- Anzeigen -
Besuchen Sie auch unser Zeitschriftenportfolio im Bereich Governance, Risk, Compliance & Interne Revision

Sie sind hier: Home » Recht » EU & Europa » Europäische Kommission

Luftfahrtausrüstungsmarkt bereits konzentriert


Fusionskontrolle: Kommission prüft geplante Übernahme von Flugzeugtechnik-Anbieter Goodrich durch United Technology
Bedenken, dass vertikale Überschneidungen zu Wettbewerbsproblemen führen könnten

(18.04.12) - Die Europäische Kommission hat nach der EU‑Fusionskontrollverordnung ein Verfahren eingeleitet, um die geplante Übernahme der Goodrich Corporation durch United Technology Corporation (UTC) eingehend zu prüfen. Die beiden weltweit tätigen US-Unternehmen produzieren und verkaufen Luftfahrtausrüstung. Eine erste Untersuchung der Kommission hatte wettbewerbsrechtliche Bedenken aufgeworfen, da die beteiligten Unternehmen zusammengenommen auf dem Markt für Motorensteuerungen und dem Markt für AC-Generatoren über einen sehr hohen Marktanteil verfügen würden.

Die Kommission hat zudem Bedenken, dass vertikale Überschneidungen zu Wettbewerbsproblemen führen könnten, da Goodrich als unabhängiger Anbieter von Kraftstoffdüsen und Motorensteuerungen entfallen würde. Außerdem kann sie derzeit eine Beeinträchtigung des Wettbewerbs für Dienstleistungen auf dem Anschlussmarkt nicht ausschließen. Die Einleitung einer eingehenden Prüfung lässt keine Schlüsse auf deren Ergebnis zu. Die Kommission muss nun innerhalb von 90 Arbeitstagen (d. h. bis zum 9. August 2012) abschließend entscheiden, ob der geplante Zusammenschluss den Wettbewerb im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) erheblich beeinträchtigen würde.

"Da der Luftfahrtausrüstungsmarkt bereits konzentriert ist und hohe Eintrittsschranken aufweist, müssen wir sicherstellen, dass der Wettbewerb durch diese Übernahme nicht beeinträchtigt wird und weiterhin genügend Innovationsanreize bestehen. Gleichzeitig müssen wir einen Anstieg der Vorleistungspreise für die Hersteller von Luftfahrtausrüstungen und Motoren verhindern", sagte der für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsident der Kommission, Joaquín Almunia.

Eine erste Untersuchung der Kommission ergab, dass die geplante Übernahme den beteiligten Unternehmen einen sehr hohen Marktanteil auf dem Markt für AC-Generatoren verschaffen würde, der der Untersuchung zufolge hohe Eintrittsschranken aufweist. Da Goodrich der stärkste Wettbewerber des Marktführers UTC ist, wäre das Unternehmen für etwaige neue Marktteilnehmer ein potenzieller Partner. Außerdem würde durch die Übernahme eine konzentrierte Struktur des weltweiten Marktes für Motorensteuerungen geschaffen.

Die Untersuchung zeigte ferner, dass Goodrich-Kunden, die mit der auf Flugzeugmotoren spezialisierten UTC-Tochter Pratt & Whitney im Wettbewerb stehen, Probleme aufgrund der vertikalen Überschneidungen zwischen den Geschäftstätigkeiten der Fusionspartner entstehen könnten. Entfällt Goodrich als unabhängiger Anbieter von Motorensteuerungen und Kraftstoffdüsen (v. a. für Kleinmotoren), könnte dies für Motorenhersteller, die mit Pratt & Whitney konkurrieren, höhere Input-Preise bedeuten. Insbesondere für Hersteller, die derzeit Kunden von Goodrich sind, könnte ein Anbieterwechsel zeit- und kostenaufwändig sein.

Auch bei den auf dem Anschlussmarkt angebotenen Dienstleistungen könnten der vorläufigen Untersuchung zufolge Wettbewerbsprobleme auftreten, die den Zugang von Wettbewerbern zu Ersatzteilen und damit verbundenen Vorleistungen von UTC und Goodrich betreffen.

