, kann ich nicht in der nächsten Woche die Fahne für den Wettbewerber hochhalten."

Sicherlich sei es wegen der speziellen Wirtschaftssituation vom VfL Wolfsburg Klaus Allofs´ kleinstes Problem, dass er von jetzt an die Sponsoren überzeugen muss, lieber auf das andere "W" zu setzen. Aber Geschäftspartner, Kunden (in diesem Fall die Fans) und Mitarbeiter (die Spieler) wissen nach Ansicht von Martens nun, "dass sie sich im Ernstfall auf ein Wort von Klaus Allofs nicht verlassen dürfen". "Was passiert, wenn in Zukunft ein Spieler oder der Trainer zu Allofs kommt und wechseln will?"

Zusammengefasst sei dieser Schritt sicher kein glückliches Ende der "Hire-and-fire-Ära" unter Felix Magath. Auf der anderen Seite sei der große Verlierer natürlich Werder Bremen, denn auch für Allofs ehemaligen Arbeitgeber werde es nun schwer, sich gegenüber Geschäftspartnern, Fans und Mitarbeitern als verlässlicher Partner zu präsentieren.

Ein Wunsch nach beruflicher Veränderung ist – gerade aus Sicht eines Personalberaters – natürlich verständlich. Aber die Art und Weise des Wechsels hätte durch eine professionelle Beratung besser gestaltet werden können. Moderner Fußball bedeute ja vor allem, dass sich die Vereine in den letzten 20 Jahren zu Wirtschaftsunternehmen entwickelt haben. In Fragen des Personalmanagements sollte sich die Bundesliga aber dringend weiter professionalisieren. (Martens & Partner: ra)

Martens & Partner: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -




Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Kommentare und Meinungen

  • Justizgewährungsanspruch in Gefahr

    Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die deutschen Arbeits- und Sozialgerichte aus. Es herrscht Notbetrieb in vielen Gerichtssälen, wenn überhaupt verhandelt wird. Mit einem neuen Gesetzentwurf (COVID-19 ArbGG/SGG-AnpassungsG) und weiteren Gesetzesanpassungen will die Bundesregierung den Gerichten helfen, schießt dabei aber übers Ziel hinaus. Der Sozialverband VdK hält die Vorschläge für inakzeptabel. Die VdK-Präsidentin Verena Bentele dazu: "Dieses Gesetz soll die Effizienz der Sozialgerichte steigern. Aber das geht nur auf Kosten verfassungsmäßiger Rechte. Das Gesetz beschneidet die Rechte der Bürgerinnen und Bürger massiv. Geht der Gesetzentwurf so durch, dann ist der Justizgewährungsanspruch in Gefahr. Die Menschen können dann nicht mehr ungehindert die staatlichen Gerichte in Anspruch nehmen."

  • Veränderungen an der Digitalwährung Libra Coin

    Facebook hat in einem neuen Positionspapier Veränderungen an seiner Digitalwährung Libra Coin angekündigt. Dazu sagt Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken: "Nach berechtigter, weltweiter Kritik kündigt Libra nun einen Libra Coin in veränderter Form an. Würden die neuen Vorschläge in die Tat umgesetzt, könnten sich die Kräfteverhältnisse unter den Zahlungsdienstleistern in Europa massiv verschieben."

  • Fünf Bedingungen für eine "Anti-Corona-App"

    In Deutschland wird über den möglichen Einsatz von Handydaten diskutiert, um mögliche Kontaktpersonen von Infizierten zu finden und zu warnen. Österreich hat bereits eine "Stopp-Corona-App" auf freiwilliger Basis gestartet. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hält den Einsatz einer solchen App auch in Deutschland für sinnvoll, wenn fünf Bedingungen erfüllt sind. vzbv-Vorstand Klaus Müller kommentiert: "Die Corona-Pandemie ist ein nie dagewesener Stresstest für unseren Lebensalltag. Schnelle, pragmatische Lösungen zum Schutz von Gesundheit und Leben sind nötig. Eine Anti-Corona-App kann hier helfen, wenn sie folgende fünf Bedingungen erfüllt: Sie muss freiwillig, geeignet, nötig, verhältnismäßig und zeitlich befristet sein."

  • Novellierung des Jugendschutzgesetzes (JuSchG-E)

    Für eco stellt der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) vorgelegte Entwurf zur Novellierung des Jugendschutzgesetzes (JuSchG-E) keine praktikable Lösung für einen zeitgemäßen Kinder- und Jugendmedienschutz dar. Der Verband der Internetwirtschaft begrüßt eine Modernisierung der gesetzlichen Grundlagen des Kinder- und Jugendmedienschutzes und unterstützt den Grundgedanken, Kindern und Jugendlichen mehr Teilhabe zu ermöglichen. Doch der vorgelegte Entwurf bleibt hinter den selbst gesteckten Zielen in der Praxis weit zurück. Durch die Vielzahl der parallelen Regelungen im Bereich des Jugendmedienschutzes, droht eine Zerklüftung des Rechts, die zu erheblicher Rechtsunsicherheit bei den betroffenen Unternehmen führen wird.

  • "Recht auf Reparatur"

    Die EU-Kommission stellte den neuen Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft vor. Dazu erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg: "Dass wir weniger Müll und Elektroschrott erzeugen müssen, wie die EU-Kommission mit ihrem Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft festlegt - daran besteht kein Zweifel. Zweifelhaft ist aber, ob ein "Recht auf Reparatur" auf dieses Ziel einzahlen wird. Denn neben der gesetzlichen Gewährleistung bieten die meisten Hersteller von Elektronikprodukten wie Smartphones, Tablets oder Laptops bereits eine freiwillige Garantie an. Darüber hinaus gibt es eine große Bandbreite an Reparaturmöglichkeiten, die auch rege genutzt werden: Wie eine aktuelle Studie im Auftrag des Bitkom zeigt, haben 56 Prozent der Verbraucher, die schon einmal einen Defekt an ihrem Smartphone oder Handy hatten, diesen reparieren lassen oder - wenn möglich - selbst repariert.