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MiFID I-Repetitorium: Compliance = Fehlanzeige!

Studie: Zwei Drittel der europäischen Finanzinstitute werden den MiFID-Termin nicht einhalten können – MiFID als Chance und nicht nur als Last sehen
Nur jedes zehnte Finanzinstitut sieht ein Potenzial darin, die "Last" der Compliance in eine Chance auf größere Geschäftsprozessverbesserungen umzuwandeln

(08.05.07) - Dass viele europäische Finanzinstitute schon allein aufgrund der oftmals verspäteten länderinternen Gesetzgebung bei der Umsetzung der MiFID-Richtlinie in Verzug geraten könnten, war allgemein befürchtet worden. Nun zeigt eine aktuelle Studie das Ausmaß dieser Verzögerung. Fast zwei Drittel aller Finanzinstitute in Europa wird die EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID) bis zum Termin im November 2007 voraussichtlich nicht erfüllen.

Dies ergab eine Studie, die von HandySoft Global Corp. veröffentlicht wurde. Die Untersuchung bestätigt, dass in Großbritannien ansässige Finanzinstitutionen relativ gesehen besser vorbereitet sind als der EU-Durchschnitt, doch wird auch hier fast ein Drittel (27 Prozent) wahrscheinlich keine zeitgerechte Compliance erzielen.

Auf Basis ausführlicher Telefoninterviews mit 100 europäischen Finanzinstitutionen und einer weiteren Gruppe spezialisierter Firmenanwälte stellte HandySoft darüber hinaus fest, dass nur ein Drittel der europäischen Firmen (33 Prozent) und nur etwas mehr als die Hälfte der britischen Firmen (52 Prozent) einen eigenen MiFID Compliance Officer eingesetzt haben. Das bedeutet, dass seit April 2006, als KPMG den europäischen Durchschnitt mit lediglich 29 Prozent erhob, kaum Fortschritte erzielt wurden.

Positiv gilt es jedoch zu vermerken, dass die Untersuchung aufzeigte, dass jede zehnte europäische Finanzorganisation (9 Prozent) ein "hohes Maß an Überlappung" zwischen ihrer MiFID-Implementierung und anderen aktuellen Compliance-Aufgaben in ihrem Unternehmen sieht. Weitere 23 Prozent stellen "eine ziemliche Überlappung” an übertragbaren Vorteilen fest, wohingegen die Mehrheit (68 Prozent) der Ansicht ist, dass die notwendigen Aufgaben und IT-Implementierungen nur "wenig" Überlappungen an wiederverwendbaren Vorteile und Technologien mit anderen Compliance-Anforderungen aufweisen.

Diese Erkenntnisse scheinen auf eine wachsende Polarisierung von Finanzunternehmen hinzuweisen, zwischen solchen, die Compliance als Plattform für breiter angelegte Geschäftsprozessverbesserungen, mehr Transparenz und wettbewerbsorientierte Reformen nutzen, und jenen, die Compliance als einmalige Aufgabe betrachten, die es "irgendwie" zu bewerkstelligen gilt. Das könnte dazu führen, dass die Kluft zwischen den führenden Unternehmen in der europäischen Finanzdienstleistungsbranche und jenen, die nachhinken, weiter wächst.

Wendy Cohen, Sales & Operations Director EMEA bei HandySoft Global Corporation, erklärte: "Diese Untersuchungsergebnisse erhärten unsere jüngsten Erfahrungen mit den MiFID-Compliance-Bemühungen europäischer Unternehmen. Viele Compliance-Vorbereitungstätigkeiten liegen tatsächlich nicht im Plan. Doch es ist nicht ratsam abzuwarten, da nicht-MiFID-konforme Unternehmen Gefahr laufen, Aufträge zu verlieren. Zudem drohen von den Behörden Sanktionen, die von Geldstrafen bis zu einem vorübergehenden Geschäftsverbot reichen können."

Darüber hinaus gibt es zwischen den harten (sofort messbaren) Faktoren auch weiche Faktoren, die weitaus gravierender ausfallen können: So sollten sich die Unternehmen der Finanzbranche am meisten vor einer Schädigung ihres Rufes fürchten, da der Markt in immer stärkerem Maß über den Ruf und den Kundendienst des Unternehmens definiert wird.

"Die IT-Implementierung, die die MiFID-Compliance unterstützt, hat sich zu einem immer wichtigeren Element der Abgrenzung eines Investment-Unternehmens vom Mitbewerb entwickelt. Die Firmen müssen versuchen, die Compliance-Prozesse zu automatisieren, da es andernfalls praktisch unmöglich ist, zu verhindern, dass die Kosten in eine untragbare Höhe schnellen. Insbesondere sollte der Einsatz entsprechender Technologielösungen eine wertvolle Möglichkeit bieten, um mit anderen Geschäftsprozessen überlappende Bereiche zu identifizieren und aus der augenscheinlichen Last der MiFID-Richtlinie einen größeren Geschäftsvorteil zu machen", sagte Cohen und fügte an: "Aus dem Feedback der Befragten wissen wir, dass BPM (Business Process Management)-Software aufgrund ihrer Geschichte als flexibler und anpassbares Toolkit, das auf einem veralteten ERP-System oder auf eigenentwickelten Systemen aufgesetzt werden kann, sich als beliebte Option für die Compliance-Initiativen mit mehr Pioniergeist erweist."

Ein weiterer Grund für den Einsatz von BPM-Lösungen sei die Tatsache, dass die neue Generation von BPM-Lösungen an dynamische Einzelaufgaben sowie an laufende, vorhersehbare Prozesse angepasst werden könne.

Untersuchungen der britischen Financial Services Authority haben zudem ergeben, dass rund 90 Prozent der MiFID-Compliance-Aufwände für einmalige Aktivitäten verwendet werden müssen und nur 10 Prozent des Aufwands (und der Kosten) in laufende Compliance-Ergebnisse fließen. Es sei daher sehr wichtig, dass die von einem Unternehmen gewählte Technologie flexibel an einmalige MiFID-Anforderungen angepasst werden könne, aber auch langfristige Vorteile ermögliche.

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(HandySoft: ra)