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Zu wenig Frauen in Führungspositionen


Geschlechtergleichstellung: EU-Maßnahmen bringen stetigen Fortschritt
Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt:
Bei der Bekämpfung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles oder bei der Erhöhung der Anzahl der Frauen in Aufsichtsräten wurden konkrete Fortschritte erzielt

(09.05.14) - 2013 hat die Europäische Kommission weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Gleichstellung von Frauen und Männern ergriffen, darunter auch Maßnahmen zur Reduzierung des geschlechtsspezifischen Beschäftigungs- Lohn- und Rentengefälles, zur Bekämpfung von Gewalt und zur Förderung der Gleichstellung in Entscheidungsgremien. Die Mühe lohnt sich: Bei der Bekämpfung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles – insbesondere dank einer bedeutenden Initiative der Kommission zur Verbesserung der Lohntransparenz – oder bei der Erhöhung der Anzahl der Frauen in Aufsichtsräten wurden konkrete Fortschritte erzielt. Dies sind die hauptsächlichen Schlussfolgerungen des jährlichen Berichts der Kommission zur Geschlechtergleichstellung, der gleichzeitig mit dem Bericht über die Grundrechte veröffentlicht wurde. Es bleiben jedoch zahlreiche Herausforderungen bestehen: Bei der derzeitigen Fortschrittsgeschwindigkeit dauert es noch fast 30 Jahre, bis das EU-Ziel einer Frauenbeschäftigungsquote von 75 Prozent erreicht wird, 70 Jahre, bis gleicher Lohn Wirklichkeit wird und 20 Jahre, bis der Frauen- und Männeranteil in den nationalen Parlamenten gleich hoch ist (mindestens 40 Prozent pro Geschlecht).

"Europa setzt sich seit 1957 für die Gleichstellung der Geschlechter ein – das ist Teil der europäischen DNS. Und die Wirtschaftskrise hat unsere DNS nicht verändert", so Vizepräsidentin und EU-Justizkommissarin Viviane Reding. "Für uns Europäer ist die Geschlechtergleichstellung keine Möglichkeit unter vielen, kein Luxus – sie ist ein Muss. Wir können stolz darauf sein, was Europa in den letzten Jahren erreicht hat. Die Geschlechtergleichstellung ist kein Wunschtraum, sondern wird immer mehr zu einer europäischen Realität. Ich bin überzeugt davon, dass wir gemeinsam auch die letzten Lücken bei Lohn, Beschäftigung und Jobs in Entscheidungspositionen schließen können."

Der jährliche Geschlechtergleichstellungsbericht lässt erkennen, dass sich geschlechtsspezifische Unterschiede in den letzten Jahren deutlich verringert haben, dass jedoch die Fortschritte in den einzelnen Mitgliedstaaten unterschiedlich sind und in bestimmten Bereichen nach wie vor Unterschiede bestehen – zum Schaden der europäischen Wirtschaft.

EU-Maßnahmen bringen Fortschritte bei der Geschlechtergleichstellung
Steigerung der Beschäftigungsquote von Frauen: die Frauenbeschäftigungsquote in der EU hat sich von 58 Prozent im Jahr 2002 auf 63 Prozent erhöht. EU-Mittel haben dazu beigetragen: Im Finanzierungszeitraum 2007 bis 2013 flossen ca. 3,2 Mrd. EUR aus den Strukturfonds in Kinderbetreuungseinrichtungen und die Förderung der Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt – dadurch wurde eine bedeutende Hebelwirkung erzielt.

Verringerung des Lohngefälles, das europaweit noch immer 16,4 Prozent beträgt: Die Europäische Kommission hat ihre Bemühungen verstärkt, indem sie das Bewusstsein für das bestehende geschlechtsspezifische Lohngefälle geschärft und einen europäischen Tag der Lohngleichheit eingeführt hat sowie die Anwendung der Gleichbehandlungsgesetzgebung kontrolliert. Im März 2014 hat sie mit ihrer Empfehlung an die Mitgliedstaaten, die Lohntransparenz zu verbessern und damit das Lohngefälle zu bekämpfen, auf weitere Fortschritte gedrängt.

Durchbrechen der gläsernen Decke: Der Vorschlag der Kommission für eine Richtlinie zur Durchsetzung eines 40prozentigen Frauenanteils unter den nicht-geschäftsführenden Direktoren/Aufsichtsratsmitgliedern bis 2020 hat gute Fortschritte im Gesetzgebungsverfahren gemacht und wurde im November 2013 vom Europäischen Parlament nachdrücklich unterstützt. Seit die Kommission im Oktober 2010 mögliche gesetzliche Maßnahmen angekündigt hat, steigt der Frauenanteil in Aufsichtsräten beständig an: von 11 Prozent im Jahr 2010 auf 17,8 Prozent im Jahr 2014: Die Zuwachsrate ist damit viermal so hoch wie zwischen 2003 und 2010.

