Siemens: Aufsichtsratsmitglieder neu gewählt


Siemens: Gerhard Cromme mit vergleichsweise schwachem Ergebnis als Aufsichtsratsvorsitzender wiedergewählt
Auf der Siemens-Hauptversammlung hatte Finanzchef Joe Kaeser erstmals die vermutlichen Korruptions- und Schmiergeldzahlungen in der Höhe von 1,3 Milliarden Euro entschlüsselt


(28.01.08) - Die ordentliche Hauptversammlung der Siemens AG hat am letzten Donnerstag zehn Mitglieder der Kapitalseite in den Aufsichtsrat (AR) gewählt. Sie folgte damit dem Vorschlag in der zuvor veröffentlichten Tagesordnung.

In der Aufsichtsratssitzung direkt im Anschluss an die Hauptversammlung wurde Gerhard Cromme als Vorsitzender des Gremiums wiedergewählt. Er erhielt aber das schlechteste Ergebnis aller gewählten Aufsichtsratsmitglieder [24 KB] . Im Vorfeld wurde Cromme mehrfach nahegelegt, im Sinne eines umfassenden Neuanfangs sein Amt niederzulegen. Besonders die mangelhafte Informationspolitik des Konzerns wurde ihm negativ angerechnet. Gerhard Cromme ist seit dem 23. Januar 2003 Mitglied im Aufsichtsrat und führt dessen Vorsitz seit dem 25. April 2007.

Die jetzt gewählten Mitglieder des insgesamt zwanzigköpfigen Aufsichtsrats sind:
>> Josef Ackermann, Frankfurt am Main, Vorsitzender des Vorstands der Deutsche Bank AG
>> Jean-Louis Beffa, Paris, Frankreich, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Compagnie de Saint-Gobain S.A.
>> Gerd von Brandenstein, Berlin, Diplom-Volkswirt
>> Gerhard Cromme, Düsseldorf, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Siemens AG und der ThyssenKrupp AG
>> Michael Diekmann, München, Vorstandsvorsitzender der Allianz SE
>> Hans Michael Gaul, Düsseldorf, Aufsichtsratsmitglied
>> Peter Gruss, München, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
>> Nicola Leibinger-Kammüller, Gerlingen, Geschäftsführende Gesellschafterin und Vorsitzende der Geschäftsführung der Trumpf GmbH + Co. KG
>> Håkan Samuelsson, München, Vorsitzender des Vorstands der MAN AG
>> Lord Iain Vallance of Tummel, Kent, Großbritannien, Chairman, Amsphere Ltd.

Der Aufsichtsrat setzt sich nach den §§ 96 Abs. 1 und 101 Abs. 1 des Aktiengesetzes und nach § 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 des Gesetzes über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer zusammen.
Bereits Ende September 2007 wurden folgende Mitglieder mit Wirkung ab Beendigung der Hauptversammlung am 24. Januar 2008 als Vertreter der Arbeitnehmerseite nach den Bestimmungen des Mitbestimmungsgesetzes in den neuen Aufsichtsrat gewählt:

>> Lothar Adler, Stellvertretender Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Siemens AG
>> Bettina Haller, Mitglied des Gesamtbetriebsrats der Siemens AG
>> Heinz Hawreliuk, Mitglied der IG Metall
>> Berthold Huber, 1. Vorsitzender der IG Metall
>> Ralf Heckmann, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Siemens AG
>> Harald Kern, Mitglied des Gesamtbetriebsrats der Siemens AG
>> Werner Mönius, Siemens Europe Committee
>> Dieter Scheitor, Mitglied der IG Metall
>> Dr. Rainer Sieg, Vorsitzender des Gesamtsprecherausschusses der Siemens AG
>> Birgit Steinborn, Mitglied des Gesamtbetriebsrats der Siemens AG

Auf der Siemens-Hauptversammlung hatte Finanzchef Joe Kaeser erstmals die vermutlichen Korruptions- und Schmiergeldzahlungen in der Höhe von 1,3 Milliarden Euro entschlüsselt.
Danach sollen im Bereich
>> Kommunikation: 449 Mio Euro
>> Kraftwerke: 301 Mio Euro
>> Zug: 88 Mio Euro
>> Energieübertragung: 80 Mio Euro
>> Medizintechnik: 44 Mio Euro
>> Industriedienstleistungen: 24 Euro
enttarnt worden sein. In den Siemens-Auslandsgesellschaften wurden insgesamt 258 Mio Euro entdeckt, 50 Mio Euro sollen dabei allein innerhalb der österreichischen Siemens-Landesgesellschaft angefallen sein.

Wegen der Korruptions- und Schmiergeldaffäre war die Entlastung aller Vorstände – mit Ausnahme von Peter Löscher - verschoben worden. Der Siemens-Aufsichtsrat dagegen wurde entlastet, Ausnahme hier: Heinrich von Pierer, der nach wie vor standhaft keine Verantwortung für die Vorfälle während seiner Amtszeit übernehmen will. Seine Entlastung wurde ebenfalls verschoben.

Mit der Entdeckung von Schmiergeldern in der Medizinsparte könnte es allerdings wider Erwarten für den Siemens-Vorstand Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. Dr. med. h.c. Erich R. Reinhardt ungemütlich werden. Auch die Verschiebung der Entlastung von Finanz-Vorstand Joe Kaeser hatten Beobachter als schlechtes Zeichen gewertet.

Sollte es zu einem "fairen" Vergleich mit der US-Börsenaufsicht SEC und dem amerikanischen Justizministerium kommen, ist Siemens für die nachfolgenden Jahre nicht völlig aus dem Schneider: Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" müsste der Konzern eine Bewährungszeit von fünf Jahren akzeptieren. In dieser Zeit darf sich der Konzern nichts zu Schulden kommen lassen. (Siemens: ra)


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