- Anzeigen -
Besuchen Sie auch unser Zeitschriftenportfolio im Bereich Governance, Risk, Compliance & Interne Revision

Sie sind hier: Home » Markt » Hintergrund

Wege für betriebliche Gesundheitsförderung


Stuttgarter Gespräch: "Betriebliches Gesundheitsmanagement"
Einblicke, wie betriebliche Gesundheitsförderung konkret im Unternehmen umgesetzt werden kann

(11.08.14) - Der demografische Wandel ist derzeit die größte Herausforderung für das Personalmanagement. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen und die Arbeitsfähigkeit älterer Mitarbeiter zu erhalten, müssen Unternehmen frühzeitig den Fokus auf betriebliches Gesundheitsmanagement legen. Welche Wege es für betriebliche Gesundheitsförderung gibt und welche ökonomischen Vorteile ein präventiver Ansatz haben kann, diskutierten Experten aus Theorie und Praxis beim Stuttgarter Gespräch an der FOM Hochschule.

Prof. Dr. Hans-Dieter Schat, FOM Dozent für Human Resources Management, begann die Vortragsrunde mit einer Einführung in die soziologischen Hintergründe des demografischen Wandels. Die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland sei derzeit zwischen vierzig und fünfzig Jahre alt und damit noch belastbar. In den nächsten zwanzig Jahren werde sich die Lage jedoch dramatisch verschärfen. Mit zunehmendem Alter steige auch die Zahl der psychischen Erkrankungen. "Hierbei ist jedoch weniger die Anzahl als vielmehr die Dauer der psychisch bedingten Ausfälle auffällig", so Schat. "Wenn ein Mitarbeiter in einer anspruchsvollen Position für zwei Monate krankgeschrieben ist, lohnt es sich kaum, einen neuen Mitarbeiter einzuarbeiten. In dieser Zeit müssen seine Kollegen jedoch eine doppelte Belastung schultern und haben damit auch ein höheres Risiko, physisch oder psychisch zu erkranken."

Zudem fehlten Vorbilder in den Betrieben, die zeigen, dass man auch mit zunehmendem Alter gesund, kreativ und leistungsfähig sein kann. Schat betonte, dass nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Kunden älter würden und die Unternehmen sich daher auf veränderte Zielgruppen einstellen müssten.

Prof. Dr. Gottfried Richenhagen sprach sich dafür aus, nicht jedem Trend im betrieblichen Gesundheitsmanagement hinterherzurennen. Der wissenschaftliche Leiter des KompetenzCentrums für Public Management der FOM Hochschule konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die statistische Auswertung und setzte auf ein evidenzbasiertes Managementmodell. Dennoch fehle trotz zahlreicher ausgewerteter Daten noch immer eine erweiterte Kosten-Nutzen-Analyse. Dass man die Gesundheit der Arbeitnehmer auch jenseits der Fünfzig noch verbessern könne, sei jedoch inzwischen zweifelsfrei nachgewiesen. "Viele Unternehmen konzentrieren sich nur auf die krankmachenden Faktoren anstatt auf die Gesundmacher", kritisierte der Experte.

Einblicke, wie betriebliche Gesundheitsförderung konkret im Unternehmen umgesetzt werden kann, lieferte Winfried Schult von der Daimler AG. Der Bereich Health & Safety des Automobilkonzerns gilt als vorbildlich und vereint die Arbeitsgebiete Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz, Ergonomie, Integrationsmanagement, Sozialberatung und die Betriebliche Gesundheitsförderung in enger Zusammenarbeit mit der Daimler Betriebskrankenkasse und dem betriebsnahen Sportverein SG Stern Deutschland e.V. Das Klima in der Unternehmenswelt habe sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Verstärkt stehe nun eine ausgewogene Life-Balance im Vordergrund. "Führungskräfte sind in diesem Zusammenhang die Schlüsselfiguren, um gesundheitliche Maßnahmen umzusetzen. Sie nehmen in unserem Unternehmen auch im Thema Gesundheit für sich selbst und für ihre Mitarbeiter eine Vorbildfunktion ein", so Schult.

