Unternehmen unterschätzen Risiken von Social Media


Social-Media-Dienste: Bei der Anpassung von Compliance- und Handlungsrichtlinien besteht Nachholbedarf
Studie: Nur eine Minderheit definiert Ziele für Social-Media-Aktivitäten - Datenschutzanforderungen sind in jedem zweiten Unternehmen nicht bekannt


(15.11.12) - Twitter, Facebook, YouTube und andere Social-Media-Dienste werden mittlerweile von den weitaus meisten Großunternehmen genutzt. Allerdings hat die Mehrzahl weder klare Ziele für die Aktivitäten im sozialen Netzwerk definiert noch die verbundenen Risiken und Nebenwirkungen analysiert und adressiert.

Wie aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hervor geht, sind fast 70 Prozent der 161 befragten Unternehmen aus Deutschland und der Schweiz im sozialen Netzwerk aktiv, annähernd 60 Prozent bereits seit mehr als einem Jahr. Von diesen verfügen jedoch nur 40 Prozent über eine ausformulierte und im Unternehmen kommunizierte Social-Media-Strategie, während am anderen Ende des Spektrums immerhin 12 Prozent über Sinn und Zweck ihrer Aktivitäten bislang kaum oder sogar überhaupt nicht nachgedacht haben.

Auch die Risiken, die mit einer Präsenz im sozialen Netzwerk einhergehen, haben viele Befragte nicht im Griff: Zwar glauben 60 Prozent der Unternehmen, die im Netz lauernden Gefahren und Stolperfallen zu kennen. Allerdings verfügen nur knapp 30 Prozent über einen Risikomanagementprozess für Social-Media-Initiativen.

"Vor Fehltritten im sozialen Netzwerk ist kein Unternehmen sicher. Um Pannen zu vermeiden, muss jedoch allen Mitarbeitern bewusst sein, was und wie ihr Arbeitgeber kommunizieren will. Dazu bedarf es klarer Richtlinien und auch regelmäßiger Schulungen", betont Derk Fischer, Partner und Experte für Social Media bei PwC.

Schwächen beim Datenschutz
Tatsächlich besteht bei der Anpassung von Compliance- und Handlungsrichtlinien Nachholbedarf: Nur knapp ein Drittel der Unternehmen hat die Regelwerke an die besonderen Anforderungen von Social Media angepasst, während jedes vierte bislang kaum über das Thema nachgedacht hat.

Auch Schulungen zum Umgang mit Social Media sind noch die Ausnahme. Regelmäßige Trainings gibt es nur bei knapp 16 Prozent der Unternehmen. Demgegenüber haben fast 50 Prozent der Befragten bislang noch gar keinen Qualifizierungsbedarf erkannt.

Bedenklich stimmt der geringe Kenntnisstand beim Datenschutz. Über 45 Prozent der befragten Unternehmen kennen die aktuelle rechtliche Bewertung von Social-Media-Aktivitäten durch die Datenschutzbehörden nicht oder nur zum Teil, für genau informiert halten sich lediglich 30 Prozent. "Die Defizite beim Thema Datenschutz wiegen besonders schwer: Zwar können auch unbedachte Äußerungen im Netz erhebliche Imageschäden nach sich ziehen, bei Verstößen gegen den Datenschutz drohen jedoch neben dem Reputationsverlust auch konkrete Schadenersatzforderungen", warnt Fischer.

Interaktion wird selten gesteuert
Ein effektives Risikomanagement im sozialen Netzwerk beschränkt sich allerdings nicht auf die Gefahrenabwehr, sondern muss auch Vorkehrungen für den ‚Fall der Fälle’ treffen. "Die meisten Unternehmen begreifen Social Media nach wie vor als kommunikative Einbahnstraße. Auf Rückmeldungen der Nutzer wird oft spät und manchmal auch gar nicht geantwortet. Selbst kleinere Kommunikationspannen können jedoch bei Nichtbeachtung eine rasante Eigendynamik entwickeln: Im schlimmsten Fall tobt im Netz bereits der gefürchtete 'Shitstorm', bevor das Unternehmen den Fehler überhaupt bemerkt hat", betont Fischer.

Über ein Dialogkonzept, das die Kommunikation mit den Nutzern systematisch steuert, verfügen bislang jedoch nur gut 40 Prozent der Unternehmen. Automatisierte "Listening-Tools" gibt es erst bei jedem fünften Befragten.

Für die Studie befragte PwC 146 Großunternehmen aus Deutschland und 15 aus der Schweiz. Fast alle Befragten (95 Prozent) erzielten in 2011 einen Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Euro. (PwC: ra)

PricewaterhouseCoopers: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -




Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Studien

  • Zukunft der Arbeit spaltet Führung & Mitarbeiter

    NTT hat die 2021er-Ausgabe ihres "Global Workplace Report" veröffentlicht. Die Studie liefert detaillierte Informationen zu den Bereichen Employee Experience - also den Erfahrungen der Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz -, vernetzte Digitalisierung sowie Arbeitsplatzgestaltung und bietet damit wichtige Gestaltungsansätze für die Zukunft der Arbeit, auf die sich Unternehmen auf der ganzen Welt nach der Pandemie einstellen müssen. Die Daten zeigen, dass die meisten Organisationen zwar erkannt haben, welche Maßnahmen sie für die Modernisierung ihrer Arbeitsmodelle in den einzelnen Sektoren priorisieren müssen, viele sind aber noch nicht in der Lage, diese effektiv umzusetzen. Die Befragung von weltweit 1.146 leitenden Angestellten sowie 1.400 Mitarbeitern belegt, dass eine Mehrheit der Befragten die während der Pandemie erfolgte Zunahme von Remote-Arbeit kritisch beurteilt. 74 Prozent sehen dadurch die Unternehmensleistung beeinträchtigt und 76 Prozent bezeichnen Homeoffice als Herausforderung für die Angestellten. Und für 60 Prozent der Personalchefs hat sich das Wohlbefinden der Mitarbeiter im Laufe der Pandemie verschlechtert.

  • Zu geringe Breitbandgeschwindigkeit

    Am 01.12.2021 trat die Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) in Kraft. Verbraucher erhalten dann ein Minderungsrecht, wenn ihr Internet langsamer ist als vertraglich vereinbart. Der vzbv hat ausgerechnet, welche Beträge Verbraucher im Zeitraum 2019/2020 zu viel bezahlten. Mit der TKG-Novelle erhalten Verbraucher ein Minderungsrecht, wenn die Internetgeschwindigkeit langsamer ist als vertraglich vereinbart. Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) hat mit Daten der Bundesnetzagentur ausgerechnet, wie viel Verbraucher im Zeitraum 2019/2020 in gängigen Breitband-Tarifen monatlich zu viel zahlten. Untersucht wurden die größten Breitband-Internetanbieter Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1.

  • Weiterhin ein Gefühl der Einsamkeit

    Eine Kaspersky-Studie hat ergeben, dass 60 Prozent der in Deutschland befragten Angestellten sich nicht isoliert fühlen, wenn sie aus der Ferne arbeiten. Mehr als ein Viertel (26 Prozent) gab sogar an, remote besser mit ihren Kollegen kommunizieren zu können. Eine große Herausforderung für Arbeitgeber: Die weit verbreitete Nutzung von Kommunikationsdiensten, die nicht zu den offiziellen Unternehmenskanälen gehören, ermöglicht bessere Verbindungen, erhöht jedoch gleichzeitig auch die Risiken, die von unkontrollierten IT-Ressourcen ausgehen. Die epidemiologische Situation und die darauf folgenden Abriegelungsmaßnahmen rund um den Globus haben den Kommunikationsaspekt im Privat- und Arbeitsleben stark beeinflusst. Soziale Isolation sowie mangelnde Kommunikation mit Kollegen gehörten zu den am meistdiskutierten Bedenken von Mitarbeitern, die unternehmensextern tätig sind.

  • Komplexität erschwert Sicherheit

    Digitalisierung, Remote-Arbeit und zunehmende Cloud-Nutzung wirken sich auf die Sichtbarkeit von Cyberbedrohungen und die Reaktion auf Cybervorfälle aus. Dabei stellen der Datenschutz sowie eine zunehmend komplexe Infrastruktur für die Hälfte der europäischen Unternehmen eine Herausforderung dar. Diese Ergebnisse gehen aus dem aktuellen "IT Security Economics Report" von Kaspersky hervor. Im Jahr 2020 haben Lockdowns und die damit verbundene Fernarbeit den Einsatz digitaler Technologien in Unternehmen gefördert. Laut McKinsey & Company haben die Digitalisierung in Kunden- und Lieferketteninteraktionen sowie der Anteil digitaler oder digital gestützter Produkte zugenommen. Damit war auch die Einführung neuer IT-Dienste und Änderungen der IT-Infrastruktur verbunden.

  • Interner Schutz von Whistleblowern

    Mitte Dezember tritt die EU-Whistleblowing-Richtlinie in Kraft und verpflichtet einen Großteil der Unternehmen zur Implementierung eines internen Meldekanals. Jedoch sind viele betroffene Unternehmen noch nicht ausreichend vorbereitet, wie aus dem Whistleblowing Report 2021 hervorgeht. Für diesen befragte die Fachhochschule Graubünden in Zusammenarbeit mit der Münchner EQS Group 1.239 Unternehmen in Deutschland, Schweiz, Frankreich und Großbritannien zur Verwendung von internen Meldekanälen.