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Einzelhandelsmärkte und Verbraucher im Fokus


Stromerzeugung und Großhandelsmärkte weiter im Wandel - Monitoringbericht 2018 der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamtes
Andreas Mundt: "Insgesamt hat die Marktkonzentration bei der konventionellen Stromerzeugung weiter abgenommen – dennoch müssen wir aktuelle Entwicklungen aufmerksam im Blick behalten."

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Die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt haben ihren gemeinsamen jährlichen Monitoringbericht über die Entwicklungen auf den deutschen Elektrizitäts- und Gasmärkten veröffentlicht. "Der Ausbau der Erneuerbaren geht weiter. 2017 war erstmals mehr Erzeugungsleistung aus erneuerbaren als aus konventionellen Energieträgern installiert. Auch der Anteil der erneuerbaren Stromerzeugung steigt weiter. Ihr Anteil am Stromverbrauch betrug 36 Prozent im Jahr 2017", sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Insgesamt stieg die in Deutschland installierte Erzeugungskapazität um 5,8 GW auf 217,6 GW an. Hiervon sind 105,1 GW den konventionellen und 112,5 GW den erneuerbaren Energieträgern zuzuordnen.

Die Stromerzeugung lag mit 601,4 TWh auf dem Niveau des Jahres 2016, wobei die Erzeugung aus nicht erneuerbaren Energieträgern – insbesondere aus Steinkohlekraftwerken – überproportional sank. Die Erneuerbaren Energien speisten insgesamt 204,8 TWh ein. Die Vermarktung der Erneuerbaren findet mit 78 Prozent mittlerweile weitgehend direkt am Markt statt. Drei Prozent des erneuerbaren Stroms wurden aufgrund von Netzengpässen abgeregelt.

"Die Marktkonzentration bei der konventionellen Stromerzeugung hat auch im Jahr 2017 weiter abgenommen", erklärt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. "Insbesondere hat sich der gemeinsame Marktanteil der größten Erzeuger gegenüber den Vorjahren weiter verringert. Das ist positiv für den Wettbewerb. Dennoch ist es wichtig, dass wir die Marktsituation in Deutschland weiter beobachten. Der nahende Ausstieg aus der Atomkraft, der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien und evtl. Redispatch-Märkte sind nur einige Beispiele von vielen, die sich auf die künftige wettbewerbliche Bewertung auswirken können."

Wie bei der Erzeugung zeigte sich im Jahr 2017 auch auf den Einzelhandelsmärkten für Strom und Gas eine positive Entwicklung hin zu mehr Wettbewerb. "Mehr Wettbewerb bedeutet für die Verbraucher mehr Wahlmöglichkeiten und daraus entstehende Preisvorteile", so Andreas Mundt. "Der Marktanteil der absatzstärksten Stromanbieter für Standardlastkunden und für leistungsgemessene Kunden ist gegenüber dem Vorjahr weiter gesunken und liegt hier wie auch auf den beiden größten Gaseinzelhandelsmärkten nach wie vor deutlich unter der Schwelle, ab der eine marktbeherrschende Stellung zu vermuten wäre."

Der durchschnittliche Strompreis für Haushaltskunden ist zum Stichtag 1. April 2018 mit 29,88 ct/kWh stabil (2017: 29,86 ct/kWh). Zur Stabilisierung tragen gesunkene Netzentgelte und stagnierende Umlagen bei. "Für Haushaltkunden ist das durchschnittliche Netzentgelt im Jahr 2018 erstmals seit 2011 wieder gesunken. Es ist fast zwei Prozent niedriger als im Vorjahr", erläutert Homann. "Der Wettbewerb bleibt ein wesentliches Element, wie sich Haushalte gegen steigende Strompreise wappnen können. Wer den Stromanbieter wechselt, kann oft viel Geld sparen. Es ist insofern unverständlich, dass die Wechselquote bei den Stromkunden 2017 stagniert. Bei Gasverträgen ging sie sogar leicht zurück", sagt Homann. Er ergänzt: "Der Anteil der Haushalte in der Grundversorgung sinkt zwar kontinuierlich, liegt aber bei Stromkunden noch immer bei rund 28 Prozent."

Als Vertriebsweg im Energiebereich haben mittlerweile Vergleichsportale, die den Kunden den Vergleich und die Vermittlung von Strom- und Gastarifen anbieten, eine hohe Bedeutung. "Fast jeder vierte Energieversorgungsvertrag von Haushaltskunden wird inzwischen über ein Vergleichsportal vermittelt. Daher ist es wichtig, dass sich Verbraucher auf die Zuverlässigkeit, Objektivität und Transparenz dieser Portale verlassen können", betont Andreas Mundt. Vor diesem Hintergrund hat die beim Bundeskartellamt neu eingerichtete Beschlussabteilung für Verbraucherschutz im Oktober 2017 eine Sektoruntersuchung im Bereich "Vergleichsportale" eingeleitet. Die Untersuchung beschäftigt sich u.a. mit Vergleichsportalen im Bereich Energie und verfolgt dabei das Ziel, mögliche Verstöße gegen verbraucherrechtliche Vorschriften aufzuklären und zu konkretisieren.

Zuletzt war die Zahl der von Lieferanten beauftragten Stromsperren um rund 13.600 Haushalte gestiegen, im Gasbereich blieb die Zahl der Sperren bei einem leichten Anstieg um rund 200 Haushalte relativ stabil. (Bundeskartellamt: ra)

eingetragen: 04.12.18
Newsletterlauf: 15.01.19

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Meldungen: Kartellrecht

Kartellrecht und Kartellvergehen

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    Das Bundeskartellamt hat die geplante Zusammenführung des Malteser Krankenhaus St. Franziskus-Hospitals, Flensburg, und des somatischen Bereichs des Diakonissenkrankenhauses, Flensburg, in gemeinsamer Trägerschaft genehmigt. Beide Standorte sollen durch einen zentralen Neubau in Flensburg ersetzt werden. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: "In der Region im nördlichen Schleswig-Holstein haben die beiden Häuser eine deutlich führende Marktposition und vereinen hohe Marktanteile. Es handelt sich um die einzigen Krankenhäuser in Flensburg. Wir haben das Vorhaben daher sehr intensiv geprüft. Der Zusammenschluss wird aber zu keiner wesentlichen Beschränkung des Wettbewerbs und der Ausweichmöglichkeiten für die Patienten führen. Die beiden Kliniken kooperieren seit vielen Jahren miteinander und sind weitgehend auf unterschiedliche Fachgebiete spezialisiert. Eine Befragung der niedergelassenen Ärzte hat deutlich gemacht, dass hauptsächlich die Krankenhäuser anderer Träger außerhalb von Flensburg eine Alternative für die Patienten darstellen würden. Von einer Dämpfung des Wettbewerbs zwischen den beiden Häusern war daher nicht auszugehen."

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    Das Bundeskartellamt hat die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens von Süddeutscher Zeitung GmbH und Frankfurter Allgemeinen Zeitung GmbH zur gemeinsamen Vermarktung überregionaler Anzeigen fusionskontrollrechtlich freigegeben. Die Prüfung der Kooperation nach dem Kartellverbot dauert jedoch noch an. Das Gemeinschaftsunternehmen soll die Vermarktungsaktivitäten der beteiligten Verlage im Bereich überregional erscheinender Printanzeigen (Aufmerksamkeitsanzeigen und Rubrikenanzeigen) in Nachrichten-Printobjekten übernehmen. In den betroffenen Markt sind neben den von den Beteiligten herausgegebenen überregionalen Tageszeitungen auch Wochen- und Sonntagszeitungen sowie Nachrichtenmagazine einzubeziehen.

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    Das Bundeskartellamt hat die geplante Übernahme der The Meet Group Inc., USA, durch die ProSiebenSat.1 Gruppe freigegeben. Zu ProSieben Sat.1 gehören seit 2016 unter anderem die Online-Dating-Plattformen Parship und Elite Partner, The Meet Group betreibt international eine Reihe von Online-Dating-Plattformen und ist in Deutschland mit der Online-Dating Plattform Lovoo tätig. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, sagte: "Eine erhebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs bei den Online Dating-Plattformen durch den Zusammenschluss ist trotz der Marktstärke der beteiligten Unternehmen nicht zu erwarten. Durch den Zusammenschluss kommt es zu einer weiteren Konzentration im Bereich des Online-Dating, die Beteiligten gehören zu den größten Online-Dating Plattformen in Deutschland. Der Markt des Online-Dating ist aber durch dynamisches Wachstum, Marktzutritte und Wettbewerb gekennzeichnet. Zuletzt hat sich insbesondere das Segment der Dating Apps, zu denen neben dem Zielunternehmen Lovoo auch die konkurrierenden Plattformen Tinder oder Badoo gehören, stark entwickelt."

  • Strukturelle Wettbewerbsprobleme identifizieren

    Das Bundeskartellamt hat eine Sektoruntersuchung zur Bereitstellung und Vermarktung öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge eingeleitet. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, sagte: "Wir wollen in dieser frühen Marktphase der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge strukturelle Wettbewerbsprobleme identifizieren, um einen Beitrag zu einem erfolgreichen Ausbau zu leisten. Der Aufbau einer flächendeckenden E-Ladeinfrastruktur ist Voraussetzung für den Erfolg der Elektromobilität in Deutschland. Für die Entscheidung von Verbrauchern, auf Elektromobilität umzusteigen, sind die Bedingungen und Preise für das Laden im öffentlichen Raum von zentraler Bedeutung. Der Markt ist natürlich noch im Entstehen. Aber uns erreichen schon jetzt vermehrt Beschwerden über die Preise und Konditionen an den Ladesäulen."

  • Erwerb von bis zu 101 Real-Standorten

    Das Bundeskartellamt hat eine vertiefte Prüfung (sogenanntes Hauptprüfverfahren oder 2. Phase) im Fusionsvorhaben des Erwerbs von bis zu 101 Real-Standorten von SCP Retail S.àr.l. (SCP) durch die Kaufland GmbH & Co. KG (Kaufland) eingeleitet, da weitere Ermittlungen zu den betroffenen Absatz- und Beschaffungsmärkten erforderlich sind. Die Europäische Kommission hatte den Fall mit Entscheidung vom 11. Juni 2020 (beim Amt eingegangen am 12. Juni) an das Bundeskartellamt verwiesen. Kaufland ist wie Lidl Mitglied der Schwarz-Gruppe, die der europaweit größte Lebensmitteleinzelhändler ist. SCP Retail ist ein russisches Investitionsunternehmen, das alle über 270 Real-Standorte von der Metro erworben hat.