Bettina Braun von der Deutschen MTM-Vereinigung e.V. stellte einen ganzheitlichen Ansatz des Gesundheitsmanagements vor. Mit Hilfe der MTM-Prozesssprache könnten Arbeitsabläufe in Unternehmen hinsichtlich physischer Belastungen analysiert, bewertet und gezielt Konzepte zur Minimierung des Risikos entwickelt werden. Geeignete Maßnahmen seien z. B. die analytische Personaleinsatzplanung, das Umgestalten der Arbeitsplätze, der Einsatz ergonomischer Hilfsmittel und entsprechende Trainings für Mitarbeiter und Führungskräfte.

Bettina Braun stellte dar, welche ökonomischen Verluste durch Arbeitsausfälle entstehen, und wies dabei auf zwei wesentliche Ursachen hin: körperliche Beschwerden durch falsche Bewegungsabläufe und psychische Beschwerden, die in vielen Fällen dem als negativ empfundenen Verhalten der Führungskräfte geschuldet seien. "Führung findet auf allen Ebenen statt. Wenn wir die Prozesse innerhalb der Unternehmen verbessern und für einen respektvollen Umgang miteinander sorgen, können wir eine Umsatzsteigerung von bis zu 27 Prozent erreichen", so die Expertin.

Ein Beispiel für die wachsende psychische Belastung gab Sabrina Brenner vom Jobcenter in Rastatt. Die Aufgaben der Mitarbeiter gingen dort mittlerweile weit über die Arbeitsvermittlung hinaus in Richtung Sozialarbeit. Dazu komme ein hoher politischer und öffentlicher Druck. Brenner setzt sich intern für präventive und akute Maßnahmen ein. "Neben unseren Sportprogrammen konzentrieren wir uns auf eine weiterführende Qualifizierung der Mitarbeiter, um sie auf Konfliktsituationen mit Arbeitssuchenden vorzubereiten." Zudem sei in Rastatt mit der "Mitarbeiterberatung" ein Pilotprojekt angelaufen. Externe Psychologen bieten schnelle und kompetente Hilfe, ohne dass die Kollegen davon etwas mitbekommen. "Wir hatten zuerst eine interne Beratungsstelle eingerichtet, die jedoch kaum genutzt wurde. Wir gehen davon aus, dass das externe Angebot besser angenommen wird", so Brenner.

Einigkeit herrscht unter allen Referenten, wenn es um die Langfristigkeit der Ziele im betrieblichen Gesundheitsmanagement geht. "Kurzfristige Maßnahmen helfen nicht weiter", fasste Prof. Dr. Schat zusammen. "Häufig sieht man erst nach über zwei Jahren die ersten Erfolge. Umso wichtiger ist es, das betriebliche Gesundheitsmanagement nicht nebenher laufen zu lassen, sondern es als wichtige Säule im Personalwesen zu verankern."

Die gemeinnützige FOM Hochschule gehört zur Stiftung BildungsCentrum der Wirtschaft (BCW) in Essen. Aktuell zählt die Hochschule in Stuttgart und weiteren 30 Städten in Deutschland über 26.000 Studierende. Das Besondere: Sie absolvieren die staatlich anerkannten und akkreditierten Bachelor- und Masterstudiengänge berufsbegleitend parallel zu Job oder Ausbildung. (FOM Hochschule: ra)

FOM Hochschule: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -




Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Markt / Hintergrund

  • Anpassung der Plattformregulierung

    Vor der Entscheidung der Rundfunkkommission der Länder zum Medienstaatsvertrag bekräftigten ANGA, Bitkom, eco sowie ZVEI ihre Kritik an den geplanten Vorgaben, die aus Sicht der Verbände die Interessen von Medienplattformen und Nutzern nicht hinreichend berücksichtigen. Die Bedenken der Verbände betreffen insbesondere die derzeit vorgesehene restriktive Umsetzung der EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AVMD-RL) im Medienstaatsvertrag. Danach sollen Überblendungen und Skalierungen unter dem Erlaubnisvorbehalt der TV-Sender stehen und nur noch im Einzelfall durch den Nutzer veranlasst werden können. Funktionen wie Bild-in-Bild oder Split-Screen, bei denen der Nutzer zwei Programme gleichzeitig ansehen kann, wären nach dem jetzigen Wortlaut nicht mehr ohne Erlaubnis der beteiligten Sender zulässig.

