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Rutscht die TK-Branche in den Abgrund?


Experten fordern auch für die Telekommunikation staatliche Eingriffe: Konzerne haben sich verzockt - Erosion der Preise wurde falsch eingeschätzt
Der EU forcierte Preiskampf habe sich "ruinös" ausgewirkt -
Falsch, staatliche Regulationen zu fordern - Es handele sich um eine natürliche Konsolidierungsphase

(13.10.08) - Auch die Telekommunikationsbranche geht offensichtlich schweren Zeiten entgegen. Von "Kostenkrieg" und "Überlebenskampf" der Großkonzerne ist die Rede, während im Management eifriges Stühlerücken herrscht. Die Lage gilt als ernst, schreibt das Magazin Technology Review in einer ausführlichen Analyse zum TK-Markt in seiner Online-Ausgabe: Wenn die Preise für Telefon, Internet und Mobilfunk in Deutschland weiter fielen, warnte die Unternehmensberatung McKinsey, könnten die Unternehmen nur schwer die nächste Generation der Breitband-Infrastruktur finanzieren.

Vor allen Dingen der von der EU forcierte Preiskampf habe sich "ruinös" ausgewirkt – und die Märkte seien gesättigt. Zum ersten Mal seit über 50 Jahren würden deshalb die Umsätze und die Beschäftigung in der deutschen Telekommunikationsindustrie teilweise dramatisch schrumpfen.

Bis 2006 waren die Umsätze noch auf 62 Milliarden Euro gewachsen, was einer Wertschöpfung von 34 Milliarden Euro entspricht. Falls es zu keinem Kurswechsel komme, sei mit einem Rückgang des Umsatzes auf 20 Milliarden Euro im Jahr 2020 zu rechnen, da sich das Festnetzgeschäft verringert und die Preise im Mobilfunk ins Bodenlose fallen. Es bedürfe neuer regulierender Rahmenbedingungen in Deutschland, meinten die Experten, und der öffentliche Sektor müsse große Infrastrukturprojekte vorantreiben.

"Im Klartext: Der Staat soll Untergrenzen für die Preise festlegen und Steuergelder in Großprojekte investieren, um den Telekommunikationsunternehmen zu helfen", schreibt Technology Review. Wie bei den maroden Finanzinstituten und der Autoindustrie fordern Vertreter der TK-Branche eine Abkehr von der bislang vertretenen Ideologie des sich selbst regulierenden freien Marktes und verlangen Staatsinterventionen.

Aber es gibt auch andere Stimmen: "Ich halte es für falsch, staatliche Regulationen zu fordern. Es handelt sich um eine natürliche Konsolidierungsphase, die nach der Orientierungslosigkeit durch diffusen Innovationsdruck und technologischen Entwicklungssprüngen notwendig ist.

Viele Firmen haben sich schlichtweg verzockt. Sie haben auf einen unendlich steigenden Bandbreitenbedarf spekuliert und die Erosion der Preise nicht beachtet, die aus dem Überangebot resultiert. Die Equipment-Hersteller wiederum haben sich zu sehr auf die Big Deals im Carrier-Geschäft fokussiert und die Unternehmenskommunikation mit vergleichsweise kleinem Projektvolumen vernachlässigt", erklärt Andreas Latzel, Deutschland-Chef der Aastra-Gruppe, gegenüber NeueNachricht

Man sollte sich auf seine Kernkompetenzen besinnen. "Wir haben uns konsequent auf die Unternehmenskommunikation ausgerichtet und schaffen Kundenmehrwerte durch Dienstleistungsanteile in der Wertschöpfungskette und durch Herstellung absoluter Nutzenorientierung und Kosteneffizienz für den Kunden", sagt Latzel.

Auch nach Auffassung von Udo Nadolski, Geschäftsführer des Beratungsunternehmen Harvey Nash, müssen sich die TK-Unternehmen stärker auf die wirklichen Bedürfnisse der Kunden konzentrieren und sollten nicht auf allen Hochzeiten tanzen: "Es reicht nicht aus, nur Schlagwörter in die Welt zu setzen und keine maßgeschneiderten Produkte zu entwickeln, die man leicht installieren und warten kann", betont Nadolski. Technisches aller Art komme häufig unausgereift auf den Markt und arbeite nicht mit anderen Komponenten zusammen. "TK-Manager sollten nicht nach dem Staat schreien, sondern ihre Hausaufgaben machen", fordert Nadolski. (nena: ra)

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Meldungen: Markt / Hintergrund

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    Bayerns Justizminister Georg Eisenreich begrüßt die Eckpunkte zur Reform der Strafprozessordung (StPO), die das Bundeskabinett in Berlin beschlossen hat. Eisenreich: "Das ist auch ein großer Erfolg bayerischer Rechtspolitik. Viele der beschlossenen Eckpunkte fordern wir schon lange. Insbesondere die Maßnahmen zur Beschleunigung von Strafgerichtsverfahren, die Erweiterung der DNA-Analyse, die Befugnis zur Telekommunikationsüberwachung bei Verdacht auf Wohnungseinbruchdiebstahl und auch das Verbot der Gesichtsverhüllung vor Gericht." Bayern hatte sich bereits bei den Koalitionsverhandlungen bei diesen Themen durchgesetzt. Damals war es gelungen, die zentralen bayerischen Anliegen in den Koalitionsvertrag zu verhandeln.

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    Am 25. Mai 2019 jährt sich das Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO, das erste Mal. Grund genug, Bilanz zu ziehen. Während sich im Vorfeld die Kritik an dem Gesetz häufte und in den Medien beispielsweise von Abmahnwellen die Rede war, blieben die Befürchtungen der Unternehmen diesbezüglich weitestgehend unbestätigt. "Doch auch ein Jahr nach Inkrafttreten gehört ein DSGVO-konformer Umgang mit sensiblen Daten noch immer nicht zum Alltag vieler Unternehmen", so Haye Hösel, Geschäftsführer und Gründer der Hubit Datenschutz GmbH & Co. KG. Besonders wenn es um gesetzeskonforme Websites, sichere Passwörter oder die Nutzung von Diensthandys geht, besteht weiterhin Handlungsbedarf. "Unternehmen sehen nicht immer den Sinn der DSGVO, sondern lediglich einen größeren Arbeitsaufwand. Aber immerhin schließen wir auch die Tür ab, wenn wir das Haus verlassen, obwohl dies einen zusätzlichen Aufwand bedeutet", betont Hösel.