Compliance ist zu Pflichtübung geworden


Menschenhandel für Finanzinstitute ein ernstes Problem beim Kampf gegen Geldwäsche
Banken besorgt über durch Geldwäsche verursachtes menschliches Leid



Laut der Geldwäsche-Studie "The 2021 Global State of Anti-Money Laundering" von BAE Systems Applied Intelligence stellt für Compliance-Experten weltweit der Menschenhandel heute eines der größten Probleme dar. Der Studie zufolge sagen mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Compliance-Fachleute, dass sie nicht davon überzeugt sind, dass über Konten ihrer Kunden abgewickelte Geldwäschedelikte, die im Zusammenhang mit Menschenhandel stehen, verhindert werden können. Mehr als 60 Prozent der Befragten gaben an, dass hoch entwickelte neue kriminelle Methoden in den letzten 12 Monaten noch schwieriger zu erkennen waren und die finanziellen Auswirkungen für die Banken enorm sind. Im Vereinigten Königreich gab ein Viertel (25 Prozent) der Risiko- und Compliance-Experten in den Finanzinstituten an, dass der Menschenhandel die größten finanziellen Verluste aller Geldwäschedelikte verursacht. In den USA war es ein Drittel und in Australien fast die Hälfte (45 Prozent).

Neben Betrug, Korruption und organisierter Kriminalität wird der Menschenhandel als eine der fünf größten Sorgen genannt. Aus Sicht von mehr als einem Viertel (27 Prozent) der Befragten, stellt der Menschenhandel eine ernsthafte Sorge dar.

Fast ein Drittel (29 Prozent) gab an, dass ihre Teams Schwierigkeiten haben, die Schlüsselindikatoren für Menschenhandel zu erkennen, und jeder Fünfte (21 Prozent) verfügt einfach nicht über genügend Informationen zur Bekämpfung der Geldwäsche in seinem Unternehmen.

Compliance, also die Einhaltung von Vorschriften, ist für die Finanzinstitute ein wichtiger Kostenfaktor. Dies gilt insbesondere für die Bekämpfung von Geldwäsche. Viele Branchen-Experten (76 Prozent) sind jedoch der Meinung, dass Compliance zu einer reinenPflichtübunggeworden ist, die der Bekämpfung der wahren Quelle der Geldwäsche im Wege steht.

Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Geldwäschefälle wurden im letzten Jahr nicht aufgedeckt und fast ein Fünftel (17Prozent) der Befragten sagt, dass Compliance inzwischen eine Formsachedarstellt, die nicht genügend dazu beitrage, die wahren Opfer der Geldwäsche zu verstehen und zu unterstützen.

Enda Shirley, Leiter der Compliance-Abteilung bei BAE Systems Applied Intelligence: "Für viele Finanzinstitute geht es bei der Bekämpfung der Geldwäsche nur noch darum, Geldstrafen oder Reputationsschäden zu vermeiden. Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass das derzeitige System nicht annähernd in der Lage ist, den Kern der Problematik zu erfassen. Für viele ist die Einhaltung der Vorschriften dem eigentlichen Ziel in die Quere gekommen – nämlich der Identifizierung und dem Schutz der Opfer."

Mehr Zusammenarbeit und Informationsaustausch erforderlich
Die Studienergebnisse legen nahe, dass Banken und Finanzdienstleister, politische Entscheidungsträger und Strafverfolgungsbehörden in einer so genannten Feedback-Schleife für Finanzkriminalität zusammenarbeiten müssen, um die Herausforderungen der Geldwäsche besser zu bewältigen.

Viele Finanzinstitute wünschen sich mehr Input und Maßnahmen von Seiten der Strafverfolgungsbehörden, wobei die Hälfte der Befragten (50 Prozent) angab, dass sie sich derzeit nicht ausreichend unterstützt fühlen. Fast ein Drittel (32 Prozent) fordert einen stärkeren Austausch von Informationen innerhalb der Branche.

