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Absicherung gegen das Ausspähen von Daten


Datenschutzrecht: Wie verhindert man den Datenklau - Wirksamer Datenschutz erfordert einen Blick aufs Strafrecht
Compliance durch Kryptographie: Aus strafrechtlicher Sicht ist schon ein Verschlüsselungsgrad ausreichend, der zumindest nicht ohne weiteres für einen interessierten Dritten überwindbar ist


(30.10.12) - Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse sind wertvoller Teil des Unternehmenskapitals. Der Gesetzgeber hat darauf reagiert und sensible Daten in Betrieben, Praxen und Kanzleien unter den Schutz des Strafrechts gestellt. "Das Strafrecht kann seine Wirkung allerdings nur dann entfalten, wenn das Datenschutzkonzept des Unternehmens und die einschlägigen Strafbarkeitsbestimmungen aufeinander abgestimmt sind", stellt Rechtsanwalt Nils Kassebohm von der Anwaltssozietät Eimer Heuschmid Mehle in Bonn klar.

Ein wichtiger Baustein hierbei ist § 202 a des Strafgesetzbuches (StGB), der das Ausspähen von Daten unter einen Strafrahmen von bis zu drei Jahren stellt. Die enge Verknüpfung von betrieblicher IT-Organisation mit der gesetzlichen Bestimmung zeigt sich bereits in den Strafbarkeitsvoraussetzungen der Datenausspähung. "So kann sich ein Mitarbeiter oder ein sogenannter unbefugter Dritter nur dann strafbar machen, wenn die auszuspähenden Daten auch gesichert sind", wie der Fachanwalt für Strafrecht erläutert.

In der Praxis haben inzwischen einige Unternehmen als Sicherung eine elektronische Datenverschlüsselung eingeführt. Aus strafrechtlicher Sicht ist schon ein Verschlüsselungsgrad ausreichend, der zumindest nicht ohne Weiteres für einen interessierten Dritten überwindbar ist. Nicht ausreichend als Sicherung ist dagegen das unverschlüsselte Speichern einer Datei unter einem falschen Dateinamen.

In vielen Fällen steckt bei den Strafrechtsnormen der Teufel im Detail. So kann eine Strafbarkeit gemäß § 202 a StGB ausgeschlossen sein, wenn sich ein Mitarbeiter ihm dienstlich zur Verfügung stehende Daten zwar pflichtwidrig, aber befugt verschafft, um sie dann nur privat zu verwenden. Der Zugriff Dritter auf dann ungeschützte Daten des Unternehmens beim Mitarbeiter wäre z. B. nicht mehr strafbar. "Allerdings sind dort, wo das Strafrecht nicht greift, sehr wohl arbeitsrechtliche Sanktionen möglich", stellt Kassebohm klar.

Natürlich schützt das Strafrecht auch vor Bedrohungen der Unternehmens-IT von außen. Von dort Trojaner, Keylogger oder andere Ausspähungsprogramme einzuschleusen, um fremde Daten zu erlangen, steht unter Strafandrohung. "Fallen sollten jedoch beachtet werden", warnt Kassebohm. Eine Weitergabe von Daten durch Mitarbeiter z. B. als E-Mail-Anhang im Rahmen von Geschäftsabläufen kann eben diese Daten trotz ausreichender unternehmensinterner Sicherung dem strafrechtlichen Schutzbereich entziehen. Der Strafrechtler folgert: "Die Mitarbeiter müssen unbedingt geschult werden, geheime Daten auch als solche zu behandeln." Studien zufolge schult gut ein Drittel der Unternehmen seine Mitarbeiter bisher gar nicht zum Thema Netz- und Informationssicherheit.

Der gesamte Kanon infrage kommender Strafrechtsnormen ist ausgesprochen umfangreich geworden. So hat im Bereich der Daten- und IT-Sicherheit nicht nur die Computersabotage oder die Fälschung technischer Aufzeichnungen inzwischen eigene Paragrafen. Zusätzlich stellt das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) unter anderem den Verrat von Unternehmensgeheimnissen unter Strafe. "Diese Normen haben oft sehr spezielle Voraussetzungen. Ohne detaillierte Kenntnisse des Unternehmens und eine exakte Abstimmung mit den Verantwortlichen kann das Erstellen eines Sicherheitskonzeptes für ein Unternehmen leicht ins Leere laufen", warnt Kassebohm. Strafrechtliche Normen wirkten schließlich nur dann, wenn sie bekannt seien, durchgesetzt würden und der Täter fürchten müsse, bei einem Verstoß auch erwischt zu werden. (Eimer Heuschmid Mehle: ra)

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Meldungen: Markt / Hinweise & Tipps

  • Daten müssen archiviert werden

    Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) regelt seit 2018 die Speicherung von personenbezogenen Daten. Einige Unternehmen haben die Richtlinien schon umgesetzt. Andere, vorwiegend kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), haben Probleme, gleichzeitig den gesetzlichen Vorschriften zur Datenspeicherung als auch der EU-DSGVO gerecht zu werden. Viele dieser kleinen Unternehmen archivieren ihre Daten in Cold Storage-Systemen, die lange Zugriffszeiten erfordern, wirtschaftlich aber die beste Wahl sind, da sie große Datenmengen beheimaten können. Diese Systeme helfen besonders KMU dabei, die geforderten Daten für Überprüfungen und Audits vorhalten zu können. Gleichzeitig hadern Unternehmen des Öfteren, wenn es darum geht, die Daten im Rahmen einer Forderung auf Basis der EU-DSGVO zu löschen. Angemerkt werden sollte, dass die jeweiligen Anforderungen und die vorgeschriebene Aufbewahrungszeit nicht nur von der Natur der Daten abhängen, sondern von dem jeweiligen Industriesektor - sei es nun das Gesundheitswesen, Behörden oder das Finanzwesen. Handelt es sich bei den Daten allerdings um solche Inhalte, die auf Anfrage gelöscht werden müssen, wie personenbezogene Daten, wird die Sache in Bezug auf die Datensicherung kompliziert.

