- Anzeigen -
Besuchen Sie auch unser Zeitschriftenportfolio im Bereich Governance, Risk, Compliance & Interne Revision

Sie sind hier: Home » Recht » EU & Europa » Europäische Kommission

Rechtswidrige Verkaufspraktiken nicht erkannt


Umfrage ergibt: Verbraucher bedenklich schlecht informiert und unkundig
Viele Verbraucher laufen Gefahr, betrogen oder übers Ohr gehauen zu werden oder aggressiven Verkaufsmethoden nachzugeben

(18.04.11) - Laut einer anlässlich des europäischen Verbrauchergipfels 2011 veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage fühlen sich weniger als 50 Prozent der befragten Verbraucher in der EU in ihrer Eigenschaft als Verbraucher souverän, gut informiert und geschützt. Mündigen Verbrauchern fällt es leicht, das beste Angebot zu ermitteln, die eigenen Rechte zu kennen und im Schadensfall eine Lösung zu suchen. Unsichere Verbraucher stehen ratlos vor der zu treffenden Auswahl, kennen ihre Rechte nicht, haben mehr Probleme und wehren sich nicht, wenn etwas schief geht.

Von Verbrauchern gemeldete Schäden werden auf etwa 0,4 Prozent des BIP der EU geschätzt, wobei mehr als ein Fünftel der Verbraucher in der EU in den vergangenen zwölf Monaten mit einem Problem konfrontiert waren. Auch wenn sich viele Verbraucher bei den Einzelhändlern beschweren, unternehmen die meisten, die dort keine zufriedenstellende Antwort bekommen, keine weiteren Schritte. Viele Verbraucher haben Probleme mit alltäglichen Berechnungen, verstehen wichtige Informationen nicht, erkennen rechtswidrige Verkaufspraktiken nicht als solche oder sind nicht über ihre Rechte informiert. Die Mehrheit der Befragten kannte ihr Recht auf Rückgabe, Instandsetzung oder Ersatz eines fehlerhaften Produkts nicht.

Dazu sagte John Dalli, EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik: "Die Ergebnisse sind besorgniserregend. Viele Verbraucher laufen Gefahr, betrogen oder übers Ohr gehauen zu werden oder aggressiven Verkaufsmethoden nachzugeben, und wissen nicht, dass sie ihre Entscheidung überdenken und unnötige Käufe rückgängig machen können. Wenn Verbraucher ihre Auswahl nicht sicher treffen und Schaden vermeiden können, leiden nicht nur die Verbraucher selber, sondern auch innovative, ehrliche Anbieter, die das Wachstum voranbringen. Also: Diese Ergebnisse müssen wir berücksichtigen, wenn wir die Verbraucher in einem immer komplexeren Markt und angesichts des Überangebots an Informationen unterstützen wollen."

Die Umfrage:
Für die Umfrage wurden 2010 56.471 Verbraucher in 29 Ländern (EU27, Island und Norwegen) befragt. Ihnen wurden 70 Fragen aus drei wichtigen Bereichen der Stärkung der Handlungskompetenz von Verbrauchern gestellt: Kundigkeit; Wissen über die Rechte; Selbstbehauptung. Daten über die Fähigkeiten, das Wissen und das Selbstbewusstsein der Verbraucher sollen genutzt werden, um ausgehend vom tatsächlichen Verhalten die Strategien auf europäischer und nationaler Ebene gezielter zu gestalten und zu entwickeln.

Die wichtigsten Ergebnisse:
Die Ergebnisse zeigen, dass der Kenntnisstand und die Kompetenzen der Verbraucher sich auf einem besorgniserregend niedrigen Niveau bewegen. Es gibt jedoch ein beträchtliches Potenzial zur Stärkung der Handlungs- und Entscheidungskompetenzen der Verbraucher und damit zur Verbesserung des Wohlergehens der Verbraucher und zur Begrenzung der von Verbrauchern erlittenen Schäden. Internet und Medien spielen eine wichtige Rolle bei der Stärkung von Verbraucherkompetenz, da mehr als 38 Prozent der Verbraucher das Internet zum Warenvergleich nutzen und die Medien in der Lage sind, die Verbraucher direkt anzusprechen.

