- Anzeigen -

Sie sind hier: Home » Recht » EU & Europa » Europäische Kommission

Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben im Fokus


Gleichstellungsindex 2019: Mitgliedstaaten sind noch weit vom Ziel entfernt, Deutschland auf Platz zwölf
Der Index für die Gleichstellung der Geschlechter misst die Gleichstellung der Geschlechter in den EU-Mitgliedstaaten und macht Bereiche sichtbar, die verbessert werden müssen


- Anzeigen -





Die Gleichstellung der Geschlechter kommt in den Mitgliedstaaten nur im Schneckentempo voran. Mit 66,9 von 100 Punkten belegt Deutschland im EU-Gleichstellungsindex den 12. Platz. Der europaweite Wert für die Gleichstellung der Geschlechter liegt bei 67,4 und hat sich seit 2017 nur um einen Punkt erhöht. Der veröffentlichte Gleichstellungsindex des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE) zeigt, dass trotz der Errungenschaften der letzten Jahrzehnte und der Maßnahmen der Kommission die Fortschritte bei effektiver Gleichstellung nur sehr langsam vorankommen.

Spitzenreiter innerhalb der EU ist mit 83,6 Punkten Schweden. An zweiter Stelle steht Dänemark mit 77,5 Punkten. Griechenland und Ungarn haben den größten Aufholbedarf: Beide Länder liegen unter 52 Punkten. Mit einem Plus von 3,9 Punkten hat Portugal den größten Sprung gemacht, dicht gefolgt von Estland, das sich um 3,1 Punkte verbessern konnte.

Deutschland schneidet im Bereich Bildung schlecht ab. Hier liegt der Wert bei 53,7 und belegt damit Platz 24 in der EU. Im Gegensatz zu den meisten Mitgliedstaaten ist der Anteil der weiblichen Hochschulabsolventen niedriger als der Anteil der männlichen Hochschulabsolventen (20 Prozent gegenüber 28 Prozent). Die ungleiche Konzentration von Frauen und Männern in verschiedenen Studiengängen im Hochschulbereich stellt für Deutschland nach wie vor eine Herausforderung dar. Etwa 41 Prozent der weiblichen Studierenden gegenüber 17 Prozent der männlichen Studierenden belegen ein Studienfach im Bereich Bildung, Gesundheit und Soziales oder Geisteswissenschaften und Kunst. Im Bereich Einkommen besteht das Geschlechtergefälle trotz der Zunahme des mittleren Monatseinkommens von 2006 bis 2014 sowohl bei Frauen (+ 13 Prozent) als auch bei Männern (+ 12 Prozent) weiter. Frauen verdienen 22 Prozent weniger als Männer. Bei Paaren mit Kindern verdienen Frauen 48 Prozent weniger als Männer (38 Prozent weniger für Frauen bei Paaren ohne Kinder).

Věra Jourová, EU-Kommissar für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung, erklärte: „Geschlechterungleichheit hindert Europa an der Entfaltung seines vollen Potenzials. Ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben. Allerdings müssen unsere Maßnahmen jetzt etwas an der Basis bewegen. Die Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, die dieses Jahr angenommen wurde, wird die Karten unter Männern und Frauen in Europa neu verteilen. Die Regelungen fördern eine ausgewogenere Aufteilung von Pflegeaufgaben, sodass Frauen berufstätig bleiben und anspruchsvolle Rollen oder Führungspositionen ausüben können.“

Virginija Langbakk, Direktorin des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE), fügte hinzu: „Wir bewegen uns in die richtige Richtung, sind aber immer noch weit vom Ziel entfernt. Unser Index ist ein Instrument zur Messung der Gleichstellung der Geschlechter in der EU und er zeigt, dass fast die Hälfte aller Mitgliedstaaten unter die 60-Punkte-Marke fällt. Im Zuge der Bestrebungen des neuen EU-Parlaments und der Kommission, die Prioritäten der EU für den nächsten Strategierahmen aufzustellen und zu erneuern, ist es unerlässlich, dass die Geschlechtergleichstellung Fahrt aufnimmt.“

Der Index für die Gleichstellung der Geschlechter misst die Gleichstellung der Geschlechter in den EU-Mitgliedstaaten und macht Bereiche sichtbar, die verbessert werden müssen. Er analysiert sechs Kernbereiche: Arbeit, Einkommen, Bildung, Zeit, Macht und Gesundheit - und zwei weitere Bereiche: Gewalt gegen Frauen und sich überschneidende Ungleichheiten. Der diesjährige Index enthält einen besonderen Fokus auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und ihren Zusammenhang mit der Geschlechtergleichstellung.
Besonderes Augenmerk des diesjährigen Index liegt auf der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und deren Relation zur Geschlechtergleichstellung. Elternurlaub ist eine der wichtigsten politischen Maßnahmen zur Unterstützung von Eltern, die Betreuungsaufgaben mit ihrer Arbeit in Einklang bringen müssen. Jedoch können nicht alle davon Gebrauch machen. 28 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer in der EU haben keinen Anspruch auf Elternurlaub.

Der Zugang zu bezahlbarer und hochwertiger Kinderbetreuung ist ein wichtiger Faktor für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, wobei nicht nur Kinder betreut werden müssen. In der EU gibt es immer mehr ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen, sodass der Bedarf an Langzeitpflegedienstleistungen für diese Personengruppen steigt. Den Löwenanteil an informeller Langzeitbetreuung übernehmen in der EU Frauen im Vorruhestandsalter. Vor allem in der Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen ist der Unterschied deutlich: 21 Prozent der Frauen und 11 Prozent der Männer kümmern sich mindestens mehrere Tage pro Woche um ältere Menschen und/oder um Menschen mit Behinderungen. (Europäische Kommission: ra)

eingetragen: 13.11.19
Newsletterlauf: 13.12.19

- Anzeigen -




Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Europäische Kommission

  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen

    Im Rahmen einer Initiative, mit der gewährleistet werden soll, dass die EU-Wettbewerbsvorschriften Tarifverhandlungen der Solo-Selbstständigen nicht entgegenstehen, hat die Europäische Kommission heute eine öffentliche Konsultation eingeleitet, um Meinungen und Informationen von Bürgern, Unternehmen, Sozialpartnern, Hochschulen, staatlichen Stellen und sonstigen Interessenträgern einzuholen. Sowohl in der digitalen Wirtschaft als auch in anderen Bereichen gibt es Solo-Selbstständige, denen es gegenüber bestimmten Unternehmen/Einkäufern von Arbeitsleistung an Verhandlungsmacht fehlt, sodass sie nur wenig Einfluss auf ihre Entlohnung und ihre Arbeitsbedingungen nehmen können. Tarifverhandlungen können in diesem Zusammenhang ein wirksames Instrument darstellen, um bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen.

  • Vereinbarkeit mit den EU-Beihilfevorschriften

    Die Europäische Kommission hat eine eingehende Untersuchung eingeleitet, um zu prüfen, ob die von Deutschland geplanten Entschädigungszahlungen von insgesamt 4,35 Mrd. Euro für die vorzeitige Stilllegung von Braunkohlekraftwerken von RWE und LEAG mit den EU-Beihilfevorschriften im Einklang stehen. Der schrittweise Ausstieg aus der Braunkohleverstromung trage zum europäischen Grünen Deal bei. Der Ausgleich für den vorzeitigen Ausstieg müsse aber auf das erforderliche Mindestmaß beschränkt werden, sagte die für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsidentin Margrethe Vestager. "Die uns bisher zur Verfügung stehenden Informationen erlauben es uns nicht, dies mit Sicherheit zu bestätigen. Daher leiten wir dieses Prüfverfahren ein." Nach dem deutschen Kohleausstiegsgesetz soll die Verstromung von Kohle in Deutschland bis Ende des Jahres 2038 auf null reduziert werden. Deutschland hat beschlossen, mit den Hauptbetreibern von Braunkohlekraftwerken, RWE und LEAG, Vereinbarungen zu schließen, um die vorzeitige Stilllegung von Braunkohlekraftwerken zu fördern.

  • Wettbewerb muss fair und nicht unfair sein

    Bei der Internationalen Kartellkonferenz des Bundeskartellamts hat die für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Margrethe Vestager, die besondere Verantwortung der Kartellwächter in der Coronavirus-Pandemie hervorgehoben. Die Bürgerinnen und Bürger erwarteten, dass Unternehmen, auch Wettbewerber, in solchen Zeiten zusammenarbeiten können, um wichtige Güter wie Arzneien und Impfstoffe rasch liefern zu können. Dazu habe die Kommission Orientierungshilfen angeboten. "Gleichzeitig müssen wir für alle Pharmaunternehmen, die sich an die Regeln halten, sicherstellen, dass der Wettbewerb fair ist und nicht unfair."

  • Vorschlag zur Lohntransparenz

    Die EU-Kommission will sicherstellen, dass Frauen und Männer in der EU gleiches Entgelt bei gleicher Arbeit erhalten. Mit einem vorgelegten Vorschlag sollen Arbeitgeber künftig zu mehr Lohntransparenz verpflichtet und der Zugang zur Justiz für Opfer von Lohndiskriminierung verbessert werden. "Gleiche Arbeit verdient gleiches Entgelt. Und für gleiches Entgelt braucht man Transparenz. Arbeitnehmerinnen müssen wissen, ob ihre Arbeitgeber sie fair behandeln. Sollte dies nicht der Fall sein, dann müssen sie sich zur Wehr setzen können und das bekommen, was ihnen zusteht", so Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Der Vorschlag zur Lohntransparenz stellt eine politische Priorität von Kommissionspräsidentin von der Leyen dar und enthält Maßnahmen zur Lohntransparenz, darunter Angaben zum Entgelt für Arbeitsuchende, das Recht auf Informationen über das Einkommen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die gleiche Arbeit verrichten, sowie Berichterstattungspflichten im Hinblick auf geschlechtsspezifisches Lohngefälle für große Unternehmen.

  • Verbesserung der Konnektivität

    Die Europäische Kommission hat nach den EU-Beihilfevorschriften eine deutsche Regelung in Höhe von 70 Mio. Euro genehmigt, mit der der Ausbau leistungsfähiger Mobilfunknetze in unversorgten Gebieten des Bundeslandes Niedersachsen gefördert wird. Damit sollen 4G-Dienste oder höhere Mobilfunkkapazitäten in Gebiete kommen, in denen derzeit keine oder nur 2G-Mobilfunkkapazitäten vorhanden sind und in denen innerhalb der nächsten drei Jahre voraussichtlich kein privates Unternehmen investieren wird. Im Rahmen der Regelung erhalten öffentliche Einrichtungen, Mobilfunknetzbetreiber sowie spezialisierte Bauunternehmen direkte Zuschüssen für den Aufbau und/oder Betrieb der Mobilfunkinfrastruktur.