KI definiert Geschäftsmodelle neu


GenAI-Kompetenz: Chefs in Deutschland müssen die Schulbank drücken
63 Prozent der Unternehmen: "GenAI-Expertise im Management unerlässlich" - Nur 26 Prozent der Unternehmen setzen GenAI bereits gezielt auf Vorstandsebene ein - Erst 20 Prozent der Unternehmen skalieren GenAI unternehmensweit



In Deutschlands Chefetagen mangelt es an ausreichender Kompetenz im Bereich generativer Künstlicher Intelligenz (GenAI). Zwei Drittel der Führungskräfte gehen selbstkritisch davon aus, dass Entscheider ohne fundiertes KI-Verständnis mittelfristig aus der Leitungsebene verdrängt werden. Zudem erwarten 52 Prozent, dass künftig vor allem vollständig auf generativer KI basierende Geschäftsmodelle dominieren werden. Gleichzeitig nutzen heute erst 20 Prozent der deutschen Unternehmen GenAI tatsächlich unternehmensweit – meist fehlt es an Kompetenz auf der obersten Führungsebene. Das ergibt die Studie "Disruptive Potenziale – wie generative KI Geschäftsmodelle neu definiert" von Sopra Steria und dem F.A.Z.-Institut.

Die Bedeutung umfassender GenAI-Kompetenz in den Chefetagen unterstreicht Michael Buttkus, Leiter von Sopra Steria Next Deutschland, der Managementberatung von Sopra Steria: "Unternehmen, die GenAI als strategisches Instrument einsetzen wollen, brauchen auf der Entscheider-Ebene nicht nur visionäre Führungskräfte, sondern vor allem ein tiefgehendes Verständnis der Technologie und ihrer Wirkung auf Geschäftsmodelle."

Nur eine Minderheit der befragten Entscheiderinnen und Entscheider geht davon aus, dass sich die strategischen Elemente des aktuellen Geschäftsmodells in ihrem Unternehmen gar nicht ändern werden. 52 Prozent der Unternehmen, die heute GenAI nutzen, schätzen zudem, dass es in Zukunft sogar vor allem neue, vollständig auf generativer KI basierende Geschäftsmodelle geben wird, so die Studie.

Für diesen Game-Changer-Effekt und die entsprechenden Weichenstellungen benötigen die Unternehmen fundierte Kompetenz auf der Management-Ebene: "Entscheiderinnen und Entscheider bewilligen in den kommenden Jahren GenAI-Investitionen in Milliardenhöhe. Sie sollten bewerten können, welche Anwendungen den größten Return on Investment bieten und welche Auswirkungen die Technologie auf das eigene Geschäft hat, positiv wie negativ. Und: Als Vorstand sollte man GenAI auch selbst erleben, im Sinne von selbst ausprobieren, um eine Überzeugung zu entwickeln", so Michael Buttkus.

Mit ChatGPT-Schulungen ist es nicht getan
Der nötige Kompetenzaufbau in den Chefetagen geht allerdings weit über punktuelle Schulungen hinaus. "Wer GenAI erfolgreich einsetzen möchte, braucht neben technologischem Wissen vor allem ein strategisches Mindset", erläutert Michael Buttkus. Derzeit setzen lediglich 26 Prozent der befragten Unternehmen GenAI explizit auf Vorstandsebene ein – ein Indiz dafür, dass noch zu oft lediglich operativ und zu wenig strategisch gehandelt wird.

Die Studienergebnisse zeigen, dass 91 Prozent der Unternehmen erwarten, dass sich das gesamte Personalmanagement, insbesondere das Wissensmanagement, durch GenAI verändern wird. Das erfordert einen tiefgreifenden Wandel in der Personalpolitik auf Führungsebene. Um die nötigen Kompetenzen aufzubauen und dauerhaft zu etablieren, sollten Unternehmen gezielt neue Governance-Strukturen und beratende Gremien schaffen, in denen internes und externes GenAI-Know-how gebündelt und direkt in die Vorstandsetagen getragen wird.

Warum GenAI-Kompetenz in den Chefetagen so entscheidend ist
Eine fundierte GenAI-Kompetenz der Topentscheider beeinflusst unmittelbar den Erfolg der gesamten Organisation:

>> Bessere strategische Entscheidungen: Führungskräfte, die Potenziale und Risiken von GenAI-Technologien selbst verstehen, können strategische Weichenstellungen präziser und mutiger vornehmen.

>> Schnellere Skalierung von Innovationen: Nur Vorstände mit tiefgehendem GenAI-Verständnis können erkennen, welche Pilotprojekte erfolgversprechend sind, und diese konsequent skalieren.

>> Veränderung von Geschäftsmodellen: GenAI verändert Wertschöpfungsketten radikal. Führungskräfte müssen daher in der Lage sein, nicht nur Prozesse zu optimieren, sondern auch komplett neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

>> Kultur und Recruiting: Führungskräfte mit GenAI-Know-how ziehen passende Talente an und fördern eine innovationsfreundliche Unternehmenskultur.

Für den Kompetenzaufbau in den Chefetagen bieten sich den Unternehmen verschiedene Optionen. Einige Unternehmen wie General Motors und die Helaba haben mit dem AI Officer eine eigenständige Rolle auf Vorstandsebene etabliert, um dem Stellenwert der Technologie für das eigene Geschäft gerecht zu werden. Weitere gängige Maßnahmen sind strategische Talentakquise sowie Weiterbildungsprogramme und Coachings der Vorstände durch GenAI-Expertinnen und
-Experten.

Seltener sind beratende GenAI-Boards, die das Topmanagement kontinuierlich mit Expertise versorgen. In vielen Unternehmen gibt es bereits ethische KI-Boards, es fehlt allerdings an beratenden Gremien, die Vorstände gezielt und strategisch bei Investitionen in generative KI unterstützen. Hier besteht Nachholbedarf, um teure Fehlinvestitionen zu vermeiden.

"Unternehmen können mit dem Einsatz von GenAI bestehende Geschäftsmodelle auf links drehen oder völlig neue erschließen. Wer hier als Entscheider ohne Know-how unterwegs ist, stellt strategische Weichen im Blindflug – und navigiert sein Unternehmen früher oder später ins Abseits", fasst Michael Buttkus zusammen.

Hintergrundinformationen
Die Befragung für den Report "Disruptive Potenziale – wie generative KI Geschäftsmodelle neu definiert" beleuchtet den aktuellen Stand und die Perspektiven von GenAI in deutschen Unternehmen in Bezug auf neue und bestehende Geschäftsmodelle. Der Marktforscher F.A.Z. Business Media | research hat im Herbst 2024 im Auftrag von Sopra Steria insgesamt 189 Entscheiderinnen und Entscheider aus Unternehmen in Deutschland online befragt. (Sopra Steria: ra)

eingetragen: 15.04.25

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Meldungen: Studien

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    Mit Inkrafttreten der EU-Verordnung zur digitalen operationellen Resilienz (DORA) Mitte Januar 2025 stehen Finanzinstitute unter Zugzwang: Sie müssen ihre IT-Sicherheit aufgrund der herrschenden Gefahrenlage entlang eines Katalogs an Maßnahmen auf einen zeitgemäßen Stand der Technik bringen. Eine aktuelle Studie von Veeam Software, dem weltweit führenden Anbieter für Datenresilienz nach Marktanteil, hat bei betroffenen Organisationen den Status Quo bei der Umsetzung abgefragt. Darin zeigt sich: Eine Mehrheit der deutschen Finanzdienstleister hält die hauseigene Resilienz noch nicht für ausreichend. 95 Prozent der über 100 befragten deutschen Unternehmen sehen noch Verbesserungsbedarf, um die Anforderungen zu erfüllen.

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    Seit einigen Jahren drängen verstärkt Online-Händler auf den deutschen Markt, die zu Niedrigstpreisen Produkte vor allem aus China importieren. Mehr als drei Viertel der deutschen Händler (78 Prozent) fordern deshalb ein Verbot chinesischer Billig-Marktplätze. Aus Sicht von je neuen von zehn Händlern würden sie häufig gegen das hier geltende Recht verstoßen (92 Prozent) und ihre Produkte enthielten oft potenziell gefährliche Inhaltsstoffe (88 Prozent). Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, für die 505 Handelsunternehmen ab zehn Beschäftigten in Deutschland befragt wurden.

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    Eine aktuelle Studie von Qualys in Zusammenarbeit mit Dark Reading zeigt: Trotz wachsender Ausgaben und zunehmender Relevanz in Vorstandsetagen bleibt das Cyber-Risikomanagement vieler Unternehmen unausgereift. Der Grund: Der geschäftliche Kontext fehlt.

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