Schaden für Verbraucher und Durchsetzung der Rechte
Mehr als ein Fünftel der befragten Europäer waren mit einem Problem konfrontiert, das Anlass zur Beschwerde gab. Der den Verbrauchern entstehende Schaden liegt bei schätzungsweise 0,4 Prozent des BIP der EU. Weniger gebildete und ältere Verbraucher zeigen mehr Zurückhaltung bei der Durchsetzung ihrer Rechte, obwohl sie eine ebenso hohe Problemwahrscheinlichkeit haben wie andere Verbraucher. Die Umfrage bestätigt, wie wichtig der Zugang zu guten Durchsetzungsverfahren ist. Viele Probleme könnten gelöst werden, wenn es mehr Stellen für alternative Streitbeilegung gäbe.

Verbraucherkompetenzen
Viele Verbraucher haben schon mit einfachen Berechnungen Probleme. Nur 45 Prozent waren in der Lage, drei konsumbezogene Fragen korrekt zu beantworten. Bei den Finanzfragen konnten zwei von zehn Befragten nicht die preiswerteste Option beim Kauf eines Fernsehers mit Flachbildschirm ermitteln. Nur 58 Prozent konnten eine Liste der Inhaltsstoffe richtig lesen und 18 Prozent konnten das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht finden. Nur 2 Prozent der Verbraucher erkannten fünf gängige Informationslogos. 33 Prozent der Verbraucher meinten, das CE-Zeichen bedeute "hergestellt in Europa", während nur 25 Prozent die richtige Antwort kannten und wussten, dass das Zeichen die Übereinstimmung des Produkts mit den EU-Rechtsvorschriften symbolisiert. Viele konnten keine Verbraucherorganisation in ihrem Land nennen.

Wissen der Verbraucher über ihre Rechte
Die meisten Verbraucher kannten ihre grundlegenden Rechte nicht, wie das Recht, ein fehlerhaftes Produkt innerhalb von 18 Monaten nach dem Kauf repariert, ersetzt oder den Preis erstattet zu bekommen, das Recht, einen Online-Vertrag über Finanzdienstleistungen binnen 14 Tagen zu widerrufen, wenn sie ihre Meinung ändern oder ein besseres Angebot finden, oder auch das Recht, einen im Haustürverkauf unterzeichneten Vertrag zu widerrufen.

Hier können Sie sich selber testen und weitere Informationen und Dokumente abrufen:
http://ec.europa.eu/consumers/consumer_empowerment/index_en.htm

Siehe Eurobarometer 342
http://ec.europa.eu/public_opinion/index_en.htm

Weitere Information zum Verbraucherverhalten finden Sie hier:
http://ec.europa.eu/consumers/strategy/facts_en.htm
http://www.european-consumer-summit.eu
(Europäische Kommission: ra)

- Anzeigen -




Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Europäische Kommission

  • Anwendung der Datenschutzvorschriften

    80 Prozent der Deutschen haben von den neuen europäischen Datenschutzvorschriften gehört, aber nicht immer machen die Menschen ausreichend von ihren Rechten Gebrauch. So liest sich nur jeder zehnte Deutsche die Datenschutzerklärungen vollständig durch, EU-weit sind es 13 Prozent. Das geht aus einem veröffentlichten Eurobarometer hervor, das die Europäische Kommission anlässlich des ersten Jahres der Anwendung der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) veröffentlicht hat. Die Kommission startet ab sofort eine Sensibilisierungskampagne, mit der die Bürger ermutigt werden sollen, Datenschutzerklärungen durchzulesen und ihre Datenschutzeinstellungen so zu optimieren, dass sie nur noch solche personenbezogenen Daten mitteilen, zu deren Preisgabe sie bereit sind.