In Anbetracht dieser Bedenken wird die Kommission die geplante Übernahme nun einer eingehenden Prüfung unterziehen. Der geplante Kontrollerwerb wurde am 20. Februar 2012 bei der Kommission angemeldet.

Unternehmen und Märkte
UTC will die gesamte Goodrich Corporation zu einem Kaufpreis von 18,4 Mrd. USD erwerben. Dies wäre eine der größten Firmenübernahmen der vergangenen Jahre in der Luftfahrtbranche.

UTC produziert eine breite Palette von Hochtechnologieprodukten und erbringt weltweit Dienstleistungen für Gebäudesysteme sowie die Luft- und Raumfahrtindustrie. Zur UTC-Gruppe gehören große Unternehmen wie Carrier (Heizungs- und Klimaanlagen), Otis (Aufzüge), UTC Fire & Security (Brandmeldeanlagen und Feuerlöscher) sowie UTC Power und UTC Fuel Cells (Stromgeneratoren und Brennstoffzellen). Im Zusammenhang mit der Übernahme von Goodrich sind die Tochtergesellschaften Hamilton Sundstrand (Luft- und Raumfahrtsysteme), Pratt & Whitney (Flugzeugturbinen) und Sikorsky (Hubschrauber) besonders relevant.

Goodrich ist weltweit in der Herstellung und im Verkauf von Systemen und Dienstleistungen für die Luft- und Raumfahrt, die Verteidigungs- und die Sicherheitsindustrie tätig. Seine drei wichtigsten Sparten sind Steuerungs- und Landesysteme, Triebwerksgondeln und Innenausstattung sowie elektronische Systeme.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren
Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Die meisten Zusammenschlüsse werden von der Kommission nach einer einmonatigen Prüfung genehmigt (Phase I). Wenn jedoch wettbewerbsrechtliche Bedenken bestehen, muss eine eingehende Prüfung eingeleitet werden (Phase II). Die Einleitung eines solchen Verfahrens greift dem Ergebnis nicht vor.

Zurzeit laufen noch vier weitere eingehende Prüfverfahren. Das erste betrifft die geplante Übernahme von Synthes durch Johnson and Johnson. Beide Unternehmen sind in den USA ansässig und im Bereich orthopädische Medizinprodukte tätig. Die zweite eingehende Prüfung wurde im November 2011 eingeleitet und betrifft den geplanten Erwerb einer Kontrollbeteiligung am Zuckerhändler ED&F MAN durch den deutschen Zucker- und Melassehersteller Südzucker (Frist: 22. Mai 2012). Im dritten Verfahren wird die geplante Übernahme der gemeinsamen Kontrolle über einen Teil der italienischen staatlichen Reedereigruppe Tirrenia durch die Compagnia Italiana di Navigazione untersucht. In diesem Verfahren wurde die Frist vom 13. Februar 2012 nach Artikel 11 Absatz 3 der Fusionskontrollverordnung ausgesetzt, damit die beteiligten Unternehmen die für die wettbewerbsrechtliche Beurteilung erforderlichen Informationen übermitteln können. Das vierte Verfahren wurde letzte Woche eingeleitet, um die geplante Übernahme des Musikgeschäfts der EMI-Gruppe durch Universal eingehend zu prüfen. Die Frist für diese Untersuchung endet am 8. August 2012.

Weitere Informationen unter:
http://ec.europa.eu/competition/elojade/isef/case_details.cfm?proc_code=2_M_6410
(Europäische Kommission: ra)

- Anzeigen -




Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Europäische Kommission

  • Besonders unlauteren Praktiken verbieten

    Das Europäische Parlament, der Rat der Europäischen Union und die Europäische Kommission haben eine politische Einigung über die allerersten Vorschriften erzielt, die ein faires, transparentes und berechenbares Geschäftsumfeld für Unternehmen und Händler bei der Nutzung von Online-Plattformen schaffen sollen. Händler, die Online-Marktplätze nutzen, Hotels, die Zimmer über Buchungsplattformen anbieten, oder App-Entwickler gehören zu denen, die von den vereinbarten neuen Vorschriften profitieren werden. Die neue Verordnung wird ein berechenbareres und transparenteres Geschäftsumfeld im Internet schaffen und neue Möglichkeiten für die Beilegung von Streitigkeiten und Beschwerden eröffnen.

