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Handelspolitische Schutzinstrumente in der EU


Überschwemmung der Märkte mit unterpreisigen Waren innerhalb der EU eindämmen
Handelspolitisches Schutzsystem ist unverzichtbar für die Verteidigung dieser Grundsätze gegen unlautere Handelspraktiken

(10.11.11) - Die Europäische Kommission kündigte an, dass sie die Instrumente unter die Lupe nehmen wird, mit denen sie die europäischen Unternehmen gegen unlauteren Wettbewerb durch Marktteilnehmer aus anderen Teilen der Welt schützt. Die EU setzt ihre sogenannten ″handelspolitischen Schutzinstrumente″ ein, um die Überschwemmung ihrer Märkte mit unterpreisigen Waren einzudämmen, bei unfairen Subventionen wieder gleiche Wettbewerbsbedingungen für ihre Unternehmen zu schaffen und bei plötzlichen Verschiebungen der Handelsströme mit Schutzmaßnahmen für gesunden Wettbewerb zu sorgen.

Zuletzt wurden diese Instrumente im Jahr 1995 überarbeitet. Deshalb ist die Europäische Kommission der Meinung, dass es jetzt an der Zeit ist, die Effektivität und Effizienz dieser Instrumente zu überprüfen. Die Erörterung dieser Frage, an der sich alle Interessenträger, darunter Hersteller, Einführer, Ausführer, Wirtschaftsverbände, die Regierungen der Mitgliedstaaten, das Europäische Parlament und unabhängige Handelsschutz-Experten beteiligen sollen, gilt als ein Kernziel des Fünfjahresmandats von Kommissar De Gucht.

¡åOffener Handel nach globalen Regeln, lauterer Wettbewerb und gleiche Voraussetzungen für alle Unternehmen sind das Fundament der EU-Handelspolitik. Unser handelspolitisches Schutzsystem ist unverzichtbar für die Verteidigung dieser Grundsätze gegen unlautere Handelspraktiken. Angesichts der Herausforderungen durch die zunehmende Globalisierung des Wirtschaftsumfelds müssen wir darauf achten, dass unsere Instrumente stets wirksam und auf dem neusten Stand sind. Deshalb möchte ich alle betroffenen Akteure aufrufen, sich an der Erörterung dieser Frage zu beteiligen. Ich nehme diese Überprüfung jetzt in Angriff, damit transparent, ausgewogen und konstruktiv erörtert werden kann, wie unsere handelspolitischen Schutzinstrumente modernisiert werden sollten″, sagte EU-Handelskommissar Karel De Gucht.

In etwa einem Jahr (Herbst 2012), nach Abschluss dieses umfassenden und offenen Evaluierungs- und Konsultationsprozesses, möchte die Europäische Kommission ihre Reformvorschläge vorlegen.

Eine Evaluierungsstudie über das handelspolitische Schutzsystem (im Auftrag der Generaldirektion Handel) soll von unabhängigen Experten durchgeführt und im Januar 2012 vorgelegt werden. Diese Studie wird wichtige Erkenntnisse für die Erörterung liefern. Die Kommission ist sich außerdem bewusst, dass bei der Ausgestaltung von Reform- und Modernisierungsansätzen allen wichtigen Entwicklungen der globalen Handelsagenda Rechnung zu tragen ist; dies gilt insbesondere für etwaige Fortschritte in der Doha-Entwicklungsrunde.

Hintergrund
Nach Maßgabe der WTO-Regeln verfügt die EU über drei handelspolitische Schutzinstrumente, mit denen sie gegen unlautere oder aufgrund unlauterer Handelspraktiken plötzlich anschwellende Einfuhrströme aus Nicht-EU-Ländern vorgehen kann, nämlich Antidumping- und Antisubventionsverfahren sowie Schutzmaßnahmen, wobei Antidumpingverfahren am häufigsten vorkommen. Gelangt beispielsweise ein Wirtschaftszweig der EU zur Auffassung, dass die Einfuhren einer Ware aus einem Nicht-EU-Land subventioniert sind oder zu Preisen verkauft werden, die unterhalb des Marktwerts liegen, und dass der EU-Wirtschaftszweig, der dieselbe Ware herstellt, dadurch geschädigt wird, dann kann er die Anwendung von Schutzinstrumenten bei der Europäischen Kommission beantragen, wobei er aber Beweise für die unlauteren Praktiken und die dadurch verursachten wirtschaftlichen Schwierigkeiten vorlegen muss.

Die Europäische Kommission ist für die Untersuchung dieser Dumping- oder Subventionsbehauptungen zuständig. Ihre handelspolitischen Schutzinstrumente (Trade Defence Instruments, TDI) sind in den Rahmen der Welthandelsorganisation (World Trade Organisation, WTO) eingebettet. Alle WTO-Mitglieder haben das Recht, derartige Untersuchungen einzuleiten und Maßnahmen nach genau festgelegten Kriterien zu ergreifen.

Gemessen am Handelsvolumen der EU und im Vergleich mit anderen Handelspartnern greift die Europäische Union nicht sehr häufig auf diese Instrumente zurück. Ende 2010 waren 124 Antidumpingmaßnahmen (AD) und elf Antisubventionsmaßnahmen (AS) der EU in Kraft. Zum Vergleich seien hier die Maßnahmen aufgeführt, die zum selben Zeitpunkt bei den anderen großen Handelsschutz-Akteuren in Kraft waren: USA 250 AD und 48 AS, Indien 208 AD, Türkei 121 AD und 1 AS, China 118 AD und 2 AS sowie Argentinien 91 AD und 1 AS. Im Jahr 2010 leitete die EU 15 neue Antidumping- und 3 neue Antisubventionsuntersuchungen ein. Im Jahr 2011 laufen bisher 11 AD- und 3 AS-Untersuchungen. Allerdings waren im Jahr 2010 nur etwa 0,5 Prozent der EU-Einfuhren von den Handelsschutzmaßnahmen der EU betroffen.

In der globalisierten Wirtschaft unserer Tage besteht zwar der allgemeine Trend, Handelsschranken zu beseitigen, häufig sind die besagten Instrumente für betroffene Unternehmen aber das einzige Mittel, um wieder faire Handelsbedingungen zu schaffen. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass diese Instrumente wirksam sind und die Interessen aller betroffenen Interessenträger, d. h. der Hersteller, Einführer und Verbraucher, bestmöglich schützen. Die EU ist im Übrigen das einzige WTO-Mitglied, das die Interessen aller eventuell von der Einführung handelspolitischer Schutzmaßnahmen Betroffenen systematisch beurteilt.

In der Handelswelt ist die EU für ihre hohen Maßstäbe bekannt, die sie an ihre Handelsschutzuntersuchungen anlegt. Das Hauptziel der Europäischen Kommission besteht darin, diese hohen Maßstäbe laufend zu verbessern. Als Untersuchungsbehörde spielt sie eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung und Verbesserung politischer Maßnahmen und Praktiken im Bereich des Handelsschutzes. Deshalb hat die Kommission kürzlich die TDI-Website benutzerfreundlicher gestaltet, die Transparenz ihrer Untersuchungen verbessert und einen speziell auf die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen ausgerichteten Helpdesk eingerichtet.

Weiterführende Informationen
Zum Thema handelspolitische Schutzinstrumente:
http://ec.europa.eu/trade/tackling-unfair-trade/trade-defence/
(Europäische Kommission: ra)

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    Streitigkeiten zwischen Verbrauchern und Unternehmen bei Online-Käufen können mit der Online-Streitbeilegungs-Plattform schneller und kostengünstiger als vor Gericht beilegt werden. Online-Händler in der EU sind dazu verpflichtet, auf ihrer Website einen Link zu der Plattform bereitzustellen. Laut einer veröffentlichten Studie ist dieser Link nur bei 28 Prozent der untersuchten Websites vorhanden. Die Kommission erinnerte die Online-Händler an ihre Verpflichtung: "Wir wollen, dass Streitigkeiten im Zusammenhang mit Online-Einkäufen schnell und problemlos beigelegt werden. Allerdings müssen auch die Händler diese Plattform nutzen. Nur so können sie zeigen, dass sie die Verbraucherrechte respektieren", so EU-Justizkommissarin Vera Jourová.