Enda Shirley: "Diese Vorfälle zum Zeitpunkt der Transaktion zu stoppen, ist wirklich nur ein kleiner Teil der Lösung des Problems. Wir müssen uns eingehender mit der Frage befassen, wie wir nach Frühindikatoren für diese häufiglebensverändernden Straftaten suchen können. Damit sich wirklich etwas ändert ist die Zusammenarbeit in der gesamten Branche, die mit der Bekämpfung von Geldwäsche befasst ist, unerlässlich. Das bedeutet, dass die Strafverfolgungsbehörden, die politischen Entscheidungsträger, die Finanzinstitute und die Anbieter von Anti-Geldwäsche-Technologie konsequent enger zusammenarbeiten müssen, um Erkenntnisse und Informationen auszutauschen."

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Studie "The 2021 Global State of Anti-Money Laundering":

Geldwäsche ist eine ernste und umfassende Herausforderung für die Gesellschaft
1. Mehr als die Hälfte der Geldwäsche schlüpft den Befragten zufolge durchs Netz.
2. Jeder Dritte gibt an, dass es fast unmöglich ist, neue Verbrechertypologien zu erkennen und dass es schwierig ist zu messen, wie oft Geldwäsche vorkommt und deren Auswirkungen zu quantifizieren.
62 Prozent sagen, dass es in den letzten 12 Monaten schwieriger geworden ist, Geldwäsche zu erkennen.

Warum löst Compliance das Problem nicht?
1. Einer von sechs Compliance-Experten sagt, dass Compliance zu einer Formsache geworden ist.
2. Die Mehrheit sagt, dass Compliance dem Problem nicht auf den Grund geht.
3. Dennoch versuchen die meisten Finanzinstitute, die Vorschriften einzuhalten, während sie gleichzeitig mit Budgetkürzungen von bis zu 25 Prozent konfrontiert sind.

Feedback-Schleife für Finanzkriminalität – gut gemachte Compliance hat großen gesellschaftlichen Einfluss
1. 40 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sie von einer zentralen Anti-Geldwäsche-Organisation profitieren würden, um Informationen zwischen den wichtigsten Interessengruppen der Branche auszutauschen.
2. 92 Prozent der Befragten glauben, dass die mangelnde Zusammenarbeit zwischen Finanzinstituten, Strafverfolgungsbehörden und politischen Entscheidungsträgern den Fortschritt behindert.

Zur Methodik der Studie "The 2021 Global State of Anti-Money Laundering": Atomik Research führte eine Online-Umfrage unter 452 Finanzexperten durch, die in den Bereichen Risikomanagement und Compliance von Banken und Versicherungentätig sind. Die Umfrage fand vom 16. bis 21. Juli 2021imVereinigten Königreich, den USA, Frankreich, Deutschland, Australien und Singapur statt. Atomik Research ist ein unabhängiges Marktforschungsinstitut mit MRS-zertifizierte Forschern, das sich an den MRS-Kodex hält.
(BAE Systems Applied Intelligence: ra)

eingetragen: 11.10.21
Newsletterlauf: 15.12.21

BAE Systems Applied Intelligence: Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Markt / Unternehmen

  • Zukunft der Arbeit spaltet Führung & Mitarbeiter

    NTT hat die 2021er-Ausgabe ihres "Global Workplace Report" veröffentlicht. Die Studie liefert detaillierte Informationen zu den Bereichen Employee Experience - also den Erfahrungen der Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz -, vernetzte Digitalisierung sowie Arbeitsplatzgestaltung und bietet damit wichtige Gestaltungsansätze für die Zukunft der Arbeit, auf die sich Unternehmen auf der ganzen Welt nach der Pandemie einstellen müssen. Die Daten zeigen, dass die meisten Organisationen zwar erkannt haben, welche Maßnahmen sie für die Modernisierung ihrer Arbeitsmodelle in den einzelnen Sektoren priorisieren müssen, viele sind aber noch nicht in der Lage, diese effektiv umzusetzen. Die Befragung von weltweit 1.146 leitenden Angestellten sowie 1.400 Mitarbeitern belegt, dass eine Mehrheit der Befragten die während der Pandemie erfolgte Zunahme von Remote-Arbeit kritisch beurteilt. 74 Prozent sehen dadurch die Unternehmensleistung beeinträchtigt und 76 Prozent bezeichnen Homeoffice als Herausforderung für die Angestellten. Und für 60 Prozent der Personalchefs hat sich das Wohlbefinden der Mitarbeiter im Laufe der Pandemie verschlechtert.