  • CO2-Emissionsnormen für Lastkraftwagen

    Das Europäische Parlament und der Rat haben eine vorläufige Einigung über eine Verordnung erzielt, mit der in der EU erstmals strenge CO 2-Emissionsnormen für Lastkraftwagen festgelegt werden. Die Übereinkunft folgt auf die im Dezember erzielte Einigung über neue CO2-Emissionsnormen für Personenkraftwagen und leichte Nutzfahrzeuge in der EU für die Zeit nach 2020. Als Teil der von der Juncker-Kommission vorgelegten Legislativvorschläge für saubere Mobilität ist dies ein weiterer Schritt, um den europäischen Mobilitätssektor zu modernisieren und auf die Klimaneutralität in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts vorzubereiten. Nach der Vereinbarung müssen die Emissionen aus neuen Lastkraftwagen im Jahr 2030 um 30 Prozent unter den Emissionen im Jahr 2019 liegen.

  • Verstoß gegen das Unionsrecht

    Die Europäische Kommission hat dargelegt, wie sie ihre Berechnungsmethode im Zusammenhang mit finanziellen Sanktionen, die sie dem Gerichtshof der Europäischen Union bei Vertragsverletzungsverfahren vorschlägt, anpassen wird. Die Kommission wird weiterhin für eine konsequente, ausgewogene und für alle Mitgliedstaaten gerechte Durchsetzung des EU-Rechts sorgen. Wenn die Kommission einen Mitgliedstaat aufgrund eines Verstoßes gegen das Unionsrecht vor den Gerichtshof der Europäischen Union bringt, kann der Gerichtshof in bestimmten Fällen finanzielle Sanktionen verhängen. Die Kommission schlägt dem Gerichtshof einen Betrag vor; der Gerichtshof trifft dann die endgültige Entscheidung.

  • Versäumnisse in Bezug auf Informationspflichten

    Eine EU-weite Überprüfung kommerzieller Websites ergab, dass viele Verbraucher beim Online-Kauf keine genauen Informationen über Preise und Preisnachlässe erhalten. Die Europäische Kommission und nationale Verbraucherschutzbehörden veröffentlichen die Ergebnisse eines EU-weiten Screenings von 560 kommerziellen Websites, die Waren wie Kleidung oder Schuhe, Dienstleistungen wie Eintrittskarten für Veranstaltungen und digitale Inhalte zum Beispiel Computer-Software anbieten. Etwa 60 Prozent dieser Websites wiesen Unregelmäßigkeiten gegenüber den EU-Verbrauchervorschriften auf, und zwar hauptsächlich bei der Art und Weise, wie Preise und Sonderangebote dargestellt werden.

  • Märkte für Stromerzeugung und -großhandel

    Die Europäische Kommission hat die Übernahme von E.ON-Vermögenswerten aus dem Bereich der Erzeugung von Öko- und Atomstrom durch RWE nach der EU-Fusionskontrollverordnung genehmigt. Sie gelangte zu dem Schluss, dass das Vorhaben keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken in Bezug auf den Europäischen Wirtschaftsraum gibt. Sowohl RWE als auch E.ON sind deutsche Energiekonzerne, die auf verschiedenen Stufen der Stromversorgungskette tätig sind, d. h. Stromerzeugung, -großhandel, -verteilung und -einzelhandel. Die beiden Unternehmen führen einen komplexen Austausch von Vermögenswerten durch. Im Anschluss an diesen Austausch wird RWE in erster Linie auf den vorgelagerten Märkten für Stromerzeugung und -großhandel tätig sein, während sich E.ON auf die Verteilung von Strom und Gas und den einschlägigen Einzelhandel konzentrieren wird.