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Statements zum Safe Harbor-Urteil


Europäischer Gerichtshof: Safe Harbor-Vereinbarung zwischen den USA und Europa für ungültig erklärt
Die neue Rechtslage ist für Unternehmen ein deutliches Signal

Von Sheila FitzPatrick, Worldwide Data Governance & Privacy Counsel / Chief Privacy Officer, NetApp

(04.11.15) - Der Europäische Gerichtshof hat in seinem Urteil vom 6. Oktober 2015 die Safe Harbor-Vereinbarung zwischen den USA und Europa für ungültig erklärt. Dieser Beschluss läutet einen Paradigmenwechsel ein und hat auf beiden Seiten des Atlantiks hohe Wellen geschlagen - insbesondere bei US-amerikanischen Unternehmen, die Safe Harbor bisher als einzigen Compliance-Mechanismus einsetzten. Die EU und - noch viel wichtiger - einige Mitgliedsstaaten üben bereits seit einigen Jahren Kritik an der Safe Harbor-Vereinbarung, doch viele Unternehmen haben bisher auf das Fortbestehen dieser unaufwändigen Lösung vertraut.

Der Ursprung des Problems liegt in der grundlegenden Diskrepanz zwischen den Datenschutzerwartungen der EU und der Perspektive der USA in Bezug auf das Zusammenwachsen des globalen Marktes - ungeachtet der möglichen negativen Auswirkungen auf das Grundrecht eines jeden Bürgers auf den Schutz seiner persönlichen Daten. Dieser grundverschiedene Ansatz ist nicht einfach zu überbrücken. Es gibt jedoch bewährte und realisierbare Lösungen für Unternehmen, die in beiden Rechtsräumen tätig sind, um die nötigen Standards zu erreichen. Dies wurde nun durch den EuGH unterstrichen.

Das Urteil zeigt zudem, dass das rechtliche Umfeld einem steten Wandel unterworfen ist und wie wichtig es ist, die jeweiligen Auswirkungen zu verstehen. Technologieanbieter können nun beweisen, dass sie den aktuellen Bedarf von Unternehmen verstehen, durch die jederzeit rechtskonforme Speicherung und Verarbeitung von Daten zu verhindern, dass sie juristisch belangt werden. Technologieanbieter müssen die Rolle des viel zitierten "Trusted Advisors" einnehmen. Dies erschöpft sich nicht nur in der Bereitstellung von Hardware und Software, sondern basiert auf dem Verständnis, dass effektiver Datenschutz deutlich über die reine Datensicherheit hinausgeht.

Dr. Dierk Schindler, Head of Legal Field Services EMEA, NetApp
Die neue Rechtslage ist für Unternehmen ein deutliches Signal: Sie müssen gewährleisten und nachweisen, dass sie die richtigen technischen und rechtlichen Grundlagen für den Datenschutz vorhalten. Sie müssen ihre spezifische Situation analysieren, die richtigen Maßnahmen ableiten und effektiv umsetzen, um den spezifischen Datenschutzgesetzen der Länder, in denen sie tätig sind, zu entsprechen. Der Datenschutz muss auf der Agenda der Unternehmen nun ganz nach oben rücken, d.h. er muss als roter Faden in der Marktstrategie verankert sein. Nach der heutigen Entscheidung werden Mitarbeiter, Kunden und Partner noch genauer darauf achten, ob die Unternehmen, mit denen sie zusammenarbeiten, persönliche Daten effektiv schützen und das Grundrecht eines jeden Einzelnen auf Datenschutz respektieren bzw. als genauso wichtig erachten, wie etwa die Innovationen bezüglich ihrer Produkte und Services.

Mit dem Urteil unterstreicht der EuGH zudem, dass effektive Datenschutzprogramme und Datenmanagementpraktiken für alle Unternehmen, die sich mit persönlichen Daten beschäftigen, schlichtweg Pflicht ist. Egal, ob diese Daten im firmeneigenen Rechenzentrum oder bei einem externen Cloud-Anbieter gespeichert werden, Unternehmen müssen ihren Kunden, Partnern und Mitarbeitern garantieren können, dass alle Daten gesetzeskonform gesammelt, verarbeitet, gespeichert, übertragen und gesichert werden. Zudem muss gewährleistet sein, dass die Informationen nur entsprechend der getroffenen vertraglichen Vereinbarungen genutzt werden.

Kommerzieller Erfolg hängt zu einem hohen Maß auch vom Vertrauen der Kunden und der Endverbraucher ab. Datenschutzverletzungen oder der unautorisierte Zugriff auf persönliche Daten können Unternehmen innerhalb weniger Minuten an den Pranger und damit womöglich an den Rand des Ruins bringen. Gleichzeitig gilt umgekehrt: Wer Datenschutz richtig ausübt und dies mit seinen Lösungen seinen Partnern und Kunden ermöglicht, hat eindeutig die Möglichkeit, sich vom Mitbewerber abzuheben. (NetApp: ra)

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Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

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Meldungen: Kommentare und Meinungen

  • Lieferketten: Konsequenzen und Risiken

    Der Bundestag hat das von der großen Koalition beschlossene Lieferkettengesetz verabschiedet. Der Bundesrat hat ihm zugestimmt. Durch das Gesetz sollen Kinderarbeit, Ausbeutung und Naturzerstörung bei der globalen Produktion von Waren eingedämmt werden. Unternehmen sollen dafür Sorge tragen, dass es in ihrer gesamten Lieferkette, auch international, nicht zu Verletzungen der Menschenrechte kommt. Dazu kommentiert Dr. Christoph Schröder, Rechtsanwalt bei der Wirtschaftskanzlei CMS Deutschland: "Damit sendet Deutschland ein starkes Signal an die Europäische Kommission, die EU-Richtlinie auf den Weg zu bringen. Eine europaweit einheitliche Regelung der Verantwortung für Menschenrechte in den Lieferketten liegt im Interesse der deutschen Unternehmen. Sie haben durch das Lieferkettengesetz vorläufig einen Wettbewerbsnachteil." Unternehmen sollten sich laut CMS-Anwalt Schröder nun deutlich mit den Konsequenzen und Risiken auseinandersetzen. Er betont: "Die zivilrechtliche Haftung für die Nichtbeachtung der Sorgfaltspflichten des Lieferkettengesetzes ist zwar ausgeschlossen. Aber die Haftung deutscher Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen im Ausland bleibt möglich, insbesondere wenn das Gericht ausländisches Recht anzuwenden hat. Ausländische Rechtsordnungen lassen solche Haftungsansprüche in immer stärkerem Umfang zu. Das zeigen die jüngsten Urteile aus England und den Niederlanden sowie laufende Gesetzgebungsverfahren in zahlreichen Ländern."

  • Artikel 17-Leitfaden zu Uploadfiltern

    Nach Verabschiedung der Urheberrechtsreform im Bundestag hat die Europäische Kommission ihren Leitfaden zur Anwendung von Artikel 17, der Richtlinie über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt (CDSMD), veröffentlicht. Artikel 17 fordert den Einsatz fehleranfälliger Uploadfilter, und entgegen ihrer Beteuerung vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vergangenen Jahres versagt die Kommission beim effektiven Schutz der Rechte von Nutzern von Online-Anwendungen. Der lange erwartete Leitfaden zu Artikel 17 bestätigt zwar im Grundsatz, dass die automatische Sperrung von Inhalten, die von Nutzern hochgeladen werden, auf offensichtliche Urheberrechtsverletzungen beschränkt werden muss und in Zweifelsfällen nicht erfolgen darf. Die Empfehlung sieht jedoch die Möglichkeit für Rechteinhaber vor, bestimmte Inhalte zu kennzeichnen, die ihnen einen "erheblichen wirtschaftlichen Schaden" zufügen könnten. Diese Inhalte müssten Uploadfilter dann automatisiert blockieren, auch wenn sie legal verwendet werden, etwa in Memes als Zitat oder Parodie.

  • Urheberrecht mit überkomplexem Beschwerdeverfahren

    Ob Grumpy Cat, Disaster Girl oder die First World Problems: Das Teilen von Memes ist in sozialen Netzwerken weit verbreitet. Von August an müssen Internetnutzer, wenn sie ein fremdes Werk als Grundlage für solche Bilddateien sowie Gifs, Mashups oder auch Fan Fiction verwenden, bestimmte Vorgaben beachten - ansonsten drohen diese Inhalte von Upload-Filtern geblockt zu werden. Das ist eine Folge der neuen Urheberrechtsreform, die der Bundestag an diesem Donnerstag nach jahrelangem Ringen verabschiedet. Demnach müssen die User sozialer Netzwerke sicherstellen, dass nicht mehr als 15 Sekunden eines Videos, 160 Zeichen Text und Bildausschnitte bis zu 125 Kilobyte verwendet werden, sofern der Ausschnitt weniger als die Hälfte eines Werkes umfasst. Zudem muss er mit weiteren Inhalten kombiniert werden. Sollten diese Voraussetzungen nicht erfüllt sein, müssen User den hochgeladenen Inhalt zumindest per Mausklick als rechtlich zulässig kennzeichnen, damit dieser nicht durch Upload-Filter geblockt wird. "Die Rechtslage an das digitale Zeitalter anzupassen, war überfällig. So, wie es nun erfolgt ist, wurde dieses Ziel jedoch klar verfehlt", sagt Susanne Dehmel, Mitglied der Geschäftsleitung beim Bitkom. "Die Reform bringt zum einen Unsicherheiten für Internetnutzer, weil diese in vielen Fällen kaum selbst einschätzen können, wann eine Bild- oder Filmdatei legal ist. Zum anderen ist sie insgesamt ein Rückschlag für die Meinungsfreiheit im Netz, da nun die Plattformen für Uploads großflächig urheberrechtlich verantwortlich gemacht werden. Sie können damit den Einsatz technischer Filter nicht vermeiden, um illegale Uploads, für die sie haftbar gemacht werden können, zu verhindern. So wird riskiert, dass auch Inhalte blockiert werden, die eigentlich rechtlich zulässig sind."

  • Bitkom zur Novelle des NetzDG

    Der Bundestag verabschiedete im Mai 2020 eine weitere Novelle des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes (NetzDG). Dazu erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder: "Mit dieser zweiten Novelle des NetzDG setzt Deutschland seinen nationalen Sonderweg fort und entfernt sich immer weiter von den übrigen europäischen Staaten. Zugleich schießt die NetzDG-Novelle beim Versuch, die Nutzerrechte zu stärken, weit über das Ziel hinaus. Aktuell wird auf EU-Ebene der Digital Services Act diskutiert. Er wird schon bald ein einheitliches, harmonisiertes Verfahren zum Umgang mit rechtswidrigen Inhalten einführen - insbesondere auch beim internen Beschwerdemanagement der Online-Plattformen. Anstatt sich auf die Gestaltung dieser europäischen Regeln für alle Anbieter zu konzentrieren, wird wieder einmal eine überkomplexe nationale Lösung entwickelt. Gerade in der digitalen Welt brauchen wir einen einheitlichen europäischen Binnenmarkt und nicht noch mehr nationalstaatliche Fragmentierung."

  • Bahnkundenrechte auf dem Abstellgleis

    Das Europäische Parlament (EP) hat über die Änderungsanträge zur Neufassung der europäischen Bahngastrechte abgestimmt. Diese sind nicht durchgegangen, womit die Zustimmung zum Trilogergebnis erteilt ist. Die Verschlechterung für Bahnkunden ist damit beschlossen. Trotz der Aufforderung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) das Trilogergebnis abzulehnen, ist das EP dem nicht gefolgt. Klaus Müller, Vorstand des vzbv, kommentiert: Der abgestimmte Kompromiss zur Neufassung der europäischen Bahngastrechte ist in jeder Hinsicht schlecht für die Bahnkunden. Ihre Rechte sind dauerhaft auf dem Abstellgleis. Statt ein höheres Schutzniveau für Kunden zu beschließen, gab das Europäische Parlament vor allem den Interessen der Bahnbetreiber nach. Geplant ist jetzt die Einführung einer Höheren-Gewalt-Klausel. Daneben besteht immer noch keine Verpflichtung für Bahnbetreiber durchgängige Fahrkarten anzubieten, wenn zwei oder mehr Bahnunternehmen auf einer Reise genutzt werden.