  • Welche Produkte benötigen eine UKCA-Kennzeichnung?

    Es bleiben nur noch ein paar Monate, bis die Übergangsfrist für die UKCA-Kennzeichnung endet. BSI, das Unternehmen für Geschäftsverbesserung und Standards, möchte alle betroffenen Hersteller daran erinnern, die relevante regulierte Produkte in Großbritannien (England, Wales und Schottland) auf den Markt bringen wollen. Die UKCA-Kennzeichnung wird ab dem 1. Januar 2022 die herkömmliche CE-Kennzeichnung ersetzen. Betroffene Produkte, für die bisher die CE-Kennzeichnung durch eine Benannte Stelle benötigt wurde, müssen dann von einer in Großbritannien zugelassenen Stelle (UK Approved Body) mit der UKCA-Kennzeichnung versehen werden. Die CE-Kennzeichnung wird für die meisten Produkte ab dem 1. Januar 2022 nicht mehr anerkannt werden. Für Schiffsausrüstungen, medizinische Geräte und IVDs wurde eine verlängerte Übergangsfrist gewährt. Shahm Barhom, Group Product Certification Director bei BSI Group (British Standard Institution, sagte: "Seit unserem Austritt aus der Europäischen Union am 31. Januar 2020 befinden wir uns in einer Übergangszeit, in der sowohl die UKCA- als auch die CE-Kennzeichnung akzeptiert werden, aber ab dem 1. Januar 2022 wird dies nicht mehr der Fall sein. Die meisten Produkte, die in Großbritannien auf den Markt gebracht werden, benötigen ab dem kommenden Jahr die UKCA-Kennzeichnung und die damit verbundenen Prüfungen und Zertifizierungen müssen von einer in Großbritannien zugelassenen Stelle durchgeführt werden.

  • EU-GwG Geldwäsche und Terrorismusfinanzierug

    Seit dem Jahr 1991, als das EU-GwG Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung erstmals definierte und zum Straftatbestand erklärte, befindet es sich in einem stetigen Wandel. In der aktuellsten Ausführung - mittlerweile der fünften - reagieren die Änderungsrichtlinien besonders auf das Bekanntwerden der sogenannten Panama-Papers sowie auf die terroristischen Anschläge in Paris und Brüssel. Außerdem ergab eine Studie der Universität Halle von 2016, dass in Deutschland jährlich immer noch 100 Milliarden Euro gewaschen werden. (Dunkelstudie über den Umfang der Geldwäsche in Deutschland und über die Geldwäscherisiken in einzelnen Wirtschaftssektoren, Prof. Dr. jur. Kai-D. Bussmann, 2016). Letzte Überarbeitungen erweiterten daher vor allem den Kreis der Verpflichteten, sehen aber auch eine weitere Steigerung der Transparenz vor. Auch die Sorgfaltspflicht, primär beim Einsatz virtueller Währungen oder bei Geschäftsbeziehungen mit Hochrisikodrittländern, verschärft sich deutlich. Die Umsetzung dieser Erweiterungen bedeutet für verpflichtete Unternehmen einen hohen bürokratischen Aufwand, der einige Kapazitäten binden kann. Als umso wichtiger erweisen sich daher eine klare Präventionsstratiegie und innovative Softwareunterstützung.

  • Gesetz zum Whistleblower-Schutz

    Zum Ende des Jahres 2021 wird das deutsche Gesetz zum Whistleblower-Schutz in Kraft treten: Unternehmen mit mehr als 50 Angestellten bzw. einem Jahresumsatz von 10 Mio. Euro müssen verpflichtend Hinweisgebersysteme einführen. Was Arbeitnehmer sowie Unternehmen bei einer Whistleblowing-Plattform beachten sollten, weiß Whistleblowing-Experte Kai Leisering von Business Keeper. EU-Whistleblowing-Richtlinie: Noch sind Whistleblower in Europa und Deutschland nicht ausreichend geschützt: Häufig haben sie für die Meldung eines Missstandes mitunter schwerwiegende Konsequenzen zu befürchten. Das Bundesjustizministerium hat deswegen bis Ende des Jahres Zeit, das deutsche Gesetz zum Whistleblower-Schutz umzusetzen. Die Richtlinie verpflichtet Unternehmen mit mehr als 250 Angestellten bzw. einem Jahresumsatz von 10 Millionen Euro, ab 2023 dann auch Unternehmen mit über 50 Angestellten, staatliche Institutionen und Gemeinden ab einer bestimmten Größe zur Einführung einer Whistleblowing-Plattform.

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    Leere Chefsessel in mittelständischen Betrieben? Vor allem in Familienunternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern sehen sich viele Senior-Entrepreneure bei ihrer Suche nach einem Nachfolger mit enormen Schwierigkeiten konfrontiert. Ein Mangel an geeigneten Kandidaten ist dabei nur einer der Stolpersteine auf dem Weg zum Generationswechsel im Betrieb. "Oft warten Inhaber zu lange damit, ihre Rückzugspläne zu konkretisieren. Bei anderen mangelt es an individuell zugeschnittenen Regelungen", weiß Felix Korten, Rechtsanwalt und Vorstand der Korten Rechtsanwälte AG. Damit sich die Stabsübergabe von der ersten auf die zweite oder sogar dritte Generation nicht zum Spießrutenlauf entwickelt, muss der Machtwechsel gründlich vorbereitet und professionell begleitet werden.