- Anzeigen -
Besuchen Sie auch unser Zeitschriftenportfolio im Bereich Governance, Risk, Compliance & Interne Revision

Sie sind hier: Home » Recht » EU & Europa » Europäisches Parlament

Libor-Skandal: Gravierender Marktmissbrauch


Interview mit der EU-Abgeordneten Arlene McCarthy (S&D): EU-Abgeordnete fordern Gefängnisstrafen für Marktmanipulation
Wer Insiderhandel oder Marktmanipulation betreibt, muss mindestens für vier Jahre ins Gefängnis

(21.02.14) - Vier Jahre Gefängnis für Banker, die den Markt zu ihrem eigenen Vorteil manipulieren – kann diese Strafe, Finanzhändler von Marktmissbrauch abschrecken? Das Europaparlament stimmte über neue Regeln für die Bestrafung von Marktmissbrauch und Insiderhandel ab. Die britische Berichterstatterin Arlene McCarthy (S&D) erklärt, warum die neue Richtlinie wichtig ist.

Welche Strafen sehen die neuen Regeln für Marktmissbrauch vor?
Wer Insiderhandel oder Marktmanipulation betreibt, muss mindestens für vier Jahre ins Gefängnis. Wer illegal Informationen weitergibt, muss zwei Jahre ins Gefängnis. Die Mitgliedsstaaten haben aber die Freiheit, diese Strafe zu erhöhen.

Glauben Sie, dass diese Strafen Banker ausreichend abschrecken?
Es ist wichtig, dass Finanzkriminalität ernst genommen wird.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Täter in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten bestraft werden. Denn im Moment gibt es große Unterschiede, wie Marktmissbrauch in den Mitgliedsstaaten geahndet wird. Marktmissbrauch ist zum Beispiel in Österreich, Bulgarien, der Slowakei und Slowenien keine Straftat.

Genauso wie Insiderhandel auf der Grundlage von Tipps in Bulgarien, der Tschechischen Republik, Griechenland, Finnland, Deutschland, Italien, Slowenien und Spanien nicht strafbar ist. Die Mitgliedsstaaten müssen diese Tatbestände jetzt strafbar machen.

Können Sie uns ein Beispiel nennen, bei dem der Markt manipuliert wurde?
Der Libor-Skandal offenbarte einen gravierenden Marktmissbrauch. Finanzhändler manipulierten den Referenzzinssatz und weitere Zinssätze, um große Gewinne einzufahren. Diese Referenzzinsen galten für Derivate im Wert von umgerechnet rund 260 Billionen Euro und für Kredite und Hypotheken im Wert von umgerechnet rund 7,41 Billionen Euro bei Krediten und Hypotheken weltweit.

Die neuen Gesetze schließen die Lücke, dank derer die am Libor-Skandal beteiligten Banken und Finanzhändler bis jetzt einer Gefängnisstrafe entkommen sind. Deswegen bitten wir die Mitgliedsstaaten, ihre neue Macht zu nutzen und die Verantwortlichen von schwerem Marktmissbrauch vor Gericht zu stellen. (Europäisches Parlament: ra)

- Anzeigen -




Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Europäisches Parlament

  • Rechenschaftspflicht von Unternehmen

    Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments fordern ein neues EU-Gesetz, das Unternehmen dafür zur Verantwortung zieht, wenn ihr Handeln Menschen oder dem Planeten schadet. Die Abgeordneten debattieren im Plenum des Europäischen Parlaments einen Bericht des Rechtsausschusses über die Rechenschaftspflicht von Unternehmen. Darin wird die Kommission aufgefordert, ein Gesetz vorzulegen, das Unternehmen in der EU dazu verpflichtet, sich mit Aspekten ihrer Lieferketten zu befassen, die Menschenrechte (einschließlich soziale Rechte sowie Gewerkschafts- und Arbeitsrechte), die Umwelt (zum Beispiel der Beitrag zum Klimawandel) und die Regeln guter Unternehmensführung verletzen könnten.

  • Nachhaltigkeit und gute Unternehmensführung

    Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments formuliert Anforderungen an ein neues EU-Gesetz, das Unternehmen zur Sorgfaltspflicht für ihre Lieferketten verpflichten soll. Der Entwurf der Gesetzesinitiative (angenommen mit 21 Ja-Stimmen, einer Gegenstimme und einer Enthaltung) fordert die Europäische Kommission auf, dringend ein Gesetz vorzulegen, das Unternehmen haftbar macht, wenn sie Menschenrechte, Umweltstandards und gute Regierungsführung verletzen oder dazu beitragen. Die Regeln zur Sorgfaltspflicht für Lieferketten sollen auch den Zugang zu Rechtsmitteln für Geschädigte garantieren. Die EU-Kommission hat einen entsprechenden Gesetzesvorschlag für Frühjahr 2021 angekündigt.

  • Die EU ist keine Einrichtung à la carte

    Abgeordneten des Europäischen Parlaments billigten jene Verordnung, die EU-Gelder vor Missbrauch durch Regierungen schützen soll, die die Rechtsstaatlichkeit beugen. Nach der neuen Verordnung können Zahlungen aus dem EU-Haushalt für Länder zurückgehalten werden, in denen festgestellte Verstöße gegen die Rechtsstaatlichkeit die Verwaltung der EU-Gelder gefährden. Gleichzeitig stellt die EU sicher, dass die Endbegünstigten nicht am Ende die Rechnung bezahlen. "Wir haben es geschafft. Jetzt ist es im EU-Recht verankert. Keine einseitige Erklärung kann diese Tatsache ändern. Der Konditionalitätsmechanismus wird uns in die Lage versetzen, zweifelhafte Pläne zur Verwendung von EU-Geldern im Hinblick auf die Achtung der Werte der EU prüfen", sagte der Mitberichterstatter Petri Sarvamaa (EV, FI).

  • Covid-19: Wie die EU helfen kann, KMU zu stärken

    In einem im Dezember 2020 angenommenen Bericht tritt das Europäische Parlament für Maßnahmen ein, um kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dabei zu unterstützen, die Corona-Krise und große Herausforderungen wie Digitalisierung und Dekarbonisierung zu meistern. Warum sind kleine und mittlere Unternehmen wichtig? Die 24 Millionen KMU in der EU-27 bilden das Rückgrat der Wirtschaft und machen 99 Prozent aller Unternehmen in der EU aus. Sie erwirtschaften mehr als die Hälfte des europäischen BIP und beschäftigten vor der Covid-19-Pandemie rund 100 Millionen Menschen.

  • Kampf gegen Covid-19-Desinformationen

    Der Ausbruch des Coronavirus hat zur Verbreitung von gefälschten Nachrichten und Desinformationen geführt. Während viele Menschen Tag und Nacht darum kämpfen, Leben zu retten, haben Gesundheitsorganisationen und Faktenprüfer eine weitere gefährliche Seite der Pandemie aufgedeckt: Organisationen und einzelne Akteure, die die Krise für politische oder wirtschaftliche Manipulationen ausnutzen, anstatt diejenigen zu unterstützen, die Hilfe benötigen. Die EU-Institutionen haben wiederholt vor den Risiken gewarnt, die mit Desinformationsversuchen verbunden sind. Um sachliche und zuverlässige Informationen zu unterstützen, wurde bereits eine EU-Seite über die gemeinsamen Maßnahmen gegen das Coronavirus eingerichtet. Dort finden sich auch Informationen über Mythen im Zusammenhang mit Covid-19, die im Internet kursieren.