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Rückzug der BayernLB bei Wirecard bereits 2018


BayernLB bei Wirecard: Mit dem kleinsten Anteil von zunächst 45 und schließlich 60 Millionen Euro sei man Teil eines Konsortiums international renommierter Banken gewesen
Man sei allerdings trotz der negativen Presse gegenüber Wirecard jahrelang nicht davon ausgegangen, dass in dem Unternehmen kriminelle Energien am Werk seien

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In seiner zweiten öffentlichen Sitzung befragte der 3. Untersuchungsausschuss ("Wirecard") unter Vorsitz von Kay Gottschalk (AfD) Vertreter der Banken, die dem insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard im Rahmen eines Konsortialkredits Geld geliehen hatten. Als Zeuge berichtete unter anderem Marcus Kramer, Mitglied des Vorstands der BayernLB, wie er und sein Haus zwischen 2016 und 2018 zu der Überzeugung gelangten, sich nach zwei Jahren aus dem kreditgebenden Konsortium zurückzuziehen.

Man sei zunächst froh gewesen, ein schnell wachsendes Unternehmen in einem wachsenden Markt zu unterstützen. Wirecard habe sich im bargeldlosen Zahlungsverkehr technologisch eine Nische erarbeitet. Wenn man sich online von zu Hause aus per Kreditkarte Schuhe kaufe, stecke hinter diesen Zahlungsflüssen vom Kunden zum Verkäufer eine Menge Technik. Wirecard habe auf diesem Gebiet etwas vorzuweisen gehabt, das damals "state of the art" gewesen sei.

Mit dem kleinsten Anteil von zunächst 45 und schließlich 60 Millionen Euro sei man Teil eines Konsortiums international renommierter Banken gewesen, sagte Kramer. Aber mit der Zeit hätten die Ungereimtheiten rund um Wirecard zugenommen, die Zweifel bei der BayernLB seien gewachsen.

2018 sei seine Bank dann nicht mehr bereit gewesen, ein Folgeengagement über 150 Millionen Euro einzugehen. Das Geschäftsmodell von Wirecard habe zu viele Fragen aufgeworfen und mit den Konditionen des neuen Vertrags sei man nicht mehr einverstanden gewesen, so der Zeuge. Bei einem Geschäftskunden, den man gerade erst einmal zwei Jahre kenne, sei das Risiko einfach zu hoch gewesen.

Man sei allerdings trotz der negativen Presse gegenüber Wirecard jahrelang nicht davon ausgegangen, dass in dem Unternehmen kriminelle Energien am Werk seien. In einem schnell wachsenden Unternehmen laufe oft am Anfang nicht alles perfekt, da gehe es zunächst um Wachstum und man ziehe die internen Strukturen dann nach.

Außerdem habe es sich um ein im Deutschen Aktienindex gelistetes Unternehmen gehandelt. "Wir sind einfach davon ausgegangen, dass es bei einem börsennotierten Unternehmen keine kriminellen Machenschaften gibt." Den von den Wirtschaftsprüfern zertifizierten Berichten habe man vertraut. "Wenn wir einen Erstbericht sehen, haben wir überhaupt keine Zweifel, dass das, was darin steht, nicht stimmt."

"Wir dachten, wir würden das Geschäftsmodell über die Zeitschiene besser verstehen." Aber es habe immer mehr Fragen und immer weniger überzeugende Antworten gegeben. "Unplausibilitäten konnten nicht geklärt werden."

Wann ihm denn erste Zweifel gekommen seien, dass die Geschäfte von Wirecard auf kriminellen Machenschaften beruhten, wollten die Ausschussmitglieder wissen.

Die Antwort des Zeugen: Als sich im Zuge der Veröffentlichung des Berichts der Wirtschaftsprüfer von KPMG der Vorstand im Juni 2020 vor der Presse als Opfer darstellt habe: "Da habe ich gedacht: An den Vorwürfen ist was dran." (Deutscher Bundestag: ra)

eingetragen: 19.01.21
Newsletterlauf: 11.03.21

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