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Erbringung von Bargelddienstleistungen


Bundeskartellamt untersagt den Erwerb von Ziemann durch Loomis
Das Zusammenschlussvorhaben betrifft vor allem die Versorgung mit Bargeld von Handelsunternehmen und Kreditinstituten

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Das Bundeskartellamt hat das Vorhaben des international tätigen, schwedischen Bargelddienstleisters Loomis AB, sämtliche Anteile am bundesweit zweitgrößten Bargelddienstleister, der Ziemann Sicherheit Holding GmbH, Schallstadt, zu erwerben, untersagt. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, sagte: "Das Zusammenschlussvorhaben hätte zu einer erheblichen Behinderung des Wettbewerbs auf mehreren sehr konzentrierten Regionalmärkten für Bargelddienstleistungen geführt. Nach dem Zusammenschluss wären auf den betroffenen Märkten mit Loomis/Ziemann und dem deutschlandweiten Marktführer Prosegur im Wesentlichen nur noch zwei Unternehmen tätig gewesen. Durch die Verringerung der Anzahl der wesentlichen Wettbewerber von drei auf zwei wären höhere Kosten für die unmittelbaren Nachfrager dieser Leistungen – überwiegend Handel und Banken – sowie mittelbar für die Verbraucher zu befürchten gewesen. Die von den Unternehmen angebotenen Zusagen waren nicht geeignet, die wettbewerblichen Bedenken auszuräumen."

Die börsennotierte Loomis Gruppe mit Sitz in Schweden ist im Bereich der Erbringung von Bargelddienstleistungen, der Wertelogistik sowie im Handel mit Edelmetallen und Sorten tätig. Die Gruppe unterhält mehr als 400 Standorte in mehr als 20 Ländern. Erst im Jahr 2018 war Loomis mit dem Erwerb des Bereichs Bargelddienstleistungen vom Sicherheitsdienstleister Kötter auf den deutschen Markt getreten. Das Unternehmen bietet Bargelddienstleistungen im Westen und Norden Deutschlands an und ist in den Regionen einer der drei führenden Anbieter.

Ziemann ist nach dem Marktführer Prosegur bundesweit der zweitgrößte Bargelddienstleister. Das Unternehmen ist überregional im Norden, Westen und Süden Deutschlands sowie in Berlin tätig.

Das Zusammenschlussvorhaben betrifft vor allem die Versorgung mit Bargeld von Handelsunternehmen und Kreditinstituten. Darunter fallen sowohl der Transport von Münz- und Papiergeld vom und zum Kunden, die Bearbeitung des Geldes in einem Cash Center sowie die von Kreditinstituten nachgefragte Befüllung und Wartung von Geldautomaten.

Auf jedem der vom Zusammenschluss betroffenen Regionalmärkte für Bargelddienstleistungen in Köln, Bochum, Bielefeld/Münster, Bremen und Koblenz ist neben den beiden Zusammenschlussbeteiligten im Wesentlichen nur Prosegur tätig. Die Zusammenschlussbeteiligten und Prosegur vereinen aufeinander rund 80 Prozent der Marktanteile in den betroffenen Regionen. Die Marktführer hätten nach der Fusion verstärkt den Anreiz, Preise zu erhöhen oder anderweitige Angebotsbedingungen - wie etwa den Service - zu verschlechtern, ohne dass den Kunden noch eine nennenswerte Ausweichalternative zur Verfügung stünde. Bei den übrigen Wettbewerbern handelt es sich um regional tätige, mittelständische Unternehmen, die demgegenüber nur sehr geringe Marktanteile aufweisen. Die Ermittlungen haben deutlich gemacht, dass das Wettbewerbspotential der verbleibenden Wettbewerber nicht ausreichen wird, um den fusionsbedingten Verhaltensspielraum von Loomis/Ziemann und Prosegur hinreichend zu begrenzen.

Im Juli 2019 hatte das Bundeskartellamt den Zusammenschlussbeteiligten mitgeteilt, dass es das Vorhaben kritisch bewertet. Loomis und Ziemann haben in Reaktion auf die Abmahnung des Bundeskartellamtes Zusagen angeboten, die eine Veräußerung von Kundenverträgen sowie der zugehörigen Infrastruktur in den jeweiligen Regionalmärkten zum Gegenstand gehabt hätten. Das Volumen dieser Kundenverträge hätte den fusionsbedingten Zuwachs zwar weitgehend ausgeglichen. Allerdings konnte nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit sichergestellt werden, dass die betroffenen Kunden auch in einer ausreichenden Anzahl zum jeweiligen potentiellen Erwerber wechseln würden.

Die bezüglich der Zusagen durchgeführten Markttests bei Kunden und Wettbewerbern fielen kritisch aus und bestätigten die Bedenken des Bundeskartellamtes. Demnach stand zu befürchten, dass ein erheblicher Anteil der befragten Kunden prinzipiell nicht bereit wäre den Bargelddienstleister zu wechseln. Soweit Kunden ihre grundsätzliche Bereitschaft erklärten, gaben viele an, allenfalls zum Marktführer Prosegur wechseln zu wollen. Kundenverschiebungen zu Prosegur wären jedoch nach Auffassung des Bundeskartellamtes ebenso wettbewerbsschädlich gewesen. Somit war das Vorhaben im Ergebnis zu untersagen. (Bundeskartellamt: ra)

eingetragen: 04.01.20
Newsletterlauf: 05.03.20

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Meldungen: Kartellrecht

Kartellrecht und Kartellvergehen

  • Kartellrecht: Beurteilung des Informationsflusses

    Das Bundeskartellamt hat keine Einwände gegen den geplanten Start von "Unamera", einer digitalen Handelsplattform für Agrarprodukte. Die Unamera GmbH ist ein Start-up-Unternehmen aus Zwickau, das von den Getreidehandelsunternehmen BayWa AG, Getreide AG und ATR Landhandel als Finanzierungspartner unterstützt wird. Über die Plattform sollen künftig insbesondere Getreide und Ölsaaten zwischen Agrarhandelsunternehmen auf der einen sowie Landwirten und Verarbeitern auf der anderen Seite gehandelt werden. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, sagte: "Insbesondere für die Beurteilung von Kooperationen im digitalen Bereich nutzen viele Unternehmen das Bundeskartellamt als Ansprechpartner, um kartellrechtliche Fragen zu klären. Es ist offensichtlich, dass digitale Plattformen den Handel deutlich effizienter gestalten können. Sie dürfen aber den Wettbewerb nicht beschränken. Unsere Bewertung solcher digitaler Plattformen konzentriert sich auf wesentliche Fragen."

  • Kartellrechtliche Bedenken

    Die aus sieben größeren Verlagen bestehende "Verlagsallianz" sowie der Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten (BPVG) nehmen Abstand von der sogenannten Mindestumsatzregelung beim Presse-Grosso. Das Bundeskartellamt hatte zuvor kartellrechtliche Bedenken geäußert, da die Regelung Verlage mit umsatzschwächeren Titeln diskriminieren könnte. Aufgrund der Aufgabe der bisherigen Regelung, hat das Bundeskartellamt das Verfahren gegen die Verlagsallianz und den BPVG eingestellt. Zu der Verlagsallianz zählen die folgenden Verlage: Axel Springer SE, Funke Mediengruppe GmbH & Co. KGaA, Gruner + Jahr GmbH, Heinrich Bauer Verlag KG, Hubert Burda Media Holding KG, Medienholding Klambt GmbH & Co. KG sowie Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

  • Bußgelder für Pflanzenschutzkartell

    Das Bundeskartellamt hat Bußgelder in Höhe von insgesamt rund 154,6 Millionen Euro gegen sieben Großhändler von Pflanzenschutzmitteln und deren Verantwortliche wegen Absprachen über Preislisten, Rabatte und einige Einzelpreise beim Verkauf an Einzelhändler und Endkunden in Deutschland verhängt. Bußgelder wurden verhängt gegen die AGRAVIS Raiffeisen AG, Hannover/Münster, die AGRO Agrargroßhandel GmbH & Co. KG, Holdorf, die BayWa AG, München, die BSL Betriebsmittel Service Logistik GmbH & Co. KG, Kiel, die Getreide AG, Hamburg, die Raiffeisen Waren GmbH, Kassel, und die ZG Raiffeisen eG, Karlsruhe. In Anwendung der Bonusregelung wurde der Beiselen GmbH, Ulm, die als erste mit dem Bundeskartellamt kooperierte, das Bußgeld erlassen. Gegen zwei weitere Unternehmen wird noch ermittelt. Darüber hinaus wurden die Verfahren gegen drei weitere Unternehmen und zwei Verbände eingestellt.

  • Gebietsabsprachen sind klare Kartellabsprachen

    Das Bundeskartellamt hat Geldbußen wegen verbotener Gebietsabsprachen bei Flüssiggas in Höhe von insgesamt ca. 195.000 Euro gegen die Unternehmen BHG Agrarhandelsgesellschaft mbH & Co. KG (BHG), H&H Flüssiggas GmbH (H&H), OSTSEE und MV GAS Flüssiggasvertrieb GmbH (Ostseegas) und Top Gas Flüssiggas Handel GmbH (Top Gas) verhängt. Die Gebietsabsprachen beziehen sich auf den Zeitraum von November 2006 bis Juli 2016. Das Verfahren geht auf einen Bonusantrag der Dr. Ulrich Fuchs GmbH & Co. KG (Fuchsgas) aus dem April 2016 zurück; der Fuchsgas wurde die Geldbuße deshalb erlassen. Das Flüssiggasunternehmen ist seit März 2016 eine Tochtergesellschaft der Propan Rheingas GmbH & Co. KG.

  • Nahe an der Beherrschungsschwelle

    Das Bundeskartellamt hat heute zum ersten Mal einen Marktmachtbericht - Bericht über die Wettbewerbsverhältnisse bei der Erzeugung elektrischer Energie - vorgelegt. Der Bericht konzentriert sich auf den Markt für die Erzeugung und den erstmaligen Absatz von Strom. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, sagte: "RWE ist derzeit zwar nicht marktbeherrschend, steht aber vergleichsweise nahe an der Beherrschungsschwelle. Dies bestätigen unsere aktuellen Analysen für das Jahr 2019. Das Unternehmen war erneut in einer erheblichen Anzahl von Stunden für die Deckung der Stromnachfrage unverzichtbar. Bereits eine relativ geringfügige weitere Verknappung der Angebotskapazitäten im Zuge des Atom- und Kohleausstiegs könnte dazu führen, dass RWE die Schwelle zur Marktbeherrschung überschreitet. Unsere Analysen beruhen auf einer aktuellen Datenbasis unter Einbeziehung des dritten Quartals 2019. Der Marktmachtbericht stellt damit allen Marktteilnehmern sehr zeitnah die notwendigen Informationen zur Verfügung, damit diese ihre Marktstellung besser beurteilen können."