2013 hat die EU Maßnahmen zum Schutz von Frauen und Mädchen vor geschlechtsspezifischer Gewalt in Form von Rechtsvorschriften, praktischen Maßnahmen für Opferrechte und eines umfassenden Maßnahmenpakets gegen weibliche Genitalverstümmelung ergriffen. Sie hat auch vierzehn nationale Regierungskampagnen gegen geschlechtsspezifische Gewalt mit 3,7 Mio. EUR sowie von NRO durchgeführte Projekte mit 11,4 Mio. EUR kofinanziert.

Kinderbetreuung: Seit 2007 hat sich die Anzahl der in Kinderbetreuungseinrichtungen betreuten Kinder beträchtlich erhöht (von 26 Prozent im Jahr 2007 auf 30 Prozent im Jahr 2011 bei Kindern unter drei Jahren, und von 81 Prozent auf 86 Prozent bei Kindern zwischen drei Jahren und dem schulpflichtigen Alter. Die Kommission hat 2013 einen umfassenden Bericht zum Erreichen der "Barcelona-Ziele" im Bereich der Kinderbetreuung angenommen.

Welche Herausforderungen bleiben bestehen?
Obwohl 60 Prozent der Hochschulabsolventen weiblich sind, erhalten sie noch immer 16 Prozent weniger Lohn pro Stunde als Männer. Außerdem arbeiten sie häufiger Teilzeit (32 Prozent gegenüber 8,2 Prozent bei den Männern) und unterbrechen ihre Karriere häufiger, um andere zu pflegen. Das führt zu einem geschlechtsspezifischen Rentengefälle von 39 Prozent. Witwen und Alleinerziehende – hauptsächlich Mütter – sind eine besonders gefährdete Gruppe, und mehr als ein Drittel der Alleinerziehenden hat ein zu geringes Einkommen.

Obwohl sich die Frauenbeschäftigungsquote erhöht hat, liegt sie immer noch bei 63 Prozent gegenüber 75 Prozent bei den Männern. Das liegt hauptsächlich an der Wirtschaftskrise, in der sich die Beschäftigungssituation der Männer verschlechtert hat.

Die Frauen tragen immer noch die Last der unbezahlten Arbeit in Haushalt und Familie. Frauen verbringen durchschnittlich 26 Stunden pro Woche mit Pflege und Haushaltstätigkeiten, bei Männern sind es lediglich 9 Stunden.

Es gibt noch immer zu wenig Frauen in Führungspositionen. Sie stellen im Durchschnitt 17,8 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder in den größten börsennotierten Unternehmen, 2,8 Prozent der Geschäftsführer, 27 Prozent der leitenden Regierungsvertreter und 27 Prozent der nationalen Parlamentsabgeordneten.

Die Ergebnisse der ersten von der Grundrechteagentur der Europäischen Union durchgeführten EU-weiten Umfrage zu Gewalt gegen Frauen, die sich auf Interviews mit 42 000 Frauen stützt, zeigen, dass eine von drei Frauen (33 Prozent) ab einem Alter von 15 Jahren von physischer und/oder sexueller Gewalt betroffen war.

Hintergrund
Der Bericht gibt einen Überblick über die wichtigsten Maßnahmen und rechtlichen Entwicklungen der EU im Bereich der Geschlechtergleichstellung und enthält Beispiele von Strategien und Maßnahmen in den Mitgliedstaaten. Es werden auch jüngste Trends auf wissenschaftlicher Grundlage und aufgrund von Schlüsselindikatoren analysiert, die die Debatte um die Geschlechtergleichstellung prägen. Zusätzlich ist ein statistischer Anhang mit genaueren Angaben zu den Ergebnissen der Mitgliedstaaten enthalten.

Der Bericht ist um folgende fünf Prioritäten der Strategie der Europäischen Kommission für die Gleichstellung von Frauen und Männern 2010 bis 2015 strukturiert: gleiche wirtschaftliche Unabhängigkeit, gleiches Entgelt für gleiche oder gleichwertige Arbeit, Gleichstellung in Entscheidungsprozessen, Schutz der Würde und Unversehrtheit - der Gewalt aufgrund des Geschlechts ein Ende setzen, Gleichstellung in der Außenpolitik sowie horizontale Fragen. (Europäische Kommission: ra)

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Meldungen: Europäische Kommission

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    Neue Regeln werden es den Versicherern erleichtern, in langfristig in Unternehmen zu investieren, besonders in kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Die derzeitige Höhe der Eigenkapitalanforderungen (Solvency II) macht es für die Versicherer kostspielig, KMU zu finanzieren. Das gilt besonders für langfristige Eigen- und Fremdkapitalinvestitionen. Fortan müssen Versicherer dafür weniger Kapital zurücklegen. Das dürfte Investitionen des privaten Sektors für die Realwirtschaft mobilisieren - ein zentrales Ziel der Kapitalmarktunion.

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