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Robusteres und flexibleres Internet


Digitale Agenda: Langfristige Lösung des Problems der Datenstaus im Internet
Preisgekröntes, von der EU finanziertes Projekt könnte leistungsfähigere Breitbandverbindungen bringen


(10.11.11) - Ein von der EU finanziertes Projekt hat für seine langfristige Lösung des Problems der Datenstaus im Internet auf der "Future Internet Week" in Posen (Polen) einen Preis erhalten. Das Projekt Trilogy erhielt den Preis für seinen herausragenden Beitrag zur Internetarchitektur und zu Internetprotokollen, der den Europäern schnellere und zuverlässigere Breitbandverbindungen bringen könnte.

Das nach drei Jahren im März 2011 abgeschlossene 9,2-Millionen-Euro-Projekt hat Verfahren zur Steuerung des Datenverkehrs hervorgebracht, mit denen Staus an Netzengpässen minimiert werden. Dadurch erhalten die Internetnutzer hochwertigere Verbindungen. An dem Projekt, zu dem die EU 5,9 Millionen Euro aus IKT-Forschungsgeldern beigesteuert hat, waren Forscher und Unternehmen aus Belgien, Deutschland, Finnland, Griechenland, Großbritannien, Spanien und den USA beteiligt.

Zu den von Trilogy entwickelten Verfahren zählt ein Protokoll für die Mehrwegeübertragung (MCTCP – Multi-Path Transmission Control Protocol), eine Erweiterung des Internetstandards TCP, wodurch Daten zwischen zwei Knoten im Netz gleichzeitig über mehrere Netzpfade geschickt werden können. Auch ein Algorithmus für die Mehrwege-Leitung, um Multihoming an Netzendknoten zu nutzen, sowie eine "Stauanzeige" (Congestion exposure) – Erweiterungen des Internetprotokolls (IP) zur Überwachung von Staus im Internet – sind wichtige Neuerungen. In Kombination werden diese Verfahren ein robusteres, flexibleres und kostengünstigeres Internet ermöglichen.

Mit dem Preis werden – im Lichte des stets zunehmenden Verkehrs durch neue Anwendungen und Videoübertragungen, die die Breitbandnetze überlasten – die europäischen Forschungsanstrengungen zur Entwicklung des Internets der Zukunft anerkannt.

Die Ergebnisse des Trilogy-Projekts werden von der IKT-Industrie bereits aufgegriffen und in quelloffene und andere kommerziell verfügbare Betriebssysteme integriert, um sicherzustellen, dass Internetverbindungen für alle Nutzer robuster und flexibler werden.

Die Verwendung von Mitteln des 7. Rahmenprogramms für Forschung und Entwicklung (7. RP) zur Förderung innovativer IKT-Lösungen für Bürgerinnen und Bürger sowie EU-Unternehmen ist eine Priorität der Digitalen Agenda für Europa.

Hintergrund
Der Internetverkehr hat bisher ungesehene Dimensionen erreicht. Allein auf YouTube werden täglich drei Milliarden Kurzfilme angeschaut und jede Minute Videos mit einer Gesamtlänge von zwei Tagen hochgeladen. Durch die große Nachfrage ist weniger Bandbreite verfügbar – zeitweise wird selbst die Leistungsfähigkeit der Internet-Architektur insgesamt infrage gestellt.

Das Trilogy-Projekt hat drei neue Architekturbausteine entwickelt, die bei der Bewältigung von Internet-Verkehrsstaus helfen.

Das Multi-Path Transmission Control Protocol (MPTCP) überträgt Daten zwischen zwei Netzknoten über mehrere Pfade gleichzeitig, um sowohl die Kapazität als auch die Zuverlässigkeit mehrerer Netzpfade zu nutzen und an Endpunkten – zum Beispiel einem Mobilgerät mit mehreren drahtlosen Schnittstellen – Multihoming einzurichten. Eine quelloffene Version dieses Protokolls wird im Betriebssystem Linux verwendet. Sie wurde getestet und auf Android-Geräte sowie Geräte von Nokia portiert. Außerdem implementiert das IKT-Unternehmen Oracle das MPTCP in seinem Betriebssystem Solaris.

Multipath routing: Trilogy hat einen Algorithmus für die Mehrwegleitung entwickelt. Dies bedeutet, dass Internet-Router mehrere Pfade zu einem bestimmten Ziel auswählen können – nach derzeitigen Verfahren ist nur ein einziger Weg möglich. Der Datenverkehr wird also über mehrere Pfade geleitet, wodurch die Netzverbindungen den Ausfall oder die Überlastung eines Pfades besser verkraften und das Netz insgesamt besser genutzt wird.