  • Zu geringe Breitbandgeschwindigkeit

    Am 01.12.2021 trat die Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) in Kraft. Verbraucher erhalten dann ein Minderungsrecht, wenn ihr Internet langsamer ist als vertraglich vereinbart. Der vzbv hat ausgerechnet, welche Beträge Verbraucher im Zeitraum 2019/2020 zu viel bezahlten. Mit der TKG-Novelle erhalten Verbraucher ein Minderungsrecht, wenn die Internetgeschwindigkeit langsamer ist als vertraglich vereinbart. Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) hat mit Daten der Bundesnetzagentur ausgerechnet, wie viel Verbraucher im Zeitraum 2019/2020 in gängigen Breitband-Tarifen monatlich zu viel zahlten. Untersucht wurden die größten Breitband-Internetanbieter Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1.

  • Weiterhin ein Gefühl der Einsamkeit

    Eine Kaspersky-Studie hat ergeben, dass 60 Prozent der in Deutschland befragten Angestellten sich nicht isoliert fühlen, wenn sie aus der Ferne arbeiten. Mehr als ein Viertel (26 Prozent) gab sogar an, remote besser mit ihren Kollegen kommunizieren zu können. Eine große Herausforderung für Arbeitgeber: Die weit verbreitete Nutzung von Kommunikationsdiensten, die nicht zu den offiziellen Unternehmenskanälen gehören, ermöglicht bessere Verbindungen, erhöht jedoch gleichzeitig auch die Risiken, die von unkontrollierten IT-Ressourcen ausgehen. Die epidemiologische Situation und die darauf folgenden Abriegelungsmaßnahmen rund um den Globus haben den Kommunikationsaspekt im Privat- und Arbeitsleben stark beeinflusst. Soziale Isolation sowie mangelnde Kommunikation mit Kollegen gehörten zu den am meistdiskutierten Bedenken von Mitarbeitern, die unternehmensextern tätig sind.

  • Komplexität erschwert Sicherheit

    Digitalisierung, Remote-Arbeit und zunehmende Cloud-Nutzung wirken sich auf die Sichtbarkeit von Cyberbedrohungen und die Reaktion auf Cybervorfälle aus. Dabei stellen der Datenschutz sowie eine zunehmend komplexe Infrastruktur für die Hälfte der europäischen Unternehmen eine Herausforderung dar. Diese Ergebnisse gehen aus dem aktuellen "IT Security Economics Report" von Kaspersky hervor. Im Jahr 2020 haben Lockdowns und die damit verbundene Fernarbeit den Einsatz digitaler Technologien in Unternehmen gefördert. Laut McKinsey & Company haben die Digitalisierung in Kunden- und Lieferketteninteraktionen sowie der Anteil digitaler oder digital gestützter Produkte zugenommen. Damit war auch die Einführung neuer IT-Dienste und Änderungen der IT-Infrastruktur verbunden.

  • Interner Schutz von Whistleblowern

    Mitte Dezember tritt die EU-Whistleblowing-Richtlinie in Kraft und verpflichtet einen Großteil der Unternehmen zur Implementierung eines internen Meldekanals. Jedoch sind viele betroffene Unternehmen noch nicht ausreichend vorbereitet, wie aus dem Whistleblowing Report 2021 hervorgeht. Für diesen befragte die Fachhochschule Graubünden in Zusammenarbeit mit der Münchner EQS Group 1.239 Unternehmen in Deutschland, Schweiz, Frankreich und Großbritannien zur Verwendung von internen Meldekanälen.