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Nachbesserungen beim Urheberrecht nötig


Kein Zwei-Klassen-Recht im digitalen und analogen Handel
EU-Strategie für Digitalen Binnenmarkt muss Verbraucherinteressen stärker berücksichtigen

(26.05.15) - Verbraucher in der Europäischen Union müssen sich auf einheitliche Regeln im Handel verlassen können – egal, in welchem Land sie einkaufen, und egal, ob im Onlineshop oder Ladengeschäft. Das fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mit Blick auf die Strategie zum Digitalen Binnenmarkt, die die EU-Kommission vorgestellt hat. In den EU-Plänen für einen Onlinehandel ohne nationale Schranken kommen die Verbraucherinteressen aus Sicht des vzbv noch zu kurz. Wenn die Kommission die EU als "Weltführer in der Informations- und Kommunikationstechnologie" etablieren möchte, muss es mehr als nur wirtschaftliche Fördermaßnahmen geben, so der vzbv.

"Der digitale Binnenmarkt braucht klare und einheitliche Regeln, auf deren Schutz Verbraucher bei grenzüberschreitenden Geschäften vertrauen können", sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv.

Der vzbv hält EU-weite Regelungen zur Schaffung eines Digitalen Binnenmarkts ebenso wie zur Anpassung des Urheberrechts in Folge der Digitalisierung für erforderlich. Begrüßenswert sei insbesondere, dass Ländersperren bei Online-Diensten, das sogenannte Geoblocking, abgeschafft werden sollen. Insgesamt beinhaltet das Strategiepapier aber vor allem Absichtserklärungen und sehr ambitionierte Ziele. Die Belange der Verbraucher würden in vielen Teilen nicht hinreichend berücksichtigt. So haben sie zum Beispiel nicht nur Probleme mit dem grenzüberschreitenden Zugang zu Onlinediensten, sondern insbesondere mit der Übertragbarkeit ihrer Daten bei einem Anbieterwechsel.

Einheitliche Regeln im Handel
Neue Regeln für den Onlinehandel dürfen dem vzbv zufolge nicht dazu führen, dass Käufer in der digitalen Welt andere Rechte haben als in der analogen. Klaus Müller: "Es darf kein Zwei-Klassen-Recht geben. Wir brauchen einheitliche Regeln für den digitalen und analogen Handel." Alles andere würde nur zu Irritationen führen. Ein Beispiel: Ein Verbraucher kauft im Internet eine Tasse und druckt diese auf seinem 3D-Drucker aus. Da er kein Vertrauen in Online-Bezahlmittel hat, bezahlt er an der Kasse des Drogeriemarkts um die Ecke. Hat er Daten gekauft oder ein bewegliches Gut? Liegt ein Online-Kaufvertrag vor oder handelt es sich um einen im Ladengeschäft geschlossenen Vertrag? Auf Fragen wie diese müssen Antworten gefunden werden.

Kritisch sieht der vzbv die Ankündigung, zugunsten der Anbieter das Herkunftslandprinzip einzuführen. Für Verbraucher würde dies bedeuten, dass sie beim Abschluss grenzüberschreitender Verträge unter Umständen schlechter gestellt wären als beim Kauf im Inland.

Ein breites, vielfältiges, leicht zugängliches und grenzüberschreitendes Angebot an legalen Inhalten ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Attraktivität von illegalen Bezugsquellen zu senken. Um das zu erreichen, muss die Verfügbarkeit von Inhalten und grenzüberschreitenden Diensten verbessert werden. Dabei müssen die Schrankenregelungen, sprich Ausnahmen im Urheberrecht zugunsten der Nutzer, flexibler ausgestaltet werden. Im digitalen Zeitalter ist es für Internetnutzer selbstverständlich, Inhalte kreativ zu nutzen und sie privat mit anderen zu teilen und das über Ländergrenzen hinweg. Diese Nutzungsformen benötigen einen für Nutzer verständlichen einheitlichen rechtlichen Rahmen und die technischen Entwicklungen einen angemessenen Raum. Das muss ein modernisiertes Urheberrecht leisten.

Die Digitalstrategie der EU lässt allerdings die von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angekündigte umfassende Reform des Urheberrechts vermissen, so der vzbv. (Verbraucherzentrale Bundesverband: ra)

vzbv: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

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Meldungen: Kommentare und Meinungen

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    Nach Angaben der beiden US-Finanzdienstleister TransUnion und Iovation steigen die Betrugsfälle bei den Nutzern der Online Plattformen stetig. Zwischen 2015 und 2018 verzeichnete beispielsweise eines der beiden Unternehmen einen Anstieg vergleichbarer Betrugsfälle von 516 Prozent und damit mehr als verfünffacht. Diese Entwicklung ist ein Fingerzeig für das, was uns in Europa nach der flächendeckenden Einführung der PSD2 noch erwarten wird. Seit dem 14. September 2019 treten innerhalb der EU vermehrt Probleme durch schlecht ausgearbeitete Implementierungen der Banken-IT sowie Betrugsfälle in Bezug auf die Richtlinie auf.

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    Der ein oder andere mag sich noch an den Clipper-Chip erinnern, einen Chipsatz, der von der NSA als Verschlüsselungskomponente entwickelt wurde und der "Sprach- und Datennachrichten" mit einer integrierten Hintertür sicherte. Das war damals eine schlechte Idee und es wird immer eine schlechte Idee sein, Löcher in Sicherheitssysteme zu bohren. Tatsächlich geht die Debatte weit über den Schutz der Privatsphäre hinaus. Es geht vielmehr um die Schwächung der Sicherheitssysteme, die es Cyberkriminellen einfacher macht, sich Zugang zu verschaffen."

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    Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat entschieden, dass Internetnutzer dem Setzen von Cookies aktiv zustimmen müssen. Eine voreingestellte Zustimmung zum Speichern der Daten auf dem Rechner ist nach dem Urteil der Richter unzulässig. Dazu erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder: "Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs hat weitreichende Auswirkungen für Internetnutzer und Tausende Webseitenbetreiber in Deutschland. Cookies können künftig nicht mehr mit einem Hinweis an den Nutzer automatisch gesetzt werden, sondern erfordern seine ausdrückliche Zustimmung. Neben dem nach wie vor hohen Umsetzungsaufwand infolge der Datenschutz-Grundverordnung bedeutet das für unzählige Webseitenbetreiber eine erneute Mehrbelastung. Auch für die Nutzer wird das Surfen im Netz umständlicher. Wer weiterhin den Komfort von Cookies genießen möchte, muss dafür ausdrücklich eine Einwilligung erteilen - mit zusätzlichen Klicks. Cookies können einen echten Mehrwert sowohl für Internetnutzer als auch für Webseitenbetreiber bieten.

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    Nach einem Urteil des EuGH vom Dienstag (C-673/17) müssen Internetnutzer dem Setzen sogenannter Cookies aktiv zustimmen. Ein Kästchen mit einem voreingestellten Häkchen, das durch die Betätigung der Schaltfläche für die Teilnahme an einem Gewinnspiel akzeptiert wird, genügt den Anforderungen an eine aktive Einwilligung für den konkreten Fall nicht. Dies gilt unabhängig davon, ob es sich bei den im Endgerät des Nutzers der Website gespeicherten oder abgerufenen Informationen um personenbezogene Daten handelt. Dazu eine Einschätzung von Datenschutz- und IT-Rechtsexperte Dr. Martin Pflüger, Partner im Münchner Büro der internationalen Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells.

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