  • Bekämpfung der Unternehmenskriminalität

    Mit dem "Gesetz zur Bekämpfung der Unternehmenskriminalität" will die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, Christine Lambrecht, schärfere und vor allem höhere Strafen für Unternehmen in Deutschland einführen. Dem haben heute führende Rechtswissenschaftler den Münchner Entwurf eines Verbandssanktionengesetzes entgegengestellt. Die Initiative sieht einen besseren Weg zur Sanktionierung von Unternehmen bei strafrechtlich relevanten Verstößen der Führungskräfte vor. Kern des vom Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Rechtsphilosophie von Prof. Dr. Frank Saliger an der Ludwig-Maximilians-Universität gemeinsam mit der Kanzlei Tsambikakis & Partner ausgearbeiteten und vom Verband "Die Familienunternehmer" unterstützten Münchner Entwurfs ist eine angemessenes Recht zur Sanktionierung von Verbänden mit am Prinzip der Verhältnismäßigkeit orientierten Geldbußen. Strafverfolgungsbehörden sollen zur Ermittlung von Rechtsverstößen gestärkt und interne Untersuchungen klar geregelt werden. Kleine Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten oder 10 Millionen Euro Jahresumsatz sollen ausgenommen werden.

  • Geht Compliance verloren?

    Wenn große Unternehmen Probleme haben, ihre Kreditkartenabwicklungssysteme sicher zu halten, ist dann potenziell jedes Unternehmen in Gefahr? Nicht unbedingt, aber der Fall macht deutlich, dass Unternehmen die Sicherheit ihrer Kartenzahlungsvorgänge sehr ernst nehmen sollten. Wir werfen einen Blick darauf, was sich aus diesen Angriffen lernen lässt. Die Angriffe bedienen sich einer gängigen Methode nämlich Cross-Site-Scripting (XXS). Bei XXS-Angriffen werden schädliche Befehle geschrieben, die dazu dienen dynamische Inhalte auf Websites auszunutzen. Im Falle der Angriffe auf Ticketmaster und BA wird vermutet, dass die Hacker Code von Fremd-Services manipuliert haben, der auf beiden der betroffenen Websites lief. Während der Verarbeitung der Kartenzahlung konnten die Hacker dann die Kundendaten abfangen. Es wird berichtet, dass das selbe Skript, das bei den Ticketmaster- und BA-Angriffen verwendet wurde, jetzt online über infizierte Anwendungen verteilt wird, wie z. B. der Code, der einstmals vom Push-Benachrichtigungsdienst Feedify verteilt wurde. Da einige Arten von XXS-Angriffen nur geringfügige Codeänderungen enthalten, sind sie zum Teil nur sehr schwer zu erkennen.

  • Verlängerung der Mietpreisbremse

    Mit dem Inkrafttreten der neuen Mieterschutzverordnung gilt die Mietpreisbremse in Bayern in 162 Städten und Gemeinden. Für Justizminister Eisenreich ist das noch nicht genug: "Jetzt muss bei der Mietpreisbremse auf Bundesebene nachgebessert werden. Unsere Ziele: Eine Begrenzung des Mietanstiegs und ein fairer Interessenausgleich zwischen Mieter und Vermieter. Gleichzeitig muss sichergestellt sein, dass Investitionen in den Wohnungsbau attraktiv bleiben."

  • Versicherungsbranche & Digitale Sprachassistenten

    Für den Abschluss einer Unfallversicherung ist es in der Regel zu spät, wenn es einem erst oben auf der Skipiste einfällt. Das Versäumnis vor dem Urlaub ließe sich durch den Einsatz digitaler Sprachassistenten lösen: "Hey Siri, ich will für heute eine Unfallversicherung buchen." Eine solche situative Vereinbarung mithilfe von Siri, Cortana, Alexa und Co. bedingt eine vollständig integrierte digitale Antragsstrecke. Aktuell liefern die meisten Skills allerdings nur Informationen - beispielsweise zum Wetter oder Pollenflug - sowie Unterhaltung und Spiele. Diverse Branchen, darunter Versicherungen, beginnen jedoch mit diesen digitalen Möglichkeiten zu experimentieren. "In Zukunft wird der digitale Vertragsabschluss immer wichtiger, etwa um jüngere Menschen zu erreichen und Prozesse zu beschleunigen", erläutert Matthias Stauch, Experte für smarte Lösungen und Vorstand der Intervista AG.