  • Herstellung eigen hergestellter Sprengstoffe

    Substanzen, die für die Eigenherstellung von Explosivstoffen verwendet werden können, werden in der EU künftig strenger kontrolliert. Der Rat hat eine Verordnung angenommen, mit der die Vermarktung und Verwendung von Ausgangsstoffen für Explosivstoffe in der gesamten EU strenger geregelt wird. Ziel ist es, die Verfügbarkeit dieser Stoffe für die Allgemeinheit einzuschränken und sicherzustellen, dass verdächtige Transaktionen entlang der Lieferkette entsprechend gemeldet werden.Mit den neuen Vorschriften wird der Zugang zu chemischen Stoffen, die für die Eigenherstellung von Explosivstoffen verwendet werden können, weiter eingeschränkt. Ziel ist es, angesichts der zunehmenden Bedrohung der öffentlichen Sicherheit durch Terrorismus und andere schwere Straftaten die illegale Herstellung von Explosivstoffen zu verhindern.

  • Bekämpfung von Desinformation

    Die EU-Kommission hat als Beitrag zum Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs eine erste Bilanz zur Bekämpfung von Desinformation rund um die Europawahl gezogen. "Wir sind davon überzeugt, dass wir die Auswirkungen von Desinformationskampagnen - auch von ausländischen Akteuren - durch unsere Anstrengungen, darunter die verstärkte Koordinierung zwischen der EU und den Mitgliedstaaten, begrenzen konnten. Es bleibt aber noch immer viel zu tun. Die Wahlen zum Europäischen Parlament waren schließlich nicht frei von Desinformation. Das dürfen wir so nicht als normal hinnehmen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Kommission und der Hohen Vertreterin für die Außen- und Sicherheitspolitik. "Böswillige Akteure ändern ständig ihre Strategien. Wir müssen stets versuchen, ihnen voraus zu sein. Die Bekämpfung von Desinformation ist eine gemeinsame, langfristige Herausforderung für die EU-Organe und die Mitgliedstaaten."

  • Eigen- und Fremdkapitalinvestitionen

    Neue Regeln werden es den Versicherern erleichtern, in langfristig in Unternehmen zu investieren, besonders in kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Die derzeitige Höhe der Eigenkapitalanforderungen (Solvency II) macht es für die Versicherer kostspielig, KMU zu finanzieren. Das gilt besonders für langfristige Eigen- und Fremdkapitalinvestitionen. Fortan müssen Versicherer dafür weniger Kapital zurücklegen. Das dürfte Investitionen des privaten Sektors für die Realwirtschaft mobilisieren - ein zentrales Ziel der Kapitalmarktunion.

  • Einheitliche Testmethodik für Lebensmittel

    Die Europäische Kommission hat die Ergebnisse einer europaweiten Untersuchung von Lebensmittelprodukten veröffentlicht. Es wurde kein Ost-West-Unterschied bei der Zusammensetzung von Markenlebensmitteln festgestellt, aber ein Drittel der getesteten Produkte, die als identisch oder ähnlich vermarktet wurden, wies eine unterschiedliche Zusammensetzung auf. Tibor Navracsics, Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport und zuständig für die Gemeinsame Forschungsstelle, erklärte: "Es gibt unter den europäischen Verbraucherinnen und Verbrauchern die Wahrnehmung, dass von ihnen erworbene Markenlebensmittel sich von einschlägigen anderswo erhältlichen Produkten unterscheiden und - möglicherweise - schlechter sind. Die Kommission hat ihren wissenschaftlichen Dienst beauftragt, zu der objektiven Bewertung, wie verbreitet solche Unterschiede im Binnenmarkt sind, beizutragen. Die Bilanz fällt gemischt aus: Zwar ist zu begrüßen, dass sich hinsichtlich der Zusammensetzung von Markenlebensmitteln keine Anzeichen für eine Kluft zwischen Ost und West feststellen ließen, doch erfüllt es mich mit Sorge, dass knapp ein Drittel der geprüften Produkte eine unterschiedliche Zusammensetzung aufwies, aber als identisch oder ähnlich vermarktet wurde."