Congestion Exposure (Conex) ermöglicht es IP-Geräten, feinkörnige Informationen über Staus im Netz zu überwachen und einander mitzuteilen. Bisher war dies nur den Netzendpunkten möglich. Jetzt kann ein Nutzer oder ein Netz für seine Auswirkungen auf andere Nutzer verantwortlich gemacht werden. Außerdem regt dies zu Investitionen in den Kapazitätsausbau an. (Europäische Kommission: ra)

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Meldungen: Europäische Kommission

  • Bekämpfung von Geldwäsche

    Die Fünfte Richtlinie zur Bekämpfung von Geldwäsche nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der EU in Kraft getreten. Die neuen Vorschriften, die von der Kommission im Juli 2016 vorgeschlagen wurden, schaffen mehr Transparenz in Bezug auf die tatsächlichen Eigentümer von Unternehmen und gehen gegen die Terrorismusfinanzierung vor. Die EU- Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung, Vera Jourová, erklärte: "Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Stärkung des EU-Rechtsrahmens für die Bekämpfung von Finanzkriminalität und Terrorismusfinanzierung. Mit der Fünften Geldwäscherichtlinie werden wir Geldwäsche noch wirksamer bekämpfen können. Wir müssen alle Schlupflöcher schließen: Lücken in einem Mitgliedstaat haben Folgen für alle anderen Mitgliedstaaten. Ich fordere die Mitgliedstaaten daher auf, ihren Verpflichtungen nachzukommen und ihre nationalen Vorschriften so bald wie möglich entsprechend zu überarbeiten."

  • Mobilität nicht personenbezogener Daten

    Mit der Verordnung über den freien Verkehr nicht personenbezogener Daten haben das Europäische Parlament, der Rat und die Europäische Kommission eine politische Einigung über einen neuen Grundsatz erzielt, mit dem Datenlokalisierunganforderungen aufgehoben werden und gleichzeitig dafür gesorgt wird, dass die zuständigen Behörden für ordnungspolitische Kontrollzwecke Zugang zu Daten haben. Die Verordnung gilt nur für nicht personenbezogene Daten. Dabei handelt es sich um Daten, die sich nicht auf eine bestimmte oder bestimmbare Person beziehen, wie etwa anonymisierte und zwischen Maschinen ausgetauschte Daten.

  • Steuerlücken im EU-Mehrwertsteuersystem schließen

    Die Europäische Kommission begrüßt, dass die EU-Mitgliedstaaten in der Frage der neuen Instrumente zur Schließung von Steuerlücken im EU-Mehrwertsteuersystem eine politische Einigung erzielt haben. Diese Lücken können zu umfangreichem Mehrwertsteuerbetrug führen, der die nationalen Haushalte der EU-Mitgliedstaaten jedes Jahr 50 Mrd. EUR kostet. Die neuen Maßnahmen, die von der Kommission im November 2017 vorgeschlagen worden sind, sollen das Vertrauen zwischen den Mitgliedstaaten stärken, damit diese mehr Informationen austauschen können, und die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Steuerbehörden und den Strafverfolgungsbehörden fördern. Nach ihrem Inkrafttreten können Mitgliedstaaten mehr sachdienliche Informationen austauschen und im Kampf gegen kriminelle Organisationen, einschließlich Terroristen, enger zusammenarbeiten.

  • Europäischer Datenraum für alle Arten von Daten

    Das Europäische Parlament, der Rat und die Europäische Kommission haben eine politische Einigung über neue Vorschriften erzielt, die die Speicherung und Verarbeitung von Daten überall in der EU ohne ungerechtfertigte Einschränkungen ermöglichen werden. Außerdem werden die neuen Vorschriften die Schaffung einer wettbewerbsfähigen Datenwirtschaft im digitalen Binnenmarkt unterstützen. Hierzu erklärte Andrus Ansip, der für den digitalen Binnenmarkt zuständige Vizepräsident: "Datenlokalisierungsbeschränkungen sind Anzeichen für Protektionismus, der in einem Binnenmarkt fehl am Platz ist. Nach dem freien Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr haben wir mit dieser Einigung über den freien Verkehr nicht personenbezogener Daten den nächsten Schritt getan, um technologische Innovationen und neue Geschäftsmodelle voranzubringen und einen europäischen Datenraum für alle Arten von Daten zu schaffen."

  • Festlegung von Standards für Gleichstellungsstelle

    Die Europäische Kommission hat den Mitgliedstaaten eine Reihe von Maßnahmen empfohlen, mit denen gewährleistet werden soll, dass die Gleichstellungsstellen die Bürgerinnen und Bürger effektiv schützen und Diskriminierungen bekämpfen. Der Erste Vizepräsident Frans Timmermans äußerte sich folgendermaßen zu der Problematik: "Die Gewährleistung der Gleichstellung gehört zwar zu den Grundwerten der Europäischen Union, ist aber nicht selbstverständlich. Wir brauchen gute Gesetze und starke und unabhängige Gleichstellungsstellen, die unsere Grundprinzipien und -werte verteidigen, damit die Opfer von Diskriminierungen Gerechtigkeit erfahren können." Die für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung zuständige Kommissarin V?ra Jourová fügte hinzu: "Für Diskriminierung ist in der EU kein Platz. Opfer oder Zeugen von Diskriminierungen sollten wissen, an wen sie sich wenden können, und die Gleichstellungsstellen sind da, um ihnen in diesen Fällen zu helfen. Wir müssen dafür sorgen, dass die nationalen Gleichstellungsstellen unabhängig sind und über ausreichende Mittel verfügen, um ihre Aufgaben wahrnehmen zu können. Eine ihrer zentralen Aufgaben ist es, sicherzustellen, dass alle Bürger die gleichen Rechte